Die Motorboote der DLRG sind für den Katastrophenschutz angeschafft worden. Dieses Boot hatte seinen letzten Einsatz 2013 in Magdeburg beim Elbe-Hochwasser. Stehen keine Einsätze an, werden die Boote an den DLRG-Wachen genutzt. Fotos: Harm
Bremer Osten

„Das kann gefährlich werden“

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Wie die Rettungsschwimmer der DLRG die Besucher des Bultensees schützen.

Schwül ist es. Hin und wieder kommt die Sonne durch, ab und zu ein paar Tropfen Regen. Etwa 50 Personen verbringen den Sommertag am Bultensee in Tenever: Kinder planschen im Nichtschwimmerbereich, zwei Mädchen sind auf einem Stand-up-Paddle-Board unterwegs, zwei Jungen bahnen sich mit Schwimmringen den Weg zur Badeinsel.

Das alles haben die Rettungsschwimmer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DRLG) von der Station am Bultensee im Blick. Drei von ihnen sitzen auf Bierbänken und beobachten das Geschehen. Ab und zu nimmt jemand ein Fernglas in die Hand – im Fokus die beiden Jungen.

Rettungswache seit Mitte der 70er Jahre

Der Bultensee ist vor 51 Jahren entstanden, er ist Bremens kleinster Badesee. Viele Familien mit kleinen Kindern kommen hierher. Die Rettungswache wurde Mitte der 1970er Jahre gebaut.

Die Rettungsstation der DLRG am Bultensee.

Im Sommer ist die Station mindestens einen Tag am Wochenende besetzt. 15 ehrenamtliche Rettungsschwimmer sind für die Wache eingetragen. Sechs sind an diesem Samstag hier, darunter Patrick Fürst.

Badegäste überschätzen sich

Er ist heute Bootsführer und setzt sich mit einem Kollegen an Bord des Motorbootes Richtung Badeinsel in Bewegung. Die beiden Jungen mit Schwimmreifen sind inzwischen dort angekommen. Nach einem kurzen Gespräch mit den Jugendlichen kommen die DLRG-Helfer zurück. „Wir wollten sicher gehen, dass die beiden Jungs auch ohne die Reifen schwimmen können“, erklärt Fürst.

Die Badeinsel ist 50 Meter vom Ufer entfernt, 20 Meter kann man durch das Wasser gehen, die restlichen 30 Meter müssen geschwommen werden. Marie Clausen weiß, wie schnell Badegäste, die nicht sicher schwimmen können, diese 30 Meter unterschätzen.

Bisher etwa 80 Einsätze für die DLRG

Sie ist die Leiterin der DLRG-Wache und kennt die Gefahrenstellen: „Zwei Meter hinter dem abgezäunten Nichtschwimmerbereich gibt es eine Abbruchkante. Fliegt ein Ball dorthin, gehen die Kinder hinterher. Das kann schnell gefährlich werden.“ Eine weitere Gefahr seien Wassersportler, die Badegäste übersehen und versehentlich mit dem Ruder verletzen.

Von der Wache aus haben die Rettungsschwimmer alles im Blick.

Am Bultensee ist es in dieser Saison ruhig. 2019 waren die Rettungsschwimmer der DLRG 222 Mal in ganz Bremen im Einsatz. In diesem Jahr waren es bisher über 80 Einsätze – vom Pflasteraufkleben bis zur Rettung aus dem Wasser.

Coronazeit ist Bewährungsprobe für Community

Einen besonderen Einsatz hatte ein 15-jähriger Nachwuchsretter. Auf dem Rückweg von seinem Dienst am Bultensee bemerkte er im benachbarten Achterdieksee ein Mädchen, das um Hilfe suchend winkte und unterzugehen drohte. Der Jugendliche schwamm kurzerhand zu ihr und rettete sie aus dem tiefen Wasser.

Damit solche Unfälle gar nicht erst passieren müssen, setzt die DLRG auf Prävention. So wie bei den beiden Jungs auf der Badeinsel. „Man bekommt ein Auge für diese Situationen“, sagt DLRG-Landesverbandspräsident Martin Reincke. Aufgrund von Corona sei die Präventionsarbeit zurzeit aber eingeschränkt. So werde zum Beispiel auf das Streifegehen verzichtet.

Auch für die DLRG-Gemeinschaft bedeutete Corona eine Bewährungsprobe. „Die DLRG ist eine soziale Community. Spieleabende, grillen und Übernachtungen gehören dazu. Die Gruppen durften sich aber nicht treffen“, erklärt Reincke. Nun würden erste Maßnahmen gelockert – und die Community ist geblieben.

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