Horst Romahn besucht regelmäßig die Gremiensitzungen im Rathaus. Die ersten Minuten einer jeden Ratssitzung gehören Horst Romahn. Der 73-Jährige meldet sich regelmäßig unter dem Tagesordnungspunkt „Einwohnerfragestunde“ zu Wort und fühlt den Kommunalpolitikern mit kritischen Fragen auf den Zahn. Foto: Möller
Bei jeder Ratsitzung

Mit seinen Fragen will er unbequem bleiben

Von
Horst Romahn ist regelmäßiger Besucher von öffentlichen Sitzungen und nutzt dabei die Einwohnerfragestunde.

„Herr Romahn, denken Sie bitte daran, eine Frage zu stellen“, mahnt Klaus Sass den Redner. Regelmäßig besucht Horst Romahn die öffentlichen Sitzungen von Fachausschüssen und Stadtrat. Dabei sind die Mitwirkungsmöglichkeiten als Bürger ohne Mandat bescheiden. Immerhin zu Beginn einer jeden Gremiensitzung wird der Tagesordnungspunkt „Einwohnerfragestunde“ aufgerufen. Kaum ein Bewohner der Kreisstadt nutzt die Möglichkeit, sich dann an die Kommunalpolitik zu wenden. Das mag auch daran liegen, dass die Sitzungen nachmittags stattfinden.

Horst Romahn gönnt sich die Zeit, ins Rathaus zu marschieren, er ist Rentner. Und wenn er das Wort ergreift, geschieht dies sehr meinungsstark. Ihm geht es gar nicht allein darum, bloß Fragen aufzuwerfen, wie es das Regularium vorsieht, Romahn möchte auch Botschaften verkünden. Darauf aber achtet der jeweilige Ausschuss- oder Ratsvorsitzende peinlich genau. „Jetzt aber die Frage“, mahnt Klaus Sass, in der Wiederholung wird der Ratsvorsitzende immer strenger. „Das ärgert mich“, sagt Horst Romahn. In der Dezembersitzung des Rates wollte er den Ratsfrauen und Ratsherren seinen Dank für die von ihnen geleistete Arbeit aussprechen. Das war natürlich keine Frage. Und er wollte sagen, dass auch denjenigen Dank gehöre, die im vergangenen Jahr als Gewerkschaft ihre Mitglieder teils für 70-jährige Mitgliedschaft ausgezeichnet haben, „leider waren zu dieser Ehrung keine Amtsträger gekommen, das finde ich beschämend“, so Romahn. Noch schlimmer habe er es empfunden, dass kein Ratsvertreter zur Winterfeier ins Haus der Kulturen gekommen war, um sich mit ein paar Worten an jene zu wenden, „die bei uns ein neues Zuhause suchen mussten“.

Fragen auch als Ermahnungen gedacht

Seine Gedanken liest er meistens vom Manuskript ab, so kann er das mündlich Vorgetragene im Anschluss gleich an die Verwaltung einreichen, aus dem Rathaus wird er später eine Antwort erhalten. „Die schnellste Antwort bekam ich aus dem Bildungsressort“, erzählt Romahn, Susanne Fedderwitz hatte sich dafür nur drei Tage Zeit gelassen. „Meistens warte ich zwei bis drei Monate“, so Romahn. Hohe Anerkennung zollt er dem Stadtkämmerer: Volker Lütjen ließ sich bei einem an ihn gerichteten Auskunftsverlangen zwar zwei Monate Zeit, dafür gab es aber eine detaillierte Antwort über mehr als drei Seiten. Nicht immer kann sich Romahn so ernst genommen fühlen. „Ich weiß, dass ich denen auch auf die Nerven gehe“, schmunzelt der 73-Jährige. Ihm geht es aber auch darum, dass Dinge nicht unter den Teppich gekehrt werden. Romahn erhebt seine Stimme nie in eigener Sache. Es geht ihm um die Situation von Flüchtlingen, um die Verwirklichung der Inklusion oder um Fragen des Gesundheitswesens.

Romahn ist seit 1961 Mitglied der Gewerkschaft, als Drucker trat er damals der IG Druck und Papier bei. Über 50 Jahre gehört er auch der SPD an, engagiert hat er sich bei den Genossen vorwiegend in der Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen: „Leider sind die Anliegen der Arbeitnehmer bei den Sozialdemokraten immer weiter ins Hintertreffen geraten.“ Als ein Einzelkämpfer möchte er nicht eingestuft werden, für seine Schwerpunktthemen sucht er sich Bündnispartner. Beispielsweise ist er gerade aktiv geworden, um ein Musikprojekt an der Schule am Klosterplatz voranzubringen. Dort hat der Verein für musikalische Nachwuchsförderung einen Istrumentalunterricht initiiert. „Die Kinder lernen, je nach ihren motorischen Fähigkeiten, ein Instrument zu spielen“, freut sich Romahn. Nicht nur Fragen stellen und Reden halten, Horst Romahn packt auch kräftig mit an und bekommt seine Bestätigung, wenn er bei den Jugendlichen die ersten Lernfortschritte sieht.

Schon als Zwölfjähriger zum ersten Mal gestreikt

Horst Romahn engagiert sich selbst auch schon seit frühester Jugend: Im Alter von zwölf Jahren hat er seinen ersten Schul-streik erfolgreich absolviert: 1958 wurde seine Dorfschule in Bornreihe noch mit Torf beheizt, und die älteren Schüler waren dazu verdonnert, die Körbe mit dem Brennstoff zu füllen und dann die Öfen zu bestücken. „Das passierte, wenn alle anderen Pause hatten“, erzählt Romahn. Gegen diese Ungerechtigkeit ging er vor, versteckte kurzerhand die Körbe: „Die nächsten 14 Tage musste dann gefroren werden“. Als  Romahn seine Protestaktion beinahe einstellen wollte, ermunterte ihn ein erfahrener Lehrer: „Wenn Du jetzt nachgibst, wirst du Dein Leben lang immer nachgeben.“ Also blieb er standhaft, bis die Schule fürs Beheizen der Öfen eine neue, die Schüler entlastende Lösung fand und bis heute.

Teile jetzt den Artikel

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.