2009 hat Ludger Norrenbrock (rechts) den Lauftreff der Lebenshilfe gegründet, um Menschen mit Behinderung zur Bewegung zu motivieren. Die inklusive Gruppe trainiert regelmäßig in den Graftanlagen. Foto: Martina I. Meyer
Lauftreff

Niemand bleibt auf der Strecke

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Der Lauftreff der Lebenshilfe bereitet sich gemeinsam auf den Intersport Club Run am 3. Oktober vor.

Mittwoch, kurz vor 17 Uhr: Dutzende Sportsfreunde tummeln sich am Graft-Kiosk, gleich geht es los auf die Strecke durch Delmenhorsts „grüne Lunge“. Der eine ist in der Bewegung eingeschränkt, der andere hat Autismus, wieder andere gar keine körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen. Doch sie alle haben eines gemeinsam: den unbändigen Spaß am Laufen.
Einmal in der Woche zieht es den Lauftreff der Lebenshilfe in die Graftanlagen, wo etwa eine Stunde lang trainiert wird. Und das immer mal wieder auch für bestimmte sportliche Herausforderungen. Derzeit bereiten sich 30 der 39 Läufer auf den ersten bundesweiten Intersport Club Run vor, den Intersport Strudthoff für den 3. Oktober auch nach Delmenhorst holt. Mit einer App geht es auf die Strecke über von zwei, sechs und zehn Kilometer Länge, die Startgebühren sollen Sportvereinen zu Gute kommen.

Selbstwert- und Wir-Gefühl

„Beim Laufen fühlt man sich völlig frei“, weiß Ludger Norrenbrock. Der 55-jährige Sozialpädagoge hat den Lauftreff der Lebenshilfe 2009 mit zehn Teilnehmern gegründet, nachdem er bereits seit 1994 gemeinsam mit der geistig behinderten Sportlerin Edith Voigt gelaufen war. 2009 war es auch, als Marathonläuferin Voigt zur niedersächsischen „Behindertensportlerin des Jahres“ gewählt wurde – ein Erfolg, den Norrenbrock als Trainer und Begleiter mitgefeiert hatte. „Die Idee zum Lauftreff entstand aus dem Gedanken heraus, noch mehr Menschen mit Behinderung zur Bewegung zu motivieren. Es war ein Versuch“, erklärt Norrenbrock, der selbst seit 30 Jahren regelmäßig die Sportschuhe schnürt. Und der Versuch wurde zum vollen Erfolg; die Gruppe wuchs immer weiter an. Einmal die Woche, das ganze Jahr über, trainieren seither fast 40 Läufer mit und ohne Behinderungen zusammen, der Jüngste ist Anfang 20, der Älteste um die 60. Um Schnelligkeit oder Höchstleistungen geht es nicht, vielmehr um teamorientiertes Laufen, die Freude an der gemeinsamen Bewegung, den Abbau von Berührungsängsten und die Stärkung des „Wir“-Gefühls. Gerade für das Selbstwertgefühl wirkt Laufen Wunder. Ein Teilnehmer mit Autismus etwa, der vorher kaum gesprochen hatte, wirkte im Laufe der Zeit wie ausgewechselt. Und auch wenn Corona das gemeinsame Training vorübergehend ausgebremst hatte, so ging es eben mal allein oder zu zweit auf die Strecke.

Am Start für den LC 93

Mit der Teilnahme am Intersport Club Run möchte der Lauftreff nun dem Laufclub 93 (LC 93) Delmenhorst etwas zurückgeben. Als Ausrichter des Burginsellaufs ermöglicht der LC 93 den laufbegeisterten Mitstreitern seit neun Jahren den „Drei-Stunden-Lebenshilfe-Lauf“ im Rahmen der traditionellen Sportveranstaltung, doch in diesem Jahr fiel der 24-Stunden-Lauf Corona zum Opfer. Der Lauftreff möchte daher mit der Club-Run-Teilnahme den LC 93, der durch die Absage erhebliche Einbußen zu verkraften habe, unterstützen.
Das können auch alle anderen passionierten Läufer am Sonnabend, 3. Oktober. Sämtliche Einnahmen aus den Startgeldern gehen an Sportvereine eigener Wahl. Infos gibt es auf run.intersport.de/clubrun.

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