Davy Klaassen war Hauptfigur in einer umstrittenen Szene in der Schiedsrichter Gräfe Werder einen Elfmeter verweigerte. Photo: Nordphoto
0:0 gegen Gladbach

Nullnummer als Mutmacher

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Werder hat Top-Team Mönchengladbach einen tollen Kampf geliefert und war am Ende sogar dichter am Sieg.

Werder Bremen hat den kleinen Aufschwung in der Fußball-Bundesliga fortgesetzt. Gegen Borussia Mönchengladbach reichte es zwar nicht zum erhofften Sieg, doch das 0:0 stoppte nicht nur die unheimliche Bremer Serie von zuvor sieben Heimniederlagen in Serie, sondern war aufgrund der gezeigten Leistung auch als weiterer klarer Fortschritt des Tabellenvorletzten zu werten. Am Ende waren die Gastgeber im leeren Weserstadion näher dran am Sieg als der Tabellenfünfte aus Gladbach. Für Diskussionen sorgte vor allem ein Foul an Davy Klaassen, das nicht mit Elfmeter geahndet worden war.

In die Partie gegen die Fohlen-Elf mussten die Bremer ohne Leitfigur Kevin Vogt gehen. Die Hüftverletzung, zugezogen am Samstag beim 1:0 in Freiburg, ließ einen Einsatz dann doch nicht zu. Und weil auch Philipp Bargfrede wegen seiner Gelb-Rot-Sperre fehlte, musste Trainer Florian Kohfeldt im defensiven Mittelfeld experimentieren. Er tat dies jedoch nicht mit Nuri Sahin, sondern mit Christian Groß. Das sagt viel über den gesunkenen Stellenwert Sahins. Der ehemalige türkische Nationalspieler schaffte es trotz der Personalnot auf seiner Position nicht mal in den Kader.

Groß als Sechser aufgeboten

Groß agierte auf der „Sechs“, erweiterte bei Gladbacher Ballbesitz aber als weiterer Innenverteidiger die Abwehrkette. Das System ist bekannt, und es funktionierte sehr gut. Werder Bremen agierte defensiv sehr diszipliniert und hatte auch nach vorne schicke Aktionen.

Eine brachte sogar eine Top-Chance für Klaassen. Der Niederländer schloss nach Vorlage von Theo Gebre Selassie aber zu ungenau ab, sein Schuss stellte Gladbach-Keeper Yann Sommer vor keine Probleme (12.).

Sieben Minuten später folgte die Szene, die beim Gang in die Halbzeitpause das große Thema zwischen Kohfeldt und Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) war. Im Gladbacher Strafraum kreuzten sich die Wege von Klaassen und Borussia-Weltmeister Christoph Kramer – und die Zeitlupe zeigte, dass Klaassen nicht in betrügerischer Absicht lang hingeschlagen war, sondern weil Kramer ihn mit einem Tritt gegen den rechten Fuß zu Fall gebracht hatte. Klaassen beschwerte sich, doch weder Gräfe noch sein Video-Assistent (VAR) reagierten.

Gräfe hat sich verguckt

Unverständlich, denn für Aktionen wie diese gibt es den Video-Referee. Kohfeldt teilte dem Schiedsrichter-Gespann deshalb mit hinter der Gesichtsmaske verstecktem Zorn mit: „Das war ein klarer Elfer.“ Gräfe war anderer Meinung, erkennbar hitzig wurde zwischen Coach und Unparteiischem diskutiert. Und die Geisterkulisse im Weserstadion ließ es zu, Gräfes Argumentation mitzubekommen: Kontakt außerhalb des Strafraums und Klaassen sei schon vorher gen Boden gesunken. Klassischer Fall von verguckt.

Außer dieses Aufregers hatte die erste Hälfte viel Fußballschach geboten. Taktik war Trumpf – Werder Bremen erwies sich dabei dem Champions-League-Anwärter vom Niederrhein als ebenbürtig.

Den zweiten Spielabschnitt eröffnete Milot Rashica mit einem wuchtigen Freistoß, den Sommer nur abklatschen konnte. Friedls Nachschuss klärte Tony Jantschke (50.). Weil auch die nächsten Chancen den Bremern gehörten – Rashica scheiterte an Sommer, Klaassen knallte drüber (56./57.) – musste anerkennend festgehalten werden, dass der Abstiegskandidat gegen das Spitzenteam dominierte. Nicht so, dass Gladbach vom Druck zerquetscht wurde, aber immerhin funktionierte das Bremer Spiel. Es war schon fast eine Stunde rum, ehe die Borussia mal wieder gefährlich vor dem Bremer Tor auftauchte. Niklas Moisander klärte jedoch die Hereingabe von Marcus Thuram.

Werder dreht nochmal auf

Die Szene erwies sich dennoch als Vorbote einer stärkeren Gladbacher Phase. Und hätte Thuram den Pass auf den durchgestarteten Stindl nicht zu ungenau gespielt, wäre Werder Bremen wohl in Rückstand geraten (70.). Aber die Null stand weiter – zum Bremer Leidwesen aber auch auf der anderen Seite und trotz eines dicken Sommer-Patzers. Der Schlussmann vertändelte gegen pressende Bremer den Ball, Sargents Schussversuch blieb jedoch im Dschungel Gladbacher Abwehrbeine hängen (73.). Kurz darauf versuchte es Leo Bittencourt aus der Distanz – drüber (76.). Es war der sechste Bremer Torabschluss seit der Pause. Gladbach hatte bis dahin nur einen. Der zweite hätte aber beinahe gesessen. Neuhaus‘ Versuch verfehlte das Bremer Tor nur um Zentimeter (78.).

Nun lebte eine lange von taktischen Zwängen geprägte Partie nochmal richtig auf, die Torszenen häuften sich – und eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit stand der eingewechselte Davie Selke frei vor Sommer, brachte den Ball aber nicht an dem Schweizer vorbei. Das hätte der Sieg sein können. Nun müssen die Bremer fürchten, dass sich die in der Tabelle unmittelbar vor ihnen platzierten Teams aus Düsseldorf (gegen Schalke 04) und Mainz 05 (bei Union Berlin) wieder weiter absetzen.

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