Die promovierte Internistin Dorothea Dreizehnter leitet seit September den Verbund Gesundheit Nord (Geno), der vier Kliniken betreibt und 8.000 Mitarbeiter beschäftigt. Foto: Geno
Geno Bremen

Voraussichtlich weniger Betten

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Die neue Geno-Chefin Dorothea Dreizehnter über die Reform der Klinik-Gruppe.

Weser Report: Frau Dreizehnter, wie viel Platz ist noch in den Intensivstationen der vier Geno-Krankenhäuser?

Dorothea Dreizehnter: Gott sei dank sind unsere Intensivstationen noch nicht überlastet. Wir haben dort immer 20 bis 30 Corona-Patienten, von denen viele beatmet werden müssen.Im gesamten Klinikverbund haben wir seit rund sechs Wochen 120 bis 140 Covid-Patienten. Bei den meisten liegt eine bestätigte Infektion vor, einige sind noch Verdachtsfälle, bei denen wir
auf das Testergebnis warten. Deshalb ist auch das Management auf den Normalstationen jetzt sehr aufwendig. Unsere Leute geben seit Wochen alles, nicht nur die Ärzte und Pflegekräfte, sondern auch die Beschäftigten im Einkauf, die dafür sorgen, dass immer genügend Schutzausrüstung vorhanden ist. Auch die Hygienefachkräfte und die Reinigungskräfte arbeiten auf Hochtouren.

Wie viele Operationen mussten Sie wegen Corona verschieben?

Wir haben einige verschoben, aber keine große Anzahl.

Wann werden die Beschäftigten der Geno gegen Corona geimpft?

Wir rechnen damit, dass Ende Dezember Impfstoff für die Risikogruppen zur Verfügung steht und damit auch für die Beschäftigten der Krankenhäuser. Wir haben schon alle Mitarbeiter in
Priorisierungsstufen eingeteilt und haben Teams in den einzelnen Häusern, die dann impfen.

Müssen sich die Kräfte, die auf den Intensivstationen arbeiten, impfen lassen?

Nein, Impfen ist grundsätzlich freiwillig. Wir haben sehr verantwortungsvolle Mitarbeiter, die wissen, dass es bei der Impfung um Selbstschutz geht und um den Schutz der Kranken. In
der Arbeit vor Ort wird es keine Rolle spielen, ob jemand geimpft ist oder nicht. Denn wir arbeiten immer mit maximaler Sicherheit für Patienten und Mitarbeiter.

Als Matthias Bracht in den Aufsichtsrat der Geno berufen wurde, kündigte er schmerzliche Eingriffe an. Wo greifen Sie zuerst ein?

Man muss anerkennen, dass2020 ein außergewöhnliches Jahr ist. Da fällt es schwer, Corona-Effekte und normales Business auseinander zu halten. Wir haben dem Aufsichtsrat unsere Planungen
für 2021 vorgestellt. Und im nächsten Jahr werden wir die Mittelfristplanung vorlegen für die nächsten fünf Jahre.
Sie wird davon geprägt sein, die Zukunft der Geno zu sichern. Wir müssen die Medizinstrategie überarbeiten.
Ein Ansatz wird sein, dass jedes der vier Krankenhäuser einen Anteil zur Zukunftssicherung des Geno-Konzerns leisten muss. 2024 wollen wir wirtschaftlich stabil sein.

Also endlich schwarze Zahlen schreiben?

Zumindest im operativen Ergebnis, also in der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. Ein positives Jahresergebnis schaffen wir bis dahin nicht,dazu haben wir zu hohe Investitionsverpflichtungen.

Bauen Sie Betten ab?

Wir werden die Anzahl an Betten vorhalten, die benötigt wird. Ich gehe davon aus, dass die heute vorhandene Anzahl an Betten reduziert wird.

Ordnen sie die vier Geno-Kliniken neu, so dass einige Abteilungen nur noch jeweils in einem Haus vorgehalten werden?

Doppelvorhaltungen kosten viel Geld. Wir haben auch nicht mehr die Fachkräfte dafür. Je mehr Doppelstrukturen wir vorhalten, desto eher kann es passieren, dass wir gar nicht genug Kräfte
für zwei Standorte haben. Wir müssen entscheiden, an welchem Standort was vernünftigerweise gemacht werden soll. Ausschlaggebend ist, wo die jeweilige ärztliche und pflegerische
Expertise schon heute am größten ist.

Wird die Geno-Gruppe auch neue Geschäftsbereiche erschließen?

Es macht durchaus Sinn, mehrere Versorgungsstufen zu haben, etwa auch eine Kurzzeitpflege anzubieten
für Menschen, deren stationäre Behandlung im Krankenhaus abgeschlossen ist, die aber eine Nachbetreuung benötigen. An dem Thema sind wir dran. Wir brauchen aber nicht 20 andere Geschäftsfelder, um die Geno wirtschaftlich zu stabilisieren.

Bauen Sie die ambulanten Dienste aus?

Das machen wir kontinuierlich. Wir wollen aber nicht in Konkurrenz zu den niedergelassenen Ärzten treten. Wir sehen unsere Aufgabe da, wo Versorgungslücken sind oder Spezialkenntnisse
notwendig sind, die Krankenhausärzte manchmal häufiger haben als niedergelassene Ärzte.

Wie schließt die Geno das Jahr 2020 ab?

Der ursprüngliche Plan sah ein Minus von 20 Millionen Euro vor. Den können wir coronabedingt nicht mehr halten. Auch das schon angekündigte Minus von 37,5 Millionen Euro werden wir
voraussichtlich nicht schaffen.

Am Umbau der Geno haben sich schon mehrere Geschäftsführer versucht und gingen vorzeitig. Auch Sie werden auf Widerstand stoßen.

Das ist mit bewusst. Aber alle wollen doch das gleiche: eine optimale Gesundheitsversorgung auf einer vernünftigen wirtschaftlichen Basis. Und wer das will, muss auch über Strukturen
sprechen. Ich setze auf die Kraft des guten Arguments.

Wie lange läuft Ihr Vertrag mit der Geno?

Fünf Jahre, und ich habe vor, ihn zu erfüllen.

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