Seit April 2020 leitet der frühere Banker Andreas Setzer den Johanniter-Regionalverband Bremen-Verden. Den will er jetzt neu aufstellen und neue Projekte angehen. Foto: Schlie
Interview

„Zweite Halle fürs Impfen“

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Die Pläne des Bremer Johanniter-Chefs Andreas Setzer zu Corona, Kitas und Senioren.

Weser Report: Herr Setzer, im Februar wollen die Johanniter ihr eigenes Testzentrum schließen. Kommen nicht mehr genug Leute?

Andreas Setzer: Die Nachfrage ist unverändert hoch. Deshalb tut es uns auch weh, vorübergehend schließen zu müssen. Der Grund ist: Die Mitarbeiter, die wir hier einsetzen, benötigen wir für Schnelltests im Impfzentrum in der Messehalle 7. Dort testen wir täglich Mitarbeiter des Impfzentrums, jeden alle zwei, drei Tage.

Finden Sie nicht genügend Helfer, um beides machen zu können?

Doch, die Hilfsbereitschaft ist groß. Insgesamt haben sich bisher knapp 1.000 Bremerinnen und Bremer gemeldet. Aber es muss auch fachlich passen und sie müssen ausreichend geschult werden. Das können wir derzeit nicht gewährleisten.

Geimpft wird nicht nur im Impfzentrum, mobile Teams fahren auch zu den Pflegeheimen. Wie groß ist die Bereitschaft der Pflegekräfte, sich impfen zu lassen?

Das kann ich prozentual nicht definieren. Aber die Rückmeldungen aus den Heimen sind sehr positiv.

Aktuell stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung: der von Biontech/Pfizer und der von Moderna. Aber niemand kann wählen, mit welchem er geimpft werden möchte. Warum nicht?

Wir richten uns nach den Vorgaben des Bundes und des Landes Bremen. Organisatorisch wäre es ein Kraftakt, allein schon weil es eine Erstimpfung gibt und später eine Zweitimpfung. Am 29. Januar entscheidet die EU noch über die Zulassung eines dritten Impfstoffes, den von Astra Zeneca.

Erweitern Sie dann das Impfzentrum?

Wir müssen uns auf den Tag vorbereiten, von dem an Impfstoff in größeren Mengen zur Verfügung steht. Der Planungsstand ist, dass wir dann eine zweite Halle hinzunehmen und sie genau so einrichten wie die Halle 7, diese also kopieren. Im Gespräch ist dafür im Moment die Halle 6. Im Idealfall ist sie Mitte Februar einsatzbereit.

Wie viele Menschen können dann täglich geimpft werden?

Im Zwei-Schicht-Betrieb, den wir von Ende Januar an haben werden, können wir bis zu 1.800 Menschen täglich impfen. Wir sind gerade dabei, die Kapazitäten so auszubauen, dass wir auf 2.000 bis 2.500 Impfungen am Tag kommen. Mit einer zweiten Halle würden wir rund 4.000 täglich schaffen. Derzeit gehen die Briefe raus an die Über-85-Jährigen, dann die Briefe an die Über-80-Jährigen mit dem Angebot, einen Termin zu vereinbaren. Dafür müssen wir das Callcenter erweitern, da wir erwarten, dass von dieser Altersgruppe viele telefonisch einen Termin absprechen wollen und nicht übers Internet.

Die Johanniter sind zuständig für die Organisation des Impfzentrums. Wie lange läuft der Vertrag dafür mit dem Gesundheitsressort?

Erst einmal planen wir bis Ende Juni mit einer Option auf Verlängerung. Denn so lange wir impfen müssen, impfen wir.

Dafür bekommen die Johanniter auch Geld.

Natürlich möchte ich den Aufwand bezahlt bekommen. Aber unser Ziel ist nicht, Profit herauszuschlagen. Trotzdem hoffe ich, dass wir nicht mit einem Minus herausgehen.

Bei Ihrem Amtsantritt hieß es, Sie wollen die Bremer Johanniter neu aufstellen. Was planen Sie?

Ich möchte den Verband ausbauen, bestimmte Bereiche erweitern, insbesondere den Bereich Kita. Ich habe mich von Anfang gewundert, dass wir in Bremen keine Kita haben. In Niedersachsen sind wir der größte Anbieter von Kitas. Ich plane eine Kita in Bremen, mindestens eine. Wir haben aber noch kein Grundstück dafür. Es ist auch noch nicht entschieden, ob wir sie in Eigenverantwortung machen, also Eigentümer werden, oder nur als Betreiber reingehen.

Was steht noch an?

Auch das Thema Pflege möchte ich ausbauen. Wir sind schon in Horn tätig, aber ich will das auch in anderen Stadtteilen machen. Das Thema Service-Wohnen bedienen wir in Bremen noch gar nicht, also Wohnformen, in denen wir auch Betreuung anbieten wie beispielsweise Hilfe beim Einkaufen. Mit dem Johanniter-Haus haben wir schon ein Seniorenheim, weitere sind geplant. Aber noch ist nichts konkret beschlossen.

Wie entwickelt sich der Hausnotruf?

Er wird sich weiterentwickeln, nicht nur unter dem Gesundheitsaspekt, sondern auch unter dem Aspekt Sicherheit. Die Frage ist, ob man später noch einen Notknopf am Handgelenk trägt oder die Wohnung mit Bewegungssensoren ausstattet oder Sprachsysteme ähnlich wie Alexa einsetzt.

Die Johanniter-Unfall-Hilfe Bremen-Verden kam 2019 auf einen Umsatz von 10 Millionen Euro, davon kamen 10 Prozent aus Spenden und Förderbeiträgen. Wie schlossen Sie 2020 ab?

Das Zahlenwerk ist noch nicht abgeschlossen, aber wir werden 2019 übertreffen. Die Spendenbereitschaft ist in Bremen hoch, auch im Verhältnis zu anderen Bundesländern. Sie ist 2020 noch gestiegen. Wir haben einen Wandel von Beitragszahlungen hin zu Spenden.

Sie haben vorher bei der Bremer Bank und dann bei der Commerzbank gearbeitet. Da ist ein Wechsel zu einer Hilfsorganisation überraschend. Was gab den Ausschlag?

Ich habe bei den Johannitern Zivildienst gemacht, habe 27 Jahre bei Banken gearbeitet und verspürte den Drang, mal was anderes zu machen.

Von der Bank zu einer Hilfsorganisation: Da büßen Sie doch Gehalt ein?

Ja, das ist so.

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