Firmenchef Gerhard Cunze setzt, wie er sagt, auf seinen „sehr positiv denkenden Mitgesellschafter“. Und der ist in Bremen kein Unbekannter. Foto: Meyer
Klimawandel

Container für die Wende

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Wie der Bremer Adler-Solar-Chef Gerhard Cunze den Energiewandel vorantreibt.

Gerhard Cunze wartet – auf Container. Weltweit mangelt es daran. Doch ohne sie kann Cunze die Energiewende nicht so schnell vorantreiben, wie er möchte. Der gelernte Steuerexperte leitet das Bremer Unternehmen Adler Solar Services, den nach eigenen Angaben größten Komplettanbieter von Solaranlagen im Nordwesten.

Eigentlich, sagt Cunze, stehe Adler Solar vor guten Zeiten. „Die Sensibilisierung in der Bevölkerung für die Energiewende ist da.“ Schon im vergangenen Jahr installierte die Branche bundesweit 25 Prozent mehr Solardächer als 1999, wie der Bundesverband Solarwirtschaft berichtet.

Auch für 2021 zeigt sich Verbandschef Carsten Körnig „zuversichtlich“. Noch im Dezember änderte die Bundesregierung das Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) so, dass sich der Einbau von Solaranlage noch mehr lohnt. Anlagen mit einer Leistung von weniger als 30 Kilowatt sind nun von der Abgabe befreit. Bis dahin wurde sie schon ab zehn Kilowatt fällig.

Handwerksbetriebe profitieren

Von der Änderung profitieren nicht nur Eigenheimbesitzer, sondern auch kleine Handwerksbetriebe und kleine Gewerbetreibende. Sie können nun mehr Anlagen auf ihre Dächer packen, um so Strom für den eigenen Bedarf zu erzeugen. Außerdem brauchen 20 Jahre alte Anlagen nun doch nicht nachgerüstet zu werden, wie es zunächst geplant war.

Jetzt müssen in den chinesischen Häfen nur noch genügend Container für den Transport nach Bremen bereitstehen. Denn aus China bezieht Cunze Module und Speicher. „Die Chinesen produzieren zu vernünftigen Bedingungen und zu guter Qualität“, sagt der Adler-Chef. „Das ist kein Chingchung.“ 95 Prozent aller Module kämen heute aus China. Speicher bietet Cunze allerdings auch aus deutscher Produktion an. Die Wechselrichter besorgt er sich ebenfalls in Deutschland, außerdem in Israel.

„Von den meisten Wettbewerbern unterscheiden wir uns darin, dass wir hier am Ort alles anbieten, was man braucht“, sagt Cunze. „Planung, Vertrieb und eine Software, die die Anlage passgenau für das jeweilige Dach konzipiert.“ Das Unternehmen beschäftigt sogar eigene Elektromeister, Dachdecker und Gutachter. Knapp 50 Mitarbeiter zählt Adler Solar.

Unternehmen 2008 gegründet

Mit einem Partner hat Cunze das Unternehmen 2008 gegründet, um Rückrufe von Solaranbietern abzuwickeln. Vier Jahre später übernahm es die Garantieabwicklung und das Recycling für den amerikanischen Modulhersteller First Solar. Aber das ist Geschichte.

Der Gründungspartner hat sich längst verabschiedet. 2015 stieg der norwegische Energieberater Aqualis ein, verkaufte seinen Anteil von 49,9 Prozent aber im Mai 2018 wieder. Heute hält Cunze 40,1 Prozent der Firmenanteile. Den Rest besitzt die Bremer Beratungsgesellschaft D2D4. Hinter ihr steht der Bremer Unternehmer Klaus Meier, bekannter als Gesellschafter des Unternehmens WPD, das vor allem Windparks plant, entwickelt und vertreibt. In Bremen erregt Meier allerdings noch mehr Aufsehen als Investor der Überseeinsel, wo er auf dem ehemaligen Kellogg‘s-Gelände ein ganzes Stadtquartier errichtet.

Da kann und will Cunze nicht mithalten. Für Adler Solar rechnet er mit einem Jahresumsatz von vier bis fünf Millionen Euro. Noch schreibt das Unternehmen keine schwarzen Zahlen. „Aber“, sagt er und denkt da an Meier, „wir haben einen sehr positiv denkenden Mitgesellschafter, der sich erneuerbaren Energien verschrieben hat und sieht, dass wir einen Turnaround hinbekommen.“ Und dann setzt Cunze noch einen drauf: „Definitiv im Jahr 2021.“

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