Niklas Moisander (links) und Davy Klaassen besitzen großes Standing innerhalb der Mannschaft. Foto: Nordphoto Bislang führt der Finne Niklas Moisander (links) die Grün-Weißen aufs Feld. Möglicherweise geht bald aber der Holländer Davy Klaassen (daneben) mit der Binde voran. Foto: Nordphoto
Spielführer gesucht

Oder eine Überraschung

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Niklas Moisander oder Davy Klaassen sind die Favoriten auf die Kapitänsbinde beim SV Werder Bremen.

In den vergangenen beiden Jahren hat er es jeweils zum jetzigen Zeitpunkt der Vorbereitung getan: Vor dem letzten Testspiel gab Trainer Florian Kohfeldt sowohl im Sommer 2018 (Max Kruse) als auch im Sommer 2019 (Niklas Moisander) bekannt, wer Werder Bremen in der kommenden Saison als Kapitän auf den Platz führen wird. Ein Zeitpunkt, der natürlich nicht zufällig gewählt war – schließlich konnte sich der neue Spielführer so während des noch folgenden „Tags der Fans“ ganz offiziell präsentieren.
Im Sommer 2020 ist nun alles anders. Der „Tag der Fans“ lief nur digital ab – und die Kapitänsfrage ist bisher noch unbeantwortet. Gut möglich, dass es bis nach dem abschließenden Testspiel gegen Hannover 96 (kommenden Samstag, 15.30 Uhr, „Platz 11“) so bleibt. Aussichtsreiche Kandidaten gibt es mehrere.

Niklas Moisander: Der Besonnene

Als Amtsinhaber ist er natürlich erster Anwärter auf die Binde, zumal der 34-jährige Finne alle Attribute erfüllt, die ein Kapitän erfüllen sollte. Moisander gilt als sehr besonnener, reflektierter Profi, der bei Trainer und Mannschaft sowohl auf als auch neben dem Platz hoch angesehen ist. Warum so einem Mann also den Status des Kapitäns nehmen? Möglicherweise, um ihn damit in seinem letzten Vertragsjahr etwas zu entlasten, damit sich Moisander voll und ganz auf seine Gesundheit und sportlichen Leistungen konzentrieren kann.

Davy Klaassen: Der Naheliegende

In der vergangenen Saison war der Niederländer erster Stellvertreter von Moisander, und angesichts seiner Erfahrung sowie sportlichen Bedeutung für die Mannschaft wäre er in diesem Sommer auch ein passender Nachfolgekandidat. Klaassen pflegt ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zu Trainer Kohfeldt, bei dem er absolut gesetzt ist. Sollte der 27-Jährige in Bremen bleiben – und das hatte sein Berater zur Überraschung Klaassens schließlich schon versprochen – könnte Kohfeldt bei dem Mittelfeldmann durch die Beförderung leistungstechnisch vielleicht noch etwas mehr herauskitzeln.

Maximilian Eggestein: Das Eigengewächs

Seit vielen Jahren im Verein, vom Nachwuchstalent zum Bundesligaspieler aufgestiegen und vom Trainer enorm geschätzt – Maxi Eggestein ist prädestiniert dafür, eines Tages Kapitän zu werden. Nur in diesem Sommer ist vermutlich noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Nach einer durchwachsenen bis schwachen Vorsaison dürfte der 23-Jährige zunächst einmal genug damit zu tun haben, sportlich selbst wieder an seine starken Leistungen aus der Serie 2018/2019 anzuknüpfen, die ihn sogar bis in den Dunstkreis der Nationalmannschaft befördert hatten.

Jiri Pavlenka: Der Außenseiter

Während des Testspiels gegen Groningen durfte er sie tragen, die Kapitänsbinde, und ein Foto von sich mit dem Stück Stoff am Arm postete der Tscheche danach prompt bei Instagram. Der Torhüter ist lauter geworden, so die Beobachtung während der Vorbereitung, er spricht auf dem Platz deutlich mehr mit seinen Vorderleuten – und das sogar auf Deutsch. Ein Außenseiter in der Kapitänsfrage bleibt er trotzdem – auch weil Pavlenka als Torhüter durch seine Position während des Spiels nicht den allergrößten Einfluss auf seine Mitspieler nehmen kann.

Niclas Füllkrug: Der Emotionale

Sagt seine Meinung, wenn er es für nötig hält, hat Erfahrung und das entsprechende Standing in der Mannschaft – so gesehen würde Füllkrug durchaus einen guten Kapitän abgeben. Es gibt aber auch Gründe, die gegen den Angreifer sprechen. Nach seiner von einer langen Verletzung überschatteten Vorsaison wäre es schon eine Überraschung, sollte Kohfeldt ihm die Bürde der Binde auferlegen. Fit bleiben und zum erhofften Torjäger werden – das ist der vornehmliche Auftrag für Füllkrug, dessen Kapitänschancen während der Vorbereitung auch nicht gerade gestiegen sein dürften. Zur Erinnerung: Im Trainingslager im Zillertal leistete er sich einen Disput mit Kohfeldt und brach eine Einheit vorzeitig ab. Privat sind die Beiden übrigens eng befreundet, was sicher auch keine einfache Konstellation wäre.

Theodor Gebre Selassie: Der Ruhige

Bei seiner Geschichte im Verein, bei seiner Beliebheit bei den Fans plus Stammspielerstatus – der 33-Jährige ist spätestens nach den Abgängen von Philipp Bargfrede und Claudio Pizarro zum „Mister Werder“ geworden. Es gibt da nur diesen einen Haken: Gebre Selassie ist schlicht nicht der Typ für den Kapitänsposten, weil der Tscheche eher der Mann für die leiseren und wenigen Töne ist.

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