Seit einem Jahr ist Carolin Reuther Geschäftsführerin der City-Initiative, der rund 180 Mitglieder angehören.Foto: Schlie
Bremer Innenstadt

City-Fest in diesem Sommer

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Die Chefin der City-Initiative Carolin Reuther spricht über ihre Pläne, neue Marken und Ärger.

Weser Report: Frau Reuther, in 107 deutschen Städten hat das Institut für Handelsforschung die Passanten gebeten, ihr Stadtzentrum zu beurteilen. Bremen erhielt eine Drei. Damit kann die City-Initiative nicht zufrieden sein. Was wollen Sie tun?

Carolin Reuther: Nicht nur in Bremen leidet die Innenstadt und in einigen Bereichen schneiden wir auch besser als der Durchschnitt ab. Wir müssen schauen, welche Probleme sind spezifisch bremische und wie können wir die angehen. Vor allem im Bereich Erlebnisqualität haben wir nicht gut abgeschnitten. Da bietet das Aktionsprogramm Innenstadt gute Ansätze. Spätestens 2022 können hoffentlich wieder die beliebten Großveranstaltungen in Gänze durchstarten. Aber auch für diesen Sommer planen wir als City-Initiative schon Veranstaltungen. So konzipieren wir ein City-Fest. Mit mehreren Aktionstagen rufen wir im Sommer zudem zum Urlaub in der City auf. Es werden auch Oldtimer zu sehen sein, Zauberer werden Groß und Klein begeistern, Konzerte zum Verweilen einladen. Und wir wollen das Thema Fashion aufgreifen. Im September kommt unsere Maritime Woche und im Spätherbst planen wir ein Lichterfest. Die Leute sollen das Gefühl haben: In der Innenstadt kann ich den ganzen Tag verbringen.

Tina Müller, die Chefin der Parfümiere-Kette Douglas, erwartet, dass nach Corona nur noch 90 Prozent der Besucher in die City kommen, die vor der Pandemie dort waren.

Wir werden in den ersten Monaten nach der Öffnung der Geschäfte nur langsam wieder zu höheren Besucherzahlen kommen. Langfristig werden wir vielleicht wieder 100 Prozent erreichen. Denn unser Ziel ist es ja, eine größere Nutzungsdurchmischung und neue Anlässe in die Innenstadt zu bringen, also vielfältigere Angebote für unterschiedliche Zielgruppen.

Haben Sie durch die Schließung mehrerer City-Filialen bekannter Modemarken wie beispielsweise Zara, Esprit oder Benetton nicht eine Zielgruppe verloren?

Verloren ist zu viel gesagt, aber ja vor allem bei dem weiblichen Publikum einer jüngeren Altersklasse haben wir ein Manko, da müssen wir in Bremen uns um gezielte Ansiedlungen bemühen. Für die männliche Zielgruppe sehe ich das Problem dagegen nicht. Allerdings haben wir auch gemerkt, dass Veranstaltungen wie der „Made in Bremen“-Markt genauso eine weibliche Zielgruppe mittleren Alters angezogen haben. Und da wollen wir ja zulegen.

Einige Modeläden haben die City verlassen, dafür kommen vermehrt Nahversorger wie Supermärkte und Drogerien.

Wir sprechen von einer Renaissance der Innenstädte. Das bedeutet auch ein Mehr an Wohnen und Arbeiten und das bedingt auch ein Mehr an Nahversorgern. Aber es gibt auch andere Neueröffnungen. Montblanc zum Beispiel hat in der Domshof-Passage ein Geschäft eröffnet genauso wie das Bremer Schmuckhaus oder auch brillen.de in der Martinistraße. Und die Eröffnung von Ekofair steht an.

Kommen nach Montblanc andere höherwertige Marken?

Bremens City ist sehr vielfältig, auch mit ihren kleinen Quartieren. Andere Innenstädte sind viel homogener. Unsere Chance ist es, dass wir die Quartiere so unterschiedlich entwickeln, also Schwerpunkte bilden können, dass sie für höherwertige Marken noch interessanter werden.

In die City soll auch mehr Gastronomie kommen. Gibt es dort nicht schon genug Restaurants und Cafés?

Bremen hat nicht zu wenig Gastronomie. Ich glaube aber, dass es noch Raum gibt für qualitätsvolle individuelle Konzepte. Auch dadurch verbessern wir die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt, insbesondere an Plätzen. Und auch Popup-Stores und Concept-Stores schaffen neue Impulse.

Ein Problem ärgert die Besucher in der City besonders, wie die Umfrage zeigt: mangelnde Sauberkeit.

Das Thema muss Bremen angehen. Da haben wir schon in den vergangenen Jahren nicht so gut abgeschnitten. Die Stadt kann hier relativ leicht und kurzfristig Ergebnisse erzielen und ich hoffe, diese Chance wird genutzt.

Viele City-Händler haben sich über die Bettelei beschwert.

Das war vor allem in den vergangenen Sommermonaten ein Thema. Da zeigten sich Tendenzen, die es in der Vergangenheit nicht gab: Vermeintlich organisierte Gruppen von Bettlern drangen bis in die Außenbereiche der Gastronomie ein.

Freunden sich die City-Händler mit dem Ziel der rot-grün-roten Koalition an, die City bis 2030 autofrei zu machen?

Nicht nur in der City-Initiative, sondern auch im Aktionsbündnis Innenstadt gibt es eine große Übereinstimmung, den Kernbereich der Innenstadt fußgängerfreundlich und autoarm zu gestalten, also Fußgängerzonen zu erweitern und einige Straßen vielleicht auch vom Fahrradverkehr und Öffentlichen Personennahverkehr zu befreien. Oberstes Ziel muss aber die Erreichbarkeit der Innenstadt sein, auch für den motorisierten Individualverkehr. Uns ist es wichtig, dass die Zufahrtstraßen erhalten bleiben, vor allem wenn wir auch mehr Wohnen, mehr Arbeiten, mehr Wissenschaft in die Innenstadt holen wollen.

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