Inkusion in der Bildung muss mehr gefördert werden, fordern die Experten. Foto: WR
Inklusion

Ohne Assistenz zur Schule

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Viele Kinder in Bremen leiden unter dem Fachkräftemangel bei Schulassistenzen.

Welche Kinder ein Recht auf eine Assistenzkraft in der Schule haben, entscheidet je nach Art der Beeinträchtigung entweder die Bildungs- oder die Sozialbehörde. Für beide Bereiche gilt jedoch: es gibt zu wenig Fachkräfte, und einige Stellen bleiben unbesetzt. Gleichzeitig ist die Zahl der Schüler mit einem Anspruch auf Assistenzleistungen kontinuierlich gestiegen.

Laut Zahlen des Bildungsressorts gab es im Schuljahr 2018/2019 insgesamt 450 Schüler mit körperlichen Beeinträchtigungen und 255 Schüler mit sozialen und emotionalen Beeinträchtigungen. Im Schuljahr 2014/2015 waren es noch 370 mit körperlicher und nur 13 mit emotionaler Beeinträchtigungen gewesen.

Personalrat Schulen bemängelt personelle Lage

Dem gestiegenen Bedarf steht der Fachkräftemangel entgegen. „Oft dauert es nach wie vor Monate, bis Assistenzstellen besetzt werden“, bemängelt Dagmar Reinkensmeier vom Personalrat Schulen Bremen. Das bedeute für einige Kinder, die ein Recht auf Begleitung haben, dass sie zu Hause bleiben müssen, oder, wenn möglich, vorübergehend auf die Assistenz verzichten müssen. Schwierig seien laut der Lehrerin auch immer noch Krankheitsvertretungen.

„Fällt eine Schulassistenz aus, hat das Kind oftmals keine Möglichkeit, schnellen Ersatz zu bekommen“, sagt Reinkensmeier. Dies passiere besonders häufig bei Kindern mit sozialen oder emotionalen Störungen, da deren Assistenzkräfte sehr spezifisch für die Bedürfnisse des betreuten Kindes qualifiziert seien, meint sie.

Genaue Zahlen unklar

Das Bildungsressort hält mit aktuellen Zahlen dagegen: Laut Sprecherin Annette Kemp stehen für die aktuell rund 530 Schüler mit Assistenzbedarf gegenwärtig 300 Vollzeitstellen bei vielen verschiedenen Trägern zur Verfügung. „Die genaue Zahl der Assistenzkräfte ist jedoch höher, da nicht jede Kraft eine Vollzeitstelle hat“, sagt Kemp. Zur Zeit seien nur 13 Stellen unbesetzt, die erst vor kurzem beauftragt worden seien. Diese Positionen sollen aber zeitnah besetzt werden.

Die Zahlen betreffen aber nur Assistenzen für Schüler mit körperlichen Beeinträchtigungen wie Diabetes oder Autismus-Spektrum-Störungen. Für den Bereich soziale und emotionale Beeinträchtigungen ist das Sozialressort verantwortlich – eine Antwort auf die Anfrage zu aktuellen Zahlen war der Behörde jedoch bis Redaktionsschluss nicht möglich.

Modellprojekt bietet Pool an Assistenzkräften

Ein zwei Jahre andauerndes Modellprojekt, welches die Situation verbessern soll, läuft derzeit in der Wilhelm-Kaisen-Schule in Huckelriede. Dort werden sechs verhaltensauffällige Kinder separat von einem Pool an Assistenzkräften betreut.

Bildungssenatorin Claudia Bogedan erläuterte zu dem Projekt in der letzten Sitzung der Bildungsdeputation, es gehe nicht darum, durch eine Pool-Lösung Assistenzkräfte einzusparen, sondern darum, dass es häufig pädagogisch nicht sinnvoll sei, wenn insgesamt zu viele erwachsene Assistenzkräfte mit im Klassenraum säßen.

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