Diplom-Arbeitswissenschaftler Jens Loock ist seit November 2016 Personalvorstand des Bremer Werkes von Arcelor Mittal, dem weltgrößten Stahlkonzern. Foto: Schlie
Interview

Jens Loock: „Was wir jetzt brauchen“

Von
Arcelor Mittal Bremen-Personalvorstand Jens Loock zu Hilfen, Wasserstoff und China.

Weser Report: Herr Loock, wie begegnet das Bremer Stahlwerk von Arcelor Mittal der Corona-Pandemie?

Jens Loock: Im April haben wir in allen Bereich Kurzarbeit. Die Mitarbeiter arbeiten rund 50 Prozent weniger als üblich. Ihr Kurzarbeitergeld stocken wir auf bis zu bis 85 Prozent auf. Das wird aller Voraussicht nach auch im Mai so sein. Wir sind ja stark von den Autoherstellern abhängig, die hatten ihre Produktion heruntergefahren.

Jetzt fahren die Autohersteller ihre Produktion wieder hoch. Wann beenden Sie die Kurzarbeit?

Wir fahren im Augenblick auf Sicht. Ich schätze, dass wir in eine tief greifende Rezession rutschen, die noch gravierender ist als in der internationalen Finanzkrise 2008/2009. Wir brauchen jetzt ein Konjunkturprogramm.

Verzichten Sie im Gegenzug zur Kurzarbeit auf betriebsbedingte Kündigungen?

Wir haben unsere Prozesse so gut im Griff, dass das für uns jetzt kein Thema ist.

Welche staatlichen Hilfen brauchen Sie?

Wir müssen uns unter keinen Schutzschirm stellen. In Abstimmung mit den anderen Arcelor-Mittal-Werken in Deutschland beantragen wir allerdings eine Stundung der Steuerzahlungen.

Der Arcelor-Mittal-Konzern hat seine Kreditlinie vor wenige Tagen um drei Milliarden Dollar aufgestockt. Wozu?

Die Aufstockung soll dem Konzern angesichts der außergewöhnlichen Umstände vorsorglich zusätzliche Flexibilität geben. Wir haben in Bremen unsere Investitionsprojekte vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie überprüft und geguckt, ob wir Prioritäten ändern müssen. Die Maßnahmen für den Umweltschutz müssen weitergehen. Andere technische Spezifikationen wie etwa die Automatisierung unserer Kräne sind nicht lebensnotwendig, die können wir verzögert realisieren.

Ein Projekt ist die Umstellung auf eine wasserstoffangetriebene Produktion. Hierfür kooperieren Sie mit dem Energiekonzern EWE und dessen Bremer Tochter SWB. Wie weit sind Sie?

Wegen Corona müssen sich jetzt alle beteiligten Unternehmen erst einmal um ihre eigene Organisation kümmern. Aber an dem Projekt halten wir fest.

Im Gespräch war dafür eine Unterstützung durch das Land Bremen oder den Bund.

Das ist alles in der Abstimmung. Es gibt keine Investitionszusagen. Der grobe Rahmen des Projekts steht, jetzt sind die Ingenieure an der Feinplanung. Erst wenn diese Zahlen auf dem Tisch liegen, können wir sagen, was wir brauchen. Das Land Bremen hat uns eine maximale Unterstützung zugesagt, in der Forschung arbeiten wir bereits mit der Hochschule Bremen zusammen. Aber es darf nicht sein, dass wir in eine umweltschonende Produktion investieren und Europa überschwemmt wird mit Stahl aus Ländern, die nichts für den Umweltschutz tun und den Stahl deshalb wesentlicher billiger anbieten können. Wenn in Deutschland und der EU weiterhin Stahl produziert werden soll, brauchen wir ein klares Bekenntnis der Politik dazu.

Mehr als wohlwollende Worte?

Wir sind in Gesprächen darüber, wie wir den Strukturwandel in den Griff bekommen können. Hier will ich die Unterstützung durch die bremische Landespolitik hervorheben. Solch eine Unterstützung wünschen wir uns auch von der Bundespolitik. In China wird jetzt wieder die Produktion hochgefahren. Außerdem sind die Lager dort gefüllt. Und in Europa liegen wir noch pandemiegeschwächt am Boden. Wenn die EU jetzt keine Schutzmaßnahmen ergreift und außereuropäischer Billigstahl wieder nach Europa geschwemmt wird, dann bekommen wir ein ganz anderes Problem.

Die EU erhebt doch Schutzzölle auf Stahleinfuhren.

Ja, leider aber erst, wenn die Einfuhren eine gewisse Quote überschreiten, nämlich zirka 20 Prozent des durchschnittlichen Stahlverbrauchs der Jahre 2015 bis 2017. Das ist aus unserer Sicht zu hoch. Denn nun ist der Bedarf durch die Krise um zirka 50 Prozent eingebrochen. Man sollte die Konditionen neu bewerten, basierend auf der aktuellen Lage und dem, was vor uns liegt. Darüber hinaus haben Importe keine CO2-Abgaben zu zahlen im Vergleich zu europäischen Produzenten.

Bei all den Herausforderungen: Wie ist die Stimmung unter Ihren Mitarbeitern?

Die Belegschaft hält gut zusammen und ist sehr flexibel. Wer kann, arbeitet im Home-Office. Und wir verstehen uns als guter Nachbar. Das Klinikum Nord beispielsweise haben wir mit Schutzvisieren unterstützt und das Klinikum Mitte mit Schutzmasken. Wir helfen, wo wir helfen können, und machen das gerne.

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