Möchte die Amtszeit noch zu Ende arbeiten, auch wenn er vorher in Pension gehen könnte: Harald Stehnken. Foto: Harm
Interview

„Wir haben hier alles, was wir brauchen“

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Interview zum Jahresende: Rück- und Ausblick mit Schwanewedes Bürgermeister Harald Stehnken.

Weser Report: Ein Thema, das die Gemüter in den vergangenen Monaten erhitzt hat, ist der geplante Mastbetrieb in Aschwarden. Wie ist der aktuelle Stand?

Harald Stehnken: Die Hauptverantwortung für die Genehmigung liegt beim Landkreis. Die Gemeinde muss eine Stellungnahme abgeben, das haben wir getan: Die Hähnchenmast in dieser Form wollen wir alle nicht. Der Landkreis prüft das Vorhaben noch. Der Landwirt hat nach den bestehenden Gesetzen einen Antrag gestellt und in der Form, wie er es gemacht, muss der Baudezernent das genehmigen. Die einzige Möglichkeit ist, eine alternative Fläche in Schwanewede zu finden, aber die gibt es nicht.

Welche Themen haben die Gemeinde noch beschäftigt?

Der Bauernhofkindergarten in Aschwarden war auch immer wieder Thema. Aber das große Thema sind die Kindergarten- und Schulplätze. Wir haben einen unheimlichen Run auf Kindergartenplätze, insbesondere seit für die Drei- bis Sechsjährigen keine Gebühren mehr anfallen. Damit haben wir so nicht gerechnet. Wir sind dabei zu erweitern, zum Beispiel in Meyenburg und Löhnhorst. Wir planen eine Einrichtung mit fast 100 Plätzen in Beckedorf und einen Kindergarten auf dem OHG-Gelände.

Wie sieht es bei den Schulen aus?

Der Brandschutz ist verstärkt worden. An der Waldschule müssen wir dahingehend umfangreich sanieren für ein paar Millionen. In Neuenkirchen sind wir dabei die Ganztagsschule mit Cafeteria voranzutreiben. Die Schule in Meyenburg ist in einem furchtbaren Zustand. Da prüfen wir, was passieren muss. Das sind große Aufgaben, die wir zu bewältigen haben.

Zu diesen Aufgaben zählt auch die Nachnutzung der Lützow-Kaserne.

Da sind wir ständig bei. Die Eigentümerin, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, möchte die gesamten Lasten für das Grundstück von 83 Millionen Bundesbürgern auf 20.000 Schwaneweder übertragen. Das können wir nicht einfach mal kaufen. Aber es geht voran. Wir haben jetzt von einem externen Büro einen Rahmenplan erarbeiten lassen. Auch ein erstes Verkehrsgutachten liegt inzwischen vor. Und es gibt immer wieder Gespräche mit Investoren. Nächstes Jahr werden wir mit der Entwicklungsgesellschaft weitermachen. Der Gemeinderat hat uns ja die Aufgabe gegeben, diese zu gründen.

Lützow-Kaserne und der Kita-Ausbau sind zwei der großen Themen für 2020. Dazu kommt noch der Klimaschutz.

In der Gemeinde soll nächstes Jahr ein Klima-Manager eingestellt werden, der oder die direkt als Stabsstelle beim Bürgermeister angesiedelt ist. Auch diesen Auftrag hat uns der Gemeinderat mitgegeben. Gemeinsam mit der Politik wird die Verwaltung Anfang des Jahres eine Ausschreibung erarbeiten. Wir haben im Bereich Klimaschutz auch schon viel gemacht, zum Beispiel die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED oder das Säen von bienenfreundlichen Wiesen. Aber es reicht noch nicht.

Schwanewede erfreut sich großer Beliebtheit bei Familien mit Kindern. Es wird viel nach Grundstücken gefragt. Wo entsteht neuer Wohnraum?

Einige Häuser werden „Am Brink“ entstehen. Die Lützow-Kaserne soll das nächste große Entwicklungsgebiet werden – hauptsächlich für wohnen, aber auch für Sport und kleine Geschäfte. Aktuell haben wir aber zu wenig Wohnraum, um der Nachfrage nachzukommen. Man muss aber auch Bedenken, dass die Infrastruktur mitwachsen muss, wenn die Gemeinde größer wird. Zum Beispiel müssen Schulen und Kitas ausgebaut werden.

Wieso ist Schwanewede Ihrer Meinung nach so beliebt?

Wir haben hier alles, was wir brauchen. Es sind fast alle Fachärzte hier, die Vereine sind sehr aktiv, die Natur bietet tolle Möglichkeiten und wir haben viele Einkaufsgelegenheiten. Und wenn das nicht reicht, ist man schnell in der Bremer Innenstadt.

Die Gemeinde würde gerne mehr Wohnbauflächen anbieten, wie steht es denn um Areale für Gewerbe?

Auch da würden wir gerne mehr anbieten. In Brundorf sind so gut wie alle Grundstücke verkauft. Ein Gutachten des Landkreises zur Entwicklung von Gewerbeflächen ist zu dem Schluss gekommen, dass die Ortschaft Brundorf ideal für weitere Flächen geeignet ist. Die Bevölkerung und der Ortsvorsteher dort sprechen sich aber gegen eine Ausweitung aus. Sie fürchten, dass der Verkehr zu stark zunimmt. Das ist für uns ein Problem, weil wir natürlich auch Arbeitsplätze schaffen wollen. Wir würden noch gerne in Neuenkirchen weiterentwickeln. Da haben wir gerade die Eigentümer der Grundstücke angeschrieben.

Was war denn Ihr persönliches Highlight dieses Jahr?

Ich hatte dieses Jahr das Glück sehr viel Urlaub mit unseren Kindern und Enkelkindern zu machen. Wir haben unseren einen Sohn in Kairo besucht, der dort für die GIZ Entwicklungshilfe macht. Das war auch sehr besonders.

Worauf freuen Sie sich 2020 am meisten und was wünschen Sie sich?

Auf die Hochzeit meines jüngsten Sohns freue ich mich besonders. Der heiratet 2020 in Spanien. Meine Frau und ich fliegen Ende des Monats schon mal hin, um zu schauen, wo er heiratet. Wir treffen uns mit den Eltern seiner Verlobten und machen ein paar Tage Urlaub. Und für 2020 wünsche ich mir noch weiter eine so gute Zusammenarbeit zwischen Rat und Verwaltung wie bisher.

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