Normalerweise sind die Blaumeisen zu dieser Zeit mit dem Nistbau beschäftigt. In diesem Jahr wird der komplette Bestand allerdings durch das Meisensterben bedroht.Foto: Bollmann
Vogelkrankheit

Meisensterben droht

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Beim Nabu trudeln immer mehr Meldungen über infizierte Blaumeisen ein. Es droht ein großes Meisensterben.

Erst vor zwei Jahren hat das Usutu-Virus große Teile der Amselbestände dahingerafft, jetzt folgt mit einer neuen Erkrankung schon die nächste Bedrohung für die Bestände der Singvögel in unserer Region.

Insgesamt mehr als 8.200 Meldungen über erkrankte und verendete Blaumeisen erreichten den Naturschutzbund (Nabu) in den vergangenen Tagen. Besonders schlimm betroffen ist die Region um das Oldenburger Land, Delmenhorst und im Ammerland.

Das Meisensterbenbedroht die Population der Vögel

In Niedersachsen wurden bis zu dieser Woche 1.200 Fälle registriert. Aber auch in Bremen gab es bereits 33 Meldungen über erkrankte oder verendete Blaumeisen. Und: Die noch unbekannte Krankheit wurde auch bei anderen Vogelarten festgestellt. So gibt es auch Berichte über erkrankte Kohlmeisen, Spatzen und Gimpel, die verendet sind.

Nachdem es im März zunächst nur einzelne Erkrankungen von Blaumeisen in Rheinhessen gegeben hatte, breitete sich das Meisensterben zuletzt massiv aus. Mit über 8.000 Meldungen erreicht das Meisensterben schon jetzt das Niveau des Amselsterbens, bei dem es ebenfalls Tausende Meldungen gab und bei dem die Drosselbestände regional um bis zu 90 Prozent eingebrochen sind.

Dabei weiß man bislang noch nicht einmal, wie sich die aktuelle Krankheit verbreitet. „Aktuell stehen Labordia­gnosen zum Auslöser noch aus“, berichtet Vogelexperte Florian Scheiba vom Bremer Nabu.

Eine bakterielle Infektion als Auslöser fürs Meisensterben?

Einige Eigenschaften der Krankheitswelle würden jedoch gut zu einer für Menschen ungefährlichen bakteriellen Infektion passen, die in der Vergangenheit vor allem in Großbritannien zu Lungenentzündungen bei Meisenarten geführt hat und seit 2018 in geringem Ausmaß auch aus Deutschland bekannt sei.

Wann die ersten Ergebnisse aus den Untersuchungen der toten Meisen aus dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und dem Friedrich-Löffler-Institut vorliegen, kann Scheiba noch nicht sagen, da man dafür Spezialtests benötige. Damit sind auch die genauen Übertragungswege des Virus oder Bakteriums noch unbekannt.

Da allerdings an Futterstellen häufiger mehrere erkrankte Vögel aufgefallen sind, rät der Nabu-Experte dazu, die Tiere an Futterstellen oder Vogeltränken zu beobachten und die Fütterungen sofort einzustellen, wenn mehr als ein kranker Vogel dort beobachtet wird. Außerdem sollten Tränken und Futterstellen regelmäßig gereinigt werden.

Beim Meisensterben sind erkrankte Vögel oft apathisch

Erkrankte Tiere fallen dadurch auf, dass sie apathisch und aufgeplustert auf dem Boden sitzen und nicht fliehen. Oft wirken die Vögel als hätten sie Atemprobleme. Häufig sind Augen, Schnabel und Teile der Federn verklebt.

Ab sofort können unter NABU.de/meisensterben kranke und tote Meisen gemeldet und Fotos übermittelt werden. „Entscheidend ist jetzt, den Krankheitserreger schnell zu identifizieren. Daher müssen tote Tiere von Experten untersucht werden“, so Scheiba.

Wer also einen gerade gestorbenen Vogel findet, sollte diesen – ohne ihn zu berühren – luftdicht verpacken und – nach vorheriger Rücksprache – an das Veterinäramt schicken.

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