Josephine Doglo ist in ihrem Alltag schon oft mit Rassismus konfrontiert worden. Foto: Pv
Alltagsrassismus

„Woher kommst du wirklich?“

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Alltagsrassismus ist in aller Munde. Die Bremerin Josephine Doglo berichtet über ihre Erfahrungen.

In der Schule ist Josephine Doglo immer gelobt worden. „Meine Lehrer haben mir oft bei Notenbesprechungen gesagt, wie toll ich alles mache und dass ich stolz auf mich sein kann. Alles auf meine Hautfarbe bezogen. Für sie war es etwas Besonderes, dass ‚Leute wie ich‘ sehr gute Leistungen erzielen.“ Dabei sei es für Doglo ganz selbstverständlich gewesen, sich in der Schule anzustrengen. „Erst später habe ich verstanden, dass mir nicht zugetraut wurde, mein Abitur so gut zu meistern.“

Sogenannter Alltagsrassismus hat viele Gesichter. In einer Studie der Antidiskriminierungsstelle heißt es, dass im Jahr 2018 31 Prozent aller Beratungsanfragen sich um Diskriminierungen aufgrund des Merkmals „ethnische Herkunft“ drehten. Auch Doglo wurde schon oft die Frage gestellt, wo sie denn herkomme. „Meine Antwort ist immer Bremen, da ich hier geboren wurde.“ Dann folge immer die Frage: Woher kommst du wirklich? „Nur weil ich nicht das typisch deutsche Erscheinungsbild habe, kann ich trotzdem deutsch sein“, sagt die 19-Jährige.

Persönliche Geschichten auf Instagram

Auf ihrem Instagramkanal httpjosephine greift sie das Thema Alltagsrassismus auf: „Das ist nicht immer einfach, weil es auch persönliche Geschichten sind, aber ich möchte zeigen, dass Alltagsrassismus real ist.“ Auch in anderen alltäglichen Situationen fühlt sich Doglo diskriminiert: „Als ich mich das erst mal schminken wollte, habe ich kein Make-Up in meinem Hautton gefunden.“ Selbst die dunkelste Farbe sei noch zu hell gewesen. „Da habe ich mich gefragt, warum meine Hautfarbe nicht normal genug ist, dass es kein Make-Up für mich gibt.“ Das gleiche gilt für Haarpflege: „Mittlerweile sind Locken im Trend. Ich habe mir jahrelang die Haare geglättet, um gepflegter auszusehen. Nun werden diese Merkmale auf Weiße angepasst, für die ich früher gehänselt wurde.“

Gerade in der heutigen Zeit ist das Thema Alltagsrassismus aktuell wie nie. Der Tod von George Floyd in den USA am 25. Mai löste weltweit viele Proteste aus. Auch in Bremen kam es zu Demonstrationen. „Ich glaube nicht, dass diese Bewegung nur ein Trend ist“, sagt Doglo. Für sie gab es noch nie einen Moment in der Geschichte, in der die schwarze Bevölkerung so viel Aufmerksamkeit bekommen hat. „Die Menschen hören endlich zu. Man kann sich nicht eins zu eins in die Erfahrungen hineinversetzen, die schwarze Personen machen. Aber man kann gegen den Strom schwimmen und sich verbünden.“

Nicht weiß, aber auch nicht schwarz genug

Oft bekomme man als schwarze Person zu hören, dass man nicht wirklich schwarz sei, weil man die gängigen Klischees nicht erfülle. „Die Leute wollen dir mit so einer Aussage ein Kompliment machen“, findet Doglo. Was das ihr aber eigentlich zeige, ist, dass Schwarz sein falsch ist. „Und es verletzt mich auch, weil ich anscheinend nicht schwarz bin, aber auch nicht weiß genug.“

Viele Menschen würden nicht verstehen, warum die Klischees, dass viele Schwarze mit Drogen dealen oder arbeitslos seien, sich teilweise bewahrheiten: „Den Menschen geht es schlechter, weil sie durch strukturellen Rassismus weniger Chancen haben, erklärt Doglo. Dies wäre beispielsweise bei der Arbeits- und Wohnungssuche der Fall. Für sie müssen die Menschen anfangen, sich mit den Wurzeln des Rassismus ausein­ander zu setzen. „Polizeigewalt ist nur die Spitze des Eisbergs. Was viele nicht sehen, sind die vielen alltagsrassistischen Situationen“, erklärt Doglo. Deswegen sei diese Bewegung ihrer Meinung nach momentan so wichtig und nicht nur ein Trend, der nur einige Wochen dauert: „Die Menschen müssen verstehen, dass auch in fünf Monaten das Leben von Schwarzen noch zählt.“

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