Coronabedingte Änderungen im Unterrichtsalltag veränderten auch die Bedarfe der Schüler. Foto: Steven Weirather
Bildungsbrücke

WLAN statt Turnschuhe

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Öffentliche Schulen in Bremen sind kostenlos. Doch Nebenkosten bringen manche Familien in Schwierigkeiten.

Die Bildungsbrücke im Viertel blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2020 zurück. Die Initiative, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kinder und Jugendliche aus den Stadtteilen Mitte und Östliche Vorstadt finanziell zu unterstützen, um ihnen Bildungsteilhabe und den bestmöglichen Schulabschluss zu ermöglichen, konnte im Schuljahr 2019/2020 erneut 118 Schülerinnen und Schüler aus 35 Familien fördern.

„Trotz Corona blieb das Spendenaufkommen erfreulicherweise unverändert hoch. Dennoch ist der Bedarf ebenfalls unverändert höher“, sagt Hellena Harttung, Leiterin des Ortsamtes Mitte/Östliche Vorstadt und seit Jahren Unterstützerin der Initiative.

Kontaktaufnahme schwieriger

Christine Rust von der Bildungsbrücke bestätigt das. Allerdings sei es coronabedingt schwieriger gewesen, mit den betroffenen Familien in Kontakt zu treten. „Wir sind deshalb zum neuen Schuljahr nochmal verstärkt an die Schulen herangetreten, um auf unser Angebot aufmerksam zu machen“, erklärt Rust.

Geändert haben sich mit Corona sowohl die Empfänger-Gruppen als auch die Verwendungen der Zuschüsse. Zentrales Thema waren in der Zeit des Distanzunterrichtes WLAN-Anschlüsse und Druckerpatronen statt Turnschuhe oder Klassenfahrten. Außerdem zählten vermehrt Kinder freier Künstlerinnen und Künstler sowie von Selbständigen zu den Begünstigten.

Nebenkosten der Schüler

Der Besuch öffentlicher Schulen ist in Bremen grundsätzlich kostenlos. Dennoch erzeugen Dinge wie Klassenfahrten, Ausflüge, Sportkleidung und zusätzliche Bücher Nebenkosten zwischen 340 und 600 Euro pro Kind und Schuljahr. Einen Teil davon übernimmt die Bildungsbrücke.

„Das ist keine Charity-Aktion sondern ein Ausgleich für eine staatliche Ungerechtigkeit. Es geht nicht um uns, sondern um eine Lücke, die solidarisch-nachbarschaftlich gefüllt wird“, verdeutlicht Rust. Man erwarte auch keine Dankesbriefe oder dergleichen, betont sie.

Unbürokratische Hilfe

Die gibt es dennoch: „Die erste Unterstützung beginnt mit der unbürokratischen, unkomplizierten Herangehensweise der Antragstellung. Die von mir wirklich als freundlich und herzlich empfundene, schnelle Mail-Antwort Ihrerseits hilft sehr, sich der unangenehmen Bittsteller-Rolle zu entziehen. (…) Konkret befindet man sich nicht mehr in der Situation, notwendige schulische Anschaffungen dem Monatsbudget unterordnen zu müssen“, schieb beispielsweise eine Mutter.

Getragen wird die Bildungsbrücke unter anderem von einzelnen Bürgerinnen und Bürgern, den Beiräten Mitte und Östliche Vorstadt, der evangelischen Friedensgemeinde, der St. Petri Domgemeinde sowie verschiedenen Stiftungen und Unternehmen.

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