Mit einem Kran und einer Menge handarbeit wurde der Dachstuhl des 1778 errichteten Zweiständerhauses auf dem Hof Bredenberg von Familie Wellbrock im Osterholz-Scharmbecker Ortsteil Buschhausen abmontiert. Foto: Nils Wellbrock
Baudenkmal

Haus zieht von Osterholz-Scharmbeck nach Sottrum um

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Zweiständerhaus von 1778 vom Hof Bredenberg wird in Sottrums Ortsmitte neu aufgebaut.

„Wir sind froh, dass es ein solches Ende findet“, sagt Nils Wellbrock. In diesen Tagen wurde das im Jahre 1778 errichtete Zweiständerhaus aus dem Gebäudekomplex des Hofes Bredenberg behutsam herausgenommen. „Die jetzt gefundene Lösung für die 11,50 Meter breite und 12,50 Meter lange Kate ist viel besser, als ein bloßer Abriss“, sagt Wellbrock. „Das Dach war undicht geworden“, so Wellbrock. Und für eine wirtschaftliche Nutzung sei das historische Gebäude zu marode geworden. „Außerdem brauchen wir mehr Platz auf dem Hofgelände, damit die Zu- und Ablieferung besser passieren kann.“

Von der gut erhaltenen Bausubstanz des 242 Jahre alten Niedersachsenhauses hatten sich nämlich Mitglieder des Heimatvereins Sottrum überzeugt. Die Schwellen müssten wohl erneuert werden, meinen die Experten. Ständerwerk und auch die alten Eichenstämme der Dachkonstruktion lassen sich aber wieder einbauen. So wurden Holz und Zielgelsteine behutsam von der Zimmerei-Fachfirma Bischoff abgetragen und für den Transport vom Buschhausener Geestrücken an die Wieste vorbereitet.

Familienbetrieb in elfter Generation

Junglandwirt Nils Wellbrock setzt in elfter Generation die Arbeit auf dem Hof Bredenberg fort. Gemeinsam mit seinen Eltern Margrit und Martin Wellbrock betreibt er in Buschhausen den Milchviehbetrieb und eine Bullenmast. Die lange Familientradition ist in einer umfassenden Chronik aufgezeichnet. So kann Wellbrock das „D.O.“ im Giebelbalken der jetzt abgebauten Kate richtig deuten, „es steht für den damaligen Bauherrn Dierk Oldenbüttel“. Das benachbarte Wohnhaus seiner Familie wurde erst 1792 erbaut, so sei seine Familie nachweislich der Chronik um 1790 zu dem Hof gekommen.

Ein letztes Foto im Originalzustand: Beim Wiederaufbau in Sottrum wird sich die Dacheindeckung verändert zeigen, aufs Reet soll dann verzichtet werden. Foto: Nils Wellbrock

Seit Montag vergangener Woche war zuerst das Reet vom Dach entfernt worden, die Balken und das Ständerwerk wurden nummeriert und in ihre hölzernen Einzelteile zerlegt.
Später geht es auf eine Strecke von rund 70 Kilometern nach Sottrum in den Kreis Rotenburg. „Wir haben dieses historische Gebäude gerne für uns gesichert“, sagt Hans-Jürgen Krahn, Vorsitzender des dortigen Heimatvereins. Die Baumaterialien werden zunächst bis zum Wiederaufbau fachkundig gelagert. Die abgebauten Ziegelsteine werden wohl nur zur Frontseite wieder in die Fassade eingesetzt. Auch aufs Reetdach wird man in Sottrum verzichten.

Kate wird in Sottrum den Ortskern bereichern

Das Fachwerkhaus, in dem in früheren Jahren Menschen und Tiere zusammen Raum fanden, soll neben dem Heimathaus, einer alten Remise, einer Scheune sowie einem Speicher eine bauhistorische Einheit bilden. Es werde dann den Ortskern mit Rathaus und Kirche gegenüber prägen und den Ort an der Wieste noch attraktiver machen: „Thematisch greifen wir die Geschichte des Hauses auf und hoffen, dass es bald über den Tellerrand hinaus blickend im Sinne einer breiteren Heimat- und Kulturpflege genutzt werden kann“, erklärt das Vorstandsmitglied des Heimatvereins, Hermann Pape.

Mit Haus-Umzügen haben die Verantwortlichen in Sottrum übrigens schon Erfahrung: zum Beispiel wurde das Heimathaus in den Jahren 1995 und 1996 von Hassendorf an seinen jetzigen Standort versetzt. Und das ging damals nur über eine Entfernung von etwa fünf Kilometern.
Nils Wellbrock möchte den freigewordenen Platz auf dem Hof Bredenberg pflastern, „in der Mitte wird es ein Beet geben und darin stellen wir einen Feldstein auf, mit den Daten über den ältesten Gebäudeteil, der an dieser Stelle gestanden hat“.

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