Die „Auszeit“ in der Neustadt musste schließen. Auch andere Gastronomen und Einzelhändler kämpfen ums Überleben. Foto: Schlie Die „Auszeit“ in der Neustadt musste schließen. Auch andere Gastronomen und Einzelhändler kämpfen ums Überleben. Foto: Schlie
Coronafolgen

„Ein Grundrauschen erhalten“

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Immer mehr Geschäfte und Kneipen in den Bremer Stadtteilen müssen schließen.

Zugeklebte Schaufenster, fehlende Schilder oder manchmal sogar ein Blick in leere Ladenlokale zeigen die Folgen des Lockdowns auf Geschäfte und Gaststätten in den Bremer Stadtteilen.

„Das Straßenbild wird sich sehr verändern“, ist sich die Neustädter Stadtteilmanagerin Astrid-Verena Dietze sicher.

Auch andere Gründe für Schließungen

In ihrem Stadtteil hat es schon mehrere Unternehmer getroffen: Kneipen mussten schließen, Geschäfte stehen leer. „Nun fängt es an, den Leuten auch aufzufallen“, sagt Dietze.

Zwar sei nicht immer ausschließlich der Lockdown der Grund für Geschäftsaufgaben, aber die meisten Gastronomen und Händler stünden inzwischen mit dem Rücken zur Wand, weiß sie aus Gesprächen.

2021 um die Leerstände kümmern

„Bei vielen sind die Rücklagen aufgebraucht. Dann kommen die versprochenen Hilfen zu spät oder nur als Abschlagszahlung. Es geht ums Überleben“, sagt Dietze.

2021 gehe es voraussichtlich zunehmend vor allem um Leerstands-Management, sagt sie.

Stadtweit sei zwar die ganz große Dramatik noch nicht sichtbar, sagt Karsten Nowak, Geschäftsführer der Handelskammer Bremen. Aber es stehe zu befürchten, dass es zu einer deutlich erkennbaren Zunahme an Schließungen komme. „Die Bundeshilfen reichen nicht aus und kommen zu spät“, sagt Nowak.

Gastronomen auch betroffen

Auch viele Gastronomen kämpfen. Zwar fließen die angekündigten November- und Dezemberhilfen des Bundes inzwischen, für einige allerdings zu spät, wie leere Kneipen und Restaurants in den Stadtteilen zeigen.

„Bis vor wenigen Tagen war die Lage sehr prekär“, sagt Thorsten Lieder, Geschäftsführer der Bremer Gastrogemeinschaft. Wie es weiter gehe, sei noch nicht sicher.

„Für die Überbrückungshilfe 3 im Januar sind die Kriterien noch nicht geklärt. Wir können noch nicht einschätzen, welche Konsequenzen das für die Betriebe hat“, sagt Lieder.

Weitere Schwierige Wochen

Einer, der die Überbrückungshilfe 3 bisher auch noch nicht beantragen konnte und lange auf die November- und Dezember-Hilfen wartete, ist Thorben Köhn, Betreiber des Gastfelds.

Er plane nicht mehr langfristig. „Ich möchte weitermachen, kann mir aber nicht vorstellen, dass das vor April mit einem guten Gefühl geht“, sagt er. Das Geld aus den Hilfen seien bereits verplant. „Ab jetzt wird es dann noch schwieriger“, ist er sich sicher.

Netzwerke und digitale Möglichkeiten nutzen

Handelskammer und Stadtteilakteure setzen auf Netzwerke und Lieferdienste in den Stadtteilen. In der Neustadt etwa riefen Stadtteilmanagement und Händler einen Gratis-Lieferservice ins Leben.

„Viele Einzelhändler haben kreative Ideen und Lösungen gefunden. Da spielt die Digitalisierung eine große Rolle“, sagt Dietze. Es gebe sehr viele positive Beispiele, wie Händler in der Krise Neues gewagt hätten und für ihre Kunden trotzdem präsent seien.

Das bestätigt auch Nowak. Vom Schaufenstershopping bis hin zu virtuellen Rundgängen durch Geschäfte gebe es viele Möglichkeiten. Ein Onlineshop oder Click-and -Collect-Angebote seien allerdings mit der persönlichen Beratung vor Ort nicht zu vergleichen.

„Das ist die große Stärke des Einzelhandels“, sagt die Stadtteilmanagerin. Nowak ergänzt: „Es geht im Moment darum, mit Austausch und technischen Möglichkeiten ein Grundrauschen zu erhalten.“

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