In der Städtischen Galerie Delmenhorst sind zurzeit Arbeiten aus der jüngsten Sammlung des Hauses zu sehen. Der Künstler und Dichter Arne Rautenberg hat die Werke „betextet“ und poetisch in ein neues Licht gerückt.Foto: Birgit Rautenberg In der Städtischen Galerie Delmenhorst sind zurzeit Arbeiten aus der jüngsten Sammlung des Hauses zu sehen. Der Künstler und Dichter Arne Rautenberg hat die Werke „betextet“ und poetisch in ein neues Licht gerückt.Foto: Birgit Rautenberg
Dichtung und Kunst

Arne Rautenberg: „Es ist ein wenig wie Zauberei“

Von
Interview mit Künstler und Dichter Arne Rautenberg zur Ausstellung im Haus Coburg.

Delme Report: Nach welchen Kriterien haben Sie Werke aus der Sammlung für die Ausstellung ausgewählt?

Arne Rautenberg: Ich durfte den Fundus der Städtischen Galerie durchstöbern, das war schon mal toll. Einige Positionen kannte ich von Besuchen und anderen Präsentationen der Sammlung, etwa im Kunstmuseum Bremerhaven, wieder andere konnte ich noch entdecken. Ich verlasse mich da auf mein Gespür und bin immer auf der Suche nach einem inspirierenden Geheimnis, beziehungsweise nach Kunstwerken mit einer nicht kleinzukriegenden Frische.

Welches Werk war aus der Perspektive des Dichters eine besondere Herausforderung und warum?

Das Bilderensemble von Katya Bonnenfant war eine Herausforderung, denn es sind mehrere komplexe Bilder, die sich auf Codes ganz unterschiedlicher Kulturen und Mythen beziehen. Da wird es dann wild. Doch ich konnte mich ihren Arbeiten in einem entgrenzten Moment hingeben und ein ebenso wildes Gedicht dazu schreiben.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie Werke „betexten“?

Ich versuche dem Spirit eines Werkes nachzuspüren. Ein inhaltlicher oder formaler Aufhänger ist schon mal nicht schlecht. Es muss einen Initialfunken geben. Manchmal kommt der sofort, manchmal braucht es etwas – oder er bleibt aus, das kann auch passieren.

Was bedeutet für Sie die Dichtkunst beziehungsweise wie definieren Sie Dichtkunst?

Es ist ein wenig wie Zauberei, eine Art Verführung, welche die Grenzen unser Wahrnehmung öffnet. Man muss sich drauf einlassen wollen, sonst funktioniert Poesie nicht. Poesie schafft Fragen und schärft unsere Sinne für das Unsagbare, das Metaphysische. Es ist wie ein existentielles Gespräch quer durch Zeit und Raum. Eine Riesenchance also!

Sie sind auch selbst Künstler, können also auch ihre eigenen Werke mit „Poesie“ oder „visueller Dichtkunst“ versehen…, wie ist es dazu gekommen, dass Sie jetzt als Dichter und Kurator auftreten?

Die Leiterin der Städtischen Galerie, Annett Reckert, ist mit meiner Arbeit gut vertraut. Sie hatte die Idee zur Ausstellung. Und da ich die Kombination von Text und Bild schon immer sehr inspirierend fand und zudem öfter mit Kunsthallen und in Ausstellungskontexten poetisch gearbeitet habe, war ich sofort dabei.

Sie sind auch mit einigen Künstlern, die ihre Werke in der Sammlung der Städtischen Galerie Delmenhorst hinterlassen haben, in einen Dialog getreten. Wie muss man sich das genau vorstellen?

Das läuft ganz unterschiedlich. Der berühmte norwegische Künstler Olav Christopher Jenssen hat meine Gedichte gelesen und sich bereit erklärt, dazu ein Bild zu malen. Das macht mich wahnsinnig glücklich und stolz, denn ich bin seit jeher ein großer Fan seiner Arbeit. Heike Kati Barath hat mir Aquarelle geschickt und ich habe mir dazu Gedichte einfallen lassen. Mit Olrik Kohlhoff bin ich befreundet, ich habe ihm einfach zwei Gedichte geschickt. Zudem habe ich die Ausstellung von Dirk Meinzer in der Städtischen Galerie im letzten Jahr gesehen und sie hat mich begeistert. Wir haben Bücher und Kataloge getauscht und steigen nun in den Papiertausch ein. Es ist ein Experiment mit offenem Ende, ich bin selbst gespannt, wohin das noch führt. Nach und nach werden die Ergebnisse in der Ausstellung zu sehen sein.

Welches der Werke aus der Sammlung haben Sie besonders ins Herz geschlossen und warum?

Jeder liebt natürlich den Reiher von Olrik Kohlhoff, eine großformatige Kohlezeichnung, die zeigt, wie weit man es mit Kohle auf Papier bringen kann. Oder die Bretterinstallation von Heike Kati Barath.

Einige Gedichte stammen aus Ihrem Fundus, andere sind speziell für die Ausstellung entstanden. Verraten Sie mir, welche Gedichte neu sind und zu welchen Werken sie entstanden sind?

Neu geschrieben wurden Gedichte zu Arbeiten von Olrik Kohlhoff, Olav Christopher Jenssen, Katya Bonnenfant, Dirk Meinzer, Thomas Rentmeister, Diana Sirianni, Thomas Ruckhäberle, Daniel Behrendt.

Gibt es noch etwas, das Ihnen wichtig wäre, in diesem Zusammenhang zu erwähnen?

Ich finde es aufregend, dass eine Sammlungsrückschau sich auf diese Weise in ein poetisches Licht setzt. Im besten Fall profitieren beide Seiten davon: Die Bilder, weil sie sich über Gedichte noch einmal ganz neu erschließen lassen und die Gedichte, weil ihnen ein visuelles Reiz zufließt. Dass auch Schriftinstallationen von mir an den Wänden sein dürfen, der erste Stock zu einer großen Bild/Gedichtinstallation inszeniert wurde, eingelesene Sounds zu hören sind und für die Ausstellung eigens Poster mit farbigen Handschriften und Postkarten mit Blumengedichten gedruckt wurden zeigt, wie beflügelnd in dieser Galerie gedacht und gearbeitet wird.

Teile jetzt den Artikel

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.