Der eine beschleunigt besser, der andere ist leichter zu fahren. Die E-Scooter der beiden Anbieter unterscheiden sich in so manchem Kriterium. Für beide gilt: Parken ist bisher nur in der Nähe der Bremer Innenstadt möglich. Foto: Schlie
E-Scooter

An der Weser ist Schluss

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Wir haben die E-Scooter-Anbieter Voi und Tier getestet. Heraus kamen nicht viele, aber feine Unterschiede.

Sie sorgen seit rund zehn Tagen für Aufsehen in Bremen: E-Scooter. Egal ob Bushaltestelle im Viertel, Altes Postamt am Hauptbahnhof oder an der Schlachte – die elektronischen Vehikel prägen mittlerweile das Erscheinungsbild der Hansestadt. Noch sind es nur die beiden Unternehmen Voi und Tier, deren insgesamt rund 400 E-Scooter bisher verfügbar sind. Wir haben beide Anbieter mal etwas genauer unter die Lupe genommen und erklären, wie die Systeme funktionieren.

Das Leihsystem funktioniert bei beiden Anbietern recht einfach: App aufs Handy laden, mit einer E-Mail-Adresse anmelden und eine Zahlungsmethode angeben. Auf einer Karte werden die Standorte der verfügbaren Scooter mit ihrem aktuellen Akkustand angezeigt. Hat man den Scooter seiner Wahl gefunden, wird der QR-Code auf dem Lenker gescannt und es kann losgehen.

Tier-Nutzer können ihr Handy dank spezieller Halterung an der Lenkerstange befestigen. Auffällig: Sämtliche Voi-Scooter sind im innenstadtnahen Gebiet verteilt, die Grenze verläuft an den Stadtteilen Utbremen, Findorff, Neu-Schwachhausen, Hastedt sowie dem kompletten Bereich links der Weser. Findorff und Utbremen sind bei Tier zusätzlich innerhalb der Grenzen. Auch in diesen Stadtteilen stehen die grünen Roller also zur Abfahrt bereit.

Gleiche Preise, ähnliches Fahrgefühl

Die Preise beider Anbieter unterscheiden sich nicht. Pro Minute fallen 15 Cent an Gebühren an, zudem verlangen sowohl Voi als auch Tier eine Startgebühr in Höhe von einem Euro. Die App ist kostenlos, auch Anmelde- oder Monatsgebühren gibt es nicht.

Erste Unterschiede sind dann aber beim Fahrkomfort zu erkennen. Der Voi-Scooter fährt sich etwas leichter, bietet aber auch etwas weniger Trittfläche als sein deutscher Kollege. Um loszulegen, muss der Nutzer erst einmal Schwung holen und dann den Stromhebel betätigen. Beide Scooter-Modelle sind mit Vorder- und Rücklicht, zwei Bremsen und einem Ständer ausgestattet.

Nicht nur das Fahrgestell wirkt bei Tier stabiler. Während das Fahrzeug bei Voi nur auf einem Beinchen steht, gönnt Tier dem Roller einen Zweibeinständer. Die Pflicht, einen Helm zu tragen besteht nicht, es wird aber dringend empfohlen.

Während der Abfahrt bremst der Scooter automatisch

Der insgesamt etwas massivere Tier-Scooter erweist sich bei unserer Testfahrt außerdem als flinker. Der grüne Scooter beschleunigt schneller und hat bei einem direkten „Wettrennen“ die Nase vorn. Auch im sonstigen Fahrverhalten überzeugt er etwas mehr, vor allem auf wackeligem Untergrund wie etwa auf Kopfsteinpflaster.

Während man auf beiden Modellen nicht unbedingt geschützt ist, fühlt man sich zumindest auf dem Tier sicherer. Generell sind beide Roller auf eine Geschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde gedrosselt – wer etwa bergab Strom gibt, wird automatisch abgebremst.

Tier hat bisher die größere Parkzone

Unterschiede sind auch bei den Parkverbotszonen zu verzeichnen. Während die Voi-Scooter beispielsweise nicht in Findorff abgestellt werden dürfen, können Tier-Scooter auch dort ihre Fahrt beenden. Während das Abstellen des Tiers in unserem Test mit einer kurzen Berührung auf dem Smartphone erledigt ist, brauchte es für den Voi drei Anläufe.

Wer versucht, seinen Scooter in einer Sperrzone abzustellen, bekommt eine Fehlermeldung auf sein Display und bleibt eingeloggt. In den Parkverbotszonen besteht jedoch kein Fahrverbot – so darf jeder durch die Überseestadt oder die Neustadt fahren, muss dann jedoch wieder in die Innenstadt zurückkehren, um seinen Roller loszuwerden. Vorsicht ist zudem geboten, wenn der Handy-Akku nicht reicht – sollte das Smartphone sich ausschalten, bevor man sich ausloggt, kann es zu Strafgebühren kommen.

 

von Mirja Mader und Henrik Schumacher

 

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Eine Antwort

  1. Wolfgang Zimmermann sagt:

    In Berlin z. B, kann ich in der ganzen Stadt auf die gleiche Weise mit meinem Mobiltelefon ein Auto leihen, für 35 Cent/Minute und 4 Personen passen da rein. Und es sind immer genügend Fahrzeuge irgendwo in der Nähe. DAS ist eine echte Alternative zum privaten PKW. Solches fehlt in Bremen, könnte die Wohnstraßen und die Innenstadt entlasten. Die Roller sind nur ein teurer Schönwetter-Gag.

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