Björn SC Deigner Björn SC Deigner wurde nicht nur bereits mehrfach für wichtige Autorenpreise nominiert, seine Stücke werden auch aufgeführt. Keine Selbstverständlichkeit, wie der Stückeschreiber und Komponist verrät. Foto: Niklas Vogt
Interview

Kunst trifft Wissenschaft

Von
Björn SC Deigner über sein Stipendium beim HWK und seine Arbeit als Autor.

Delme Report: Herr Deigner, können Sie die Handlung von „Mission Mars“ kurz in eigenen Worten wiedergeben?

Björn SC Deigner: Das Stück setzt sich mit der Frage auseinander, ob und wann wir diesen Planeten verlassen müssen, wenn wir nicht lernen, anders mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen umzugehen. Die Herausforderungen, die auf dem Planeten Erde vor uns liegen, fordern von den Menschen eine angepasste Handlungsweise. Unter welchen Voraussetzungen müssen wir also Nomaden werden, wie manche Wissenschaftler sagen, die dann von Planet zu Planet ziehen? Das würde viele Herausforderungen beinhalten und die größte Variable wäre auch in dem Fall weiterhin der Mensch selbst. Der Text versucht, diesen Fragen nachzugehen und unterschiedliche Sichtweisen aufzuwerfen.

Was war der Stein des Anstoßes für die Auseinandersetzung mit diesem Thema?

Ich habe als Stipendiat drei Monate am Hanse Wissenschaftskolleg (HWK) in Delmenhorst verbracht. Im vergangenen Jahr von Februar bis Mai. Mir war schnell klar, dass das eine einzigartige Gelegenheit für mich war, mich mit Wissenschaftlern unterschiedlichster Coleur auseinanderzusetzen. Ich habe mit Hirnforschern, Tiefseeforschern, Geologen, Raumforschern Zeit verbracht. Ich wollte also einen Stoff wählen, der es mir erlaubte, auf all diese Wissenschaftler zugehen zu können. Da dachte ich, ich brauche erstmal ein sehr plakatives Thema, das die Wissenschaftler herausfordert. Die Marsexpedition stellt die Frage nach nachhaltigem Leben oder danach, alles zu verlassen und neue Gesetzmäßigkeiten zu suchen. Diese Frage wollte ich sehr einfach stellen, weil die Wissenschaft momentan vor der Herausforderung steht, auf der einen Seite sehr viele Erkenntnisse zu gewinnen und andererseits die Komplexität dieser Erkenntnisse zu vermitteln.

Also haben Sie die drei Monate in Delmenhorst zur Materialsammlung genutzt?

Ich hatte in der Tat schon ein halbes Jahr vorher Material gesammelt. Wenn man ein Stück über Raumfahrt, über Marsbesiedelung schreibt, muss man sich als Autor Wissen und Fakten aneignen. Für mich lag in Delmenhorst die Auseinandersetzung gar nicht so sehr in der Recherche, sondern das Kennenlernen der Wissenschaftler als Menschen. Wie stehen sie zu unserer Zukunftsfähigkeit und wie denken sie sich Überleben auf anderen Planeten? Das war für mich wichtiger. Die drei Monate habe ich genutzt, das Stück zu schreiben. Der Prozess war für mich sehr befeuert durch die einzigartige Struktur am Hanse Wissenschaftskolleg. Das kannte ich so nicht, dass man mit Top-Wissenschaftlern dieser Welt zusammensitzt und sich abseits jeglichen Drucks austauscht.

Sie waren zuletzt auf dem Heidelberger Stückemarkt nominiert. Wie wichtig ist der Preis?

Für Autoren ist er eine ganz wichtige Währung. Es gibt ja große Autorenwettbewerbe in Deutschland: wie die Berliner Autorentheatertage, eben den Heidelberger Stückemarkt oder die Mühlheimer Theatertage. Nun war ich im vergangenen Jahr auf dem Stückemarkt und das schafft sehr viel Aufmerksamkeit. Ich war dankbar, dass ich unter den Nomminierten war, so wie ich auch schon vor zwei Jahren in Berlin auf den Autorentheatertagen zu den Ausgewählten gehörte. Außerdem war „Mission Mars“ für mich in dieser Spielzeit die dritte Uraufführung und das ist für einen Autoren das Allerwichtigste. Dafür bin ich sogar noch dankbarer. Man schreibt Theaterstücke eben für das Theater und das Publikum.

Wie geht es jetzt für Sie weiter?

Ich werde jetzt ein oder zwei Wochen tief durchatmen, zur Ruhe kommen. Dann setze ich mich an die nächsten Texte. Ich bin für die nächste Spielzeit schon sehr konkret im Gespräch mit verschiedenen Theatern. Ich darf nicht zu viel verraten, nur so viel: es geht sehr divers weiter. Ich genieße es, in meinen Motiven unabsehbar zu bleiben und zu überraschen.

Zur Person

Der 1983 in Heidelberg geborene Björn SC Deigner studierte Theaterwissenschaft in Gießen. Der Autor von Stücken und Hörspielen komponiert auch Musik. Sein Stück „Mission Mars“ ist derzeit in der Exerzierhalle in Oldenburg zu sehen.

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