Wilfried Döscher und seine Mitarbeiter beim Bremischen Deichverband rechts der Weser haben im Frühjahr alle Hände voll zu tun mit der Beseitigung der Flut- und Nutriaschäden. Foto: Schlie Wilfried Döscher und seine Mitarbeiter beim Bremischen Deichverband rechts der Weser haben im Frühjahr alle Hände voll zu tun mit der Beseitigung der Flut- und Nutriaschäden. Foto: Schlie
Hochwasserschutz

Frühjahrsputz am Deich

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Die Deicherhöhungen in Bremen sind bereits zur Hälfte abgeschlossen.

Mit Beginn des Frühlings geht die Zeit der Sturmfluten und Hochwasser vorüber. Die Mitarbeiter des Deichverbandes am rechten Weserufer kümmern sich nun darum, dass das Wasser nicht über die Deiche und Spundwände kommt.

„Bei Sturmfluten waren unsere Leute manchmal zwei oder drei Nächte lang in Bereitschaft. Es ist meist eine nächtliche Angelegenheit, und schlechtes Wetter ist uns sicher“, sagt Wilfried Döscher, Geschäftsführer des Deichverbands rechts der Weser.

Zu den Aufgaben gehört dann nicht nur die Bedienung des Lesumsperrwerks, sondern etwa auch das Schließen der Fluttore wie am Vegesacker Kito. „Da muss man vor Ort sein und manuell schließen, es könnte ja sein, dass etwas das Tor blockiert“, erklärt Döscher.

Grundwasserspeicher wieder aufgefüllt

In diesem Frühjahr haben die lang anhaltenden Niederschläge und Kettenfluten laut Döscher auch dazu geführt, dass der Grundwasserspeicher wieder aufgefüllt ist. „Wir hatten im Februar und Anfang März enorme Niederschläge, das gab es lange nicht. Das Defizit aus den Jahren 2018 und 2019 ist nun wieder etwas ausgeglichener“, sagt Döscher.

Nutria zerstören die Deiche

Jetzt, nach den Fluten, bereiten er und seine Leute schon die kommende Saison vor. Vorrangig kontrollieren sie die Deiche auf Schäden durch Sturmfluten oder Nutria und reparieren auch gleich, falls nötig.

Der Deichverband setzt sich bereits seit einigen Jahren dafür ein, die Nutria zu jagen. „Wir haben hier geschossene Exemplare mit bis zu 14 Kilogramm gesehen. Die durchlöchern die Deiche und beschädigen Ufer und Böschungen massiv“, sagt der gelernte Landschaftsplaner und Ingenieur.

Schafe sind in Bremen keine Alternative

Der Deichverband am rechten Weserufer kümmert sich um eine Deichfläche von 127 Hektar. Gemäht werden die Deiche erst, wenn die erste Blüte der Gräser vorbei ist. „Wir sind stolz auf unsere blühenden Deiche“, sagt Döscher.

Schafe als Alternative zur Mahd sind laut Döscher in Bremen undenkbar, dafür seien einfach zu viele Menschen entlang der Deiche unterwegs. In die Gewässer wird im Einklang mit dem Naturschutz erst ab Mitte August eingegriffen. „Es bleiben immer Pflanzen am Gewässerrand stehen, aber der Wasserdurchfluss ist gewährleistet. Erst zum Herbst wird der Bewuchs entfernt“, erklärt Döscher.

Etwa die Hälfte der Maßnahmen bereits umgesetzt

Rund 90.000 beitragszahlende Mitglieder hat der Deichverband rechts der Weser. „Bremen hatte seit jeher ein Problem: Wasser. Die Bürger haben gemerkt, dass es keinen individuellen Hochwasserschutz gibt und eine Solidargemeinschaft gegründet“, erklärt Döscher. Inzwischen gibt es den Deichverband rechts der Weser seit 80 Jahren.

Zum täglichen Geschäft gehört seit 2009 auch die Umsetzung des seit 2007 gültigen Generalplans Küstenschutz und die damit verbundenen Planungen in Bremen. Nach nun gut zehn Jahren sind die Hälfte der Maßnahmen zur Erhöhung und Verstärkung der Deiche und Schutzwände umgesetzt.

70 Prozent der Kosten trägt der Bund, 30 Prozent das Land Bremen. Im vergangenen Jahr konnten die Planungen im Bereich der Schlachte zwischen Tiefer und Fockegarten teilweise abgeschlossen werden, die Sanierung der Arkaden – deren Rückwand die eigentliche Flutwand ist – in Zusammenarbeit mit dem Amt für Straßen und Verkehr ist derzeit in Arbeit.

Küstenschutz bleibt ein Thema

In Bremen-Nord sei man derzeit unter anderem am Kraftwerk Farge sowie auf dem Gelände der Bremer Wollkämmerei dabei, den Hochwasserschutz anzupassen. Eine besondere Herausforderung stellt Vegesack mit dem historischen Hafen und dem ehemaligen Haven Höövt dar. „Während des Neubaus soll die Hochwasserwand gleich mit gemacht werden“, sagt Döscher.

Die Deicherhöhung ist mit Abschluss der jeweiligen Bauabschnitte jedoch nicht erledigt. Das Vorsorgemaß von weiteren 75 Zentimetern wird mit eingeplant und teilweise schon genutzt. „Wir werden uns“, sagt Döscher, „auch in Zukunft mit dem Thema Küstenschutzmaßnahmen ausein­andersetzen müssen.“

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