Wolfgang Helms ist seit 2011 Geschäftsführer des Vegesack Marketing. Foto: Harm
Einzelhandel

„Ein Wechsel von Zeit zu Zeit ist normal“

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Vegesack Marketing-Geschäftsführer Wolfgang Helms spricht über die Fußgängerzone und das neue Kontor.

Weser Report: Wie ist die Stimmung bei den Einzelhändlern vor Ort?

Wolfgang Helms: Die Stimmung ist gut. Die Händler freuen sich auf das Weihnachtsgeschäft und bereiten sich darauf vor. Die Weihnachtszeit ist für viele Sortimentsbereiche besonders wichtig, wie zum Beispiel für die Juweliere. Die Hauptumsatzwochen liegen jetzt vor uns.

Für welche Waren gehen die Menschen denn noch in die Vegesacker Innenstadt? Welche werden eher im Internet bestellt?

Es gibt ein heterogenes Kaufverhalten. Das sagen auch die Gesamtumsatzzahlen des Handels aus: Viele Menschen bleiben dem stationären Handel und den Vorteilen wie einer persönlichen Beratung treu. Es ist angenehmer in einer Fußgängerzone wie in Vegesack einkaufen zu gehen, wo man nochmal Bekannte trifft, wo man einen Wochenmarkt hat oder wo man den Einkauf mit einem Arztbesuch verbinden kann. Aber wie es so ist, der eine oder andere kauft auch in der digitalen Welt ein.

Gibt es einen Sortimentsbereich, der Ihrer Meinung nach in Vegesack fehlt?

Wir sind grundsätzlich gut ausgestattet. Auch wenn man bedenkt, dass das Kontor am Hafen eröffnet hat und dort in Zukunft Sortimente, wie Elektronik, angeboten werden sollen. Aber natürlich wünsche ich mir noch weitere Sortimente direkt in der Fußgängerzone. Dann müssen aber auch die geeigneten Flächen zur Verfügung stehen. Wir haben zwar einen guten Besatz, aber in ein, zwei Bereichen haben wir Leerstände. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass man dafür innerhalb weniger Monate wieder neue Interessenten findet.

Sie sagten, dass Sie sich noch Anbieter wünschen: Für welche Sortimente?

Alle zwei Jahre nehmen wir an der Studie der vitalen Innenstädte teil und die Menschen vor Ort werden jedes Jahr im September zu Wünschen und Meinungen befragt. Dort sind zum Bespiel Sport- und Elektronik-Geschäfte erwähnt worden. Der Bereich Elektro wird dann ja im Kontor kommen.

Sie haben schon das Kontor angesprochen. Sehen Sie das Center als Konkurrenz oder als Ergänzung für die Fußgängerzone?

Das Kontor ist eine Stärkung des Mittelzentrums Vegesack. Es ist vollkommen berechtigt, dass an diesem Standort ein Fachmarkt-Zentrum eröffnet hat. Mit der weiteren Entwicklung auf dem Haven Höövt-Gelände entsteht dort ein ganz neues Quartier. Es ist ein tolles Zusatzangebot für alle Vegesacker und Bremen-Norder.

Sie haben schon kurz das Thema Leerstand angesprochen. Der zeigt sich besonders in der Reeder-Bischoff-Straße. Dort stehen momentan vier, fünf Läden leer, Perko schließt Ende des Jahres. Wie schätzen Sie die Situation in der Straße ein?

Das sind normale Prozesse in einer Fußgängerzone wie in Vegesack. Wir haben ungefähr 160 erdgeschossige Gewerbeflächen. Das dort von Zeit zu Zeit ein Wechsel stattfindet, ist normal. Es sind die unterschiedlichsten Gründe, warum die Läden schließen, zum Beispiel altersbedingt oder weil ein Umzug ansteht. Zurzeit haben wir in dem Bereich ein, zwei Flächen mehr als üblich auf dem Markt, aber das wird sich in nächsten Monaten wieder anders darstellen. Durch die Wechsel kommt auch Bewegung rein und es gibt Potenziale für andere, ihre Ideen zu verwirklichen.

Das heißt, es gibt schon Ideen, was mit den Flächen passiert?

Ich glaube, das sind spannende Standorte und für solche spannenden Standorte gibt es bestimmt auch gute Interessenten und eine gute Nachfrage.

Können Sie denn schon sagen, wann sich in den Geschäften etwas tun wird?

Ich denke, dass im Laufe des Frühjahrs etwas absehbar ist. Da muss man etwas Geduld haben. Es sind nicht nur die Gespräche zwischen Vermieter und potentiellem Mieter, da steht noch in bisschen mehr hinter.

Vegesack Marketing organisiert hier viele Veranstaltungen, wie aktuell den Winterspaß. Wen erreichen Sie mit diesen Veranstaltungen?

Wir machen mittlerweile fast zehn Veranstaltungen pro Jahr und erreichen damit fast 700.000 Besucher. Der Kindertag richtet sich zum Beispiel an Familien mit Kindern. Dort kommen auch viele Besucher aus dem niedersächsischen Umland. Wir haben jetzt den Vegesacker Winterspaß. Der richtet sich an die ganze Bandbreite von Kinder und Jugendlichen, die die Eisbahn nutzen bis zum Treffen von Arbeitskollegen bei einem Glühwein.

Das heißt die Veranstaltungen haben auch eine entsprechende Bedeutung für den Einzelhandel?

Ja, das können wir auch belegen. Wir haben seit einigen Jahren Passanten-Frequenz-Zähler. Die können uns sagen, wann wie viele Menschen die Innenstadt besucht haben. Da stellen wir fest, dass es bei den Veranstaltungen eine entsprechende Steigerung gibt.

Welche Neuheiten gibt es im kommenden Jahr?

Wir haben ein Orientierungs- und Leitsystem ausgearbeitet. Das befindet sich im Antragsverfahren. Es sind mehrere Standorte definiert worden. Im Frühjahr nächsten Jahres wird das wohl umgesetzt. Dieses Jahr hatten wir mit dem Matjestag schon eine Neuheit. Der soll auch 2020 stattfinden.

Was sind Ihre Wünsche für den Einzelhandel vor Ort?

Für jeden Händler hier vor Ort wünsche ich, dass sie ihren guten Weg weiter voranschreiten. Und ich hoffe, dass der eine oder andere uns neu entdeckt. Denn Vegesack ist wirklich ein hervorragender Standort, um seine Selbstständigkeit auszuüben.

Zur Person:

Wolfgang Helms (56) ist der Geschäftsführer des Vereins Vegesack Marketing. Die Position hat er seit Januar 2011 inne. Der Verein versteht sich als Dienstleister für den Standort mit seinen vielfältigen Belangen und Bedürfnissen. Entstanden ist er aus dem ehemaligen City Marketing Vegesack, einer Werbegemeinschaft für Kaufleute.

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