Lieber optimistisch voraus, als schmerzvoll zurück blicken. Foto: Nordphoto Leonardo Bittencourt ist ehrgeizig, möchte sich aber wohl fühlen bei seinem Verein. Sein Abstieg mit dem 1. FC Köln hatte ihn hart getroffen – mit Werder bangt er nun erneut. Foto: Nordphoto
Bittencourt Abstieg

„Will so etwas nicht nochmal verlieren“

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Leonardo Bittencourt gilt bei Werder als großer Kämpfer – ein Abstieg wäre ein Horrorszenario für ihn.

Nach der Spielabsage des Heimspiels gegen Eintracht Frankfurt an diesem Wochenende sind die Kicker des stark abstiegsbedrohten SV Werder Bremen am Sonntag sportlich zur Untätigkeit verdammt. Die nächste Aufgabe steht am kommenden Mittwoch (20.45 Uhr) im Pokal-Viertelfinale in Frankfurt an. Es ist ein Spagat zwischen Pokallust, Bundesligafrust und Abstiegsangt, den die Spieler in diesen Tagen durchleben. Einer, der schon einen ähnliches erlebt hat ist Leonardo Bittencourt. Wenn Werder die Klasse hält, dann greift eine Kaufoption für den 26-Jährigen.

Herr Bittencourt, wie geht es Ihrem Fuß?

Leonardo Bittencourt: Nächste Frage bitte.

So schlimm?

Nein. Aber wenn man nicht aufhört, kann es auch nicht besser werden. Ich hätte eigentlich mal drei, vier Wochen Pause machen müssen, aber das will ich in unserer Situation nicht.

Wie sehr müssen sie auf die Zähne beißen, brauchen Sie Schmerzmittel?

Bei den Spielen schon, im Training muss es ohne gehen, damit ich merke, wie mein Sprunggelenk reagiert. Nach den Spielen brauche ich ein, zwei Tage Pause mehr, um mich zu erholen.

Sie sind von Werder nur ausgeliehen und würden bei einem Abstieg durch Ihre Rückkehr nach Hoffenheim erstklassig bleiben. Warum opfern Sie sich da so auf und riskieren Ihre Gesundheit?

Weil ich hierbleiben möchte und nicht absteigen will. Das will keiner von uns. Egal, was danach für jeden einzelnen kommen könnte. Denn es ist schon so etwas wie ein Versagen, wenn dir das als Fußballer passiert.

Sie sind vor knapp zwei Jahren mit dem 1. FC Köln abgestiegen, was hat das mit Ihnen gemacht?

Das war sehr schwer für mich. Ich hatte in Köln mein Zuhause gefunden und einen Klub, mit dem ich mich zu 100 Prozent identifiziert habe. Hier geht es mir ähnlich. Wir fühlen uns als Familie sehr wohl. Der Verein hat mich mehr als überrascht. Ich hatte natürlich viel von der Werder-Familie gehört, aber hier spürt man wirklich, wie eng die Leute miteinander verbunden sind. So etwas will ich nicht nochmal verlieren.

Damals in Köln hätten Sie auch bleiben können, sind aber weitergezogen.

Das stimmt. Ich bin eben auch sehr ehrgeizig und will immer in der ersten Liga spielen. Und das will ich nächste Saison auch mit Werder weiterhin tun.

Sie spielen sehr leidenschaftlich, kämpfen um jeden Zentimeter und animieren das Publikum. Würden Sie sich da etwas mehr Unterstützung von den Kollegen wünschen?

Man muss der Typ dafür sein. Das kann man nicht von jedem fordern. Vielleicht fehlen da bei uns noch ein, zwar dieser Typen, aber mit Davie Selke ist ja gerade einer dazu gekommen, der das auch sehr gerne macht. Und elf Leos oder Davies auf dem Platz wären wahrscheinlich auch nicht gut (lacht).

Sie haben 2017 in Ihrer Zeit beim 1. FC Köln mal einen flammenden Appell für Peter Stöger gehalten und gesagt, er sei der beste Mensch, den man als Trainer haben könnte. Zwei Monate später wurde er entlassen. Geht es im Abstiegskampf nicht anders?

Freiburg hat schon oft genug bewiesen, dass es anders geht. Aber nur dann, wenn alle im Verein das mittragen. Ob das damals in Köln so war, weiß ich nicht. Die Spieler wollten Peter behalten, aber wir entscheiden das nicht. Wir wissen alle, was wir an Florian Kohfeldt hier haben. Und es gibt einem eine gewisse Ruhe, wenn Frank Baumann als Sportchef sagt, dass Flo bleibt. Wir wollen den Weg gemeinsam gehen und da unten rauskommen.

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