Kulturelle Wiederbelebung mit Konzept: Vertreter aus Stadt und Kultur demonstrieren das neue Sitzplatzsystem, mit dem die Besucher bald wieder Veranstaltungen im Kleinen Haus genießen können. Foto: Konczak
Kleines Haus

Vorhang auf !

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Das Theater Kleines Haus soll wieder mit Leben gefüllt werden.

Nachdem sich der Vorhang im Theater Kleines Haus seit Mitte März coronabedingt nicht mehr öffnen durfte, steht nach der Zwangspause nun ein Neuanfang an. Unter Auflagen ist der Spielbetrieb auf den Theaterbühnen auch in geschlossenen Sälen wieder erlaubt. Die Verantwortlichen von der Stadt und aus dem Kulturbereich zeigen sich optimistisch und blicken, mit einem entsprechenden Hygienekonzept in der Hand, motiviert einer schrittweisen Wiederbelebung des Kulturbereichs entgegen. Von einem „fast historischen Moment“ spricht Olaf Meyer-Helfers, Fachbereichsleiter für Bildung, Sport und Kultur, „nach weiteren Lockerungen lässt sich der Spielbetrieb unter eingeschränkten Bedingungen langsam wieder hochfahren.“

Einbahnstraße und keine Gastronomie

Kulturgenuss in Maßen – so lässt sich das Corona-Konzept für das Kleines Haus wohl am besten umschreiben. Konkret sieht das so aus: Besucher werden per Einbahnstraßenregelung durch das Foyer zum Saal geführt, der nur über die rechte Seite betreten wird. Jede zweite Reihe steht den Gästen zur Verfügung, entweder mit Zweier- oder Einzelplätzen. Die Sitzplätze, die aufgrund der Abstandsregeln nicht besetzt werden dürfen, sind hochgebunden. Im Gebäude gilt eine Maskenpflicht, nur auf den Plätzen darf die Mund-Nasen-Bedeckung abgenommen werden.
Im Zuge der neuen Regeln finden höchstens 127 statt der üblichen maximal 580 Besucher im Saal Platz, und Vorstellungen dürfen nicht länger als eine Stunde dauern. Dieser Umstand ist der veralteten Lüftungsanlage aus den 1960er Jahren zuzuschreiben, die zwar Frischluft in den Saal lassen kann, jedoch besteht ein geringes Risiko, dass auch verbrauchte Umluft in den Saal gelangt. Daher bleibt die Anlage ausgeschaltet. Ebenfalls nicht in Betrieb sein wird die Gastronomie. „Somit verhindern wir, dass das Foyer zum Aufenthaltsraum wird“, erklärt Ann-Katrin Albers, Leiterin des Kulturbüros. Im Anschluss an die Vorführung verlassen die Besucher den Saal dann auf der linken Seite. Wer zur Garderobe muss, geht außen herum.

„Geschenk der Stadt“

Ein Programm steht zwar noch nicht fest, aber alle Verantwortlichen bemühen sich darum, Kulturschaffende unter entsprechenden Auflagen ins Boot zu holen. Keine leichte Aufgabe. „Kreativität ist gefragt“, bringt es Albers auf den Punkt. „Normalerweise zeigen wir große Produktionen mit vielen Schauspielern“, so Ulrike Thümmel, Geschäftsführerin der Konzert- und Theaterdirektion. Solche abendfüllenden Veranstaltungen seien nicht möglich, wohl aber kleinere wie etwa das Konzert von Tim Fischer mit nur wenigen Personen auf der Bühne. Angepeilt wird bereits das Jazzfest oder auch die Reihe „Neue Musik in Delmenhorst“, neben weiteren Konzerten, Kabarett und Pantomime. Thümmel zeigt sich optimistisch und versucht, die positiven Seiten zu sehen. „Die Besucher können sich ganz auf die reine Kultur konzentrieren“, meint sie und bezeichnet die Wiederbelebung des Kleinen Hauses als „ein Geschenk der Stadt an die Bürger“. Wirtschaftlich rentabel sei der Betrieb unter diesen Auflagen nicht. Dafür können die Delmenhorster nach monatelanger Durststrecke endlich wieder kleine Portionen Kultur genießen.

Große Herausforderung

Die 60-minütigen Vorstellungen bezeichnet Dirk Wieting, Vorsitzender und Bühnenleiter beim Niederdeutschen Theater Delmenhorst (NTD), als „super Herausforderung“. Die abendfüllenden Stücke des NTD könnten daher nicht auf die Bühne gebracht werden, kleinere Beiträge seien jedoch vorstellbar. Corona hatte die Saisonpläne des Niederdeutschen Theaters ordentlich auf den Kopf gestellt, machte unter anderem die Premiere am 21. März mit anschließend zehn Aufführungen von „Allens för Mama“ und die Zusatzvorstellungen von „Ein Festival für die Liebe“ im September unmöglich.  Alle ausgefallenen Vorführungen sollen nachgeholt werden, sobald es die Umstände erlauben.

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