Clever im Zweikampfverhalten: Werders Nachwuchshoffnung Nick Woltemade (links) Foto: Nordphoto Gerade wegen seiner Größe, sieht es oft ziemlich elegant aus, wie Nick Woltemade (links) mit dem Ball umgeht. Foto: Nordphoto
Top-Talent wartet ab

Sackgasse oder Durchbruch

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Warum der 18-jährige Nick Woltemade zögert, Werders Angebot eines Profivertrags anzunehmen.

Es gibt Bilder, die ihn während des Trainings zeigen, Bilder, auf denen er sonnenbebrillt am Pool sitzt und natürlich etliche Bilder von seinen Auftritten im Trikot des SV Werder – Nick Woltemade lässt seine Fans via Instagram hin und wieder teilhaben an seinem Leben als talentierter Nachwuchsfußballer.
Ein Bild gibt es im Profil von Woltemade allerdings nicht – das obligatorische von der Vertragsunterschrift nebst Sportchef, wie es viele Fußballer voller Stolz posten, wenn sie eine Einigung mit ihrem Verein erzielt haben. Bei Woltemade ist das bisher nicht der Fall, was auf den ersten Blick durchaus verwundert. Schließlich hatte Werder zuletzt mehrfach betont, den 18-Jährigen, der nach wie vor „nur“ über einen Jugendspieler-Vertrag verfügt, so schnell es geht zum Profi machen zu wollen. „Wir wollen gerne den Weg mit Nick weitergehen“, sagte Sportchef Frank Baumann.

Jüngster Bundesligaspieler der Clubgeschichte

Doch genau an dieser Stelle, an der andere Talente mit funkelnden Augen zum Kugelschreiber gegriffen hätten, zögert Woltemade. In Bremen geboren, seit acht Jahren bei Werder und seit Februar 2020 der jüngste Bundesliga-Spieler des Vereins – warum unterschreibt so einer nicht bei Werder? Wo er doch jetzt nach Jahren des hart Arbeitens und Hoffens kurz vor dem großen Ziel Profivertrag steht. Es ist eine Frage, die in Fankreisen durchaus hitzig diskutiert wird – und deren Antwort nicht unbedingt ein gutes Licht auf den viel zitierten „Werder-Weg“ wirft. Aber der Reihe nach.
Bei Werder sind sie mit der Entwicklung Woltemades, der im Sommer 2010 von der TS Woltmershausen an den Osterdeich gewechselt war, mehr als zufrieden. Die fünf Bundesliga-Einsätze, die der junge Stürmer in der vergangenen Saison absolvieren durfte, belegen das. Trainer

U19-Nationalspieler jetzt fest im Profikader

Florian Kohfeldt hält große Stücke auf den großen Spieler, der – eigentlich ungewöhnlich für sein Gardemaß von 1,98 Metern – mehr durch Technik und Übersicht, denn durch Kopfballstärke überzeugt. Zuletzt setzte Kohfeldt das Talent mit der Rückennummer 41 im offensiven Mittelfeld ein, wo Nick Woltemade im Testspiel gegen Groningen (4:1) zu überzeugen wusste. In die kommende Saison geht der U19-Nationalspieler nun erstmals als festes Mitglied des Bremer Profikaders, formell allerdings – womit wir wieder beim Thema wären – immer noch mit dem Vertrag, den er 2017 beim Übergang in die U17 unterschrieben hatte. Heißt: Woltemades Grundgehalt ist verglichen mit den Kollegen wirklich schwindend gering.

Zweifel an Werders Zukunftsplan

Bisher setzt sich sein Mehrverdienst als Bundesligaspieler nur aus Prämien für Einsätze und gewonnene Punkte zusammen, was den Verdacht nahelegen könnte, dass Woltemades Zögern bei der Vertragsunterschrift mit dem Poker um mehr Geld, mit dem Feilschen um bessere Bedingungen zu erklären ist. Natürlich dürfte der Faktor Geld am Ende nicht unwichtig, Woltemades Abwarten soll aber vornehmlich einen anderen Grund haben: Der Spieler ist noch nicht restlos davon überzeugt, dass der sportliche Plan, dem Werder ihm für die Zukunft unterbreitet hat, auch tatsächlich so aufgeht.
Nur zur Erinnerung: Seit Maximilian Eggestein, dem in der Rückrunde der Saison 2016/17 der Durchbruch bei den Profis gelungen war, hat es keines der Werder-Talente mehr dauerhaft in die Bundesliga geschafft.

Ausleihe ist keine Perspektive

Der „Werder-Weg“ – er ist inzwischen ziemlich holprig geworden. Spieler wie Ole Käuper, Luc Ihorst, David Philipp und sogar Johannes Eggestein können ein Lied davon singen.
Woltemade möchte nicht der nächste in dieser Reihe sein, der jetzt bei Werder strahlende Perspektiven aufgezeigt bekommt, einen langfristigen Vertrag unterschreibt und im kommenden Sommer als Leihspieler womöglich eine Reise ins Ungewisse antreten muss. Er möchte lieber abwarten, wie sich seine Rolle in der neuen Saison tatsächlich entwickelt, welchen Stellenwert er sich in der (sehr gut besetzten) Offensive erarbeiten kann.
Der im kommenden Sommer auslaufende Vertrag als Jugendspieler ließe sich dann immer noch gegen einen Profivertrag eintauschen, denn weg aus Bremen möchte Woltemade grundsätzlich gar nicht, wie zu hören ist. Es sei denn, Woltemade sollte den „Werder-Weg“ für sich in der neuen Saison als Sackgasse wahrnehmen.

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