Mit 20 Jahren steht Manuel Mbom noch am Beginn seiner Karriere. Foto: Nordphoto Scheut keinen Zweikampf: Manuel Mbom gilt als aggressiver Spielertyp. Foto: Nordphoto
Mann mit Fokus

„Auf dem Platz leg ich den Schalter um“

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Manuel Mbom über seine Premierensaison, Gelbe Karten, Spaghetti-Eis und Entwicklungshilfe

An bisher 21 Spieltagen wurde er 16 Mal eingesetzt: Zu behaupten, dass Manuel Mbom in seiner allerersten Bundesliga-Saison einen steilen Aufstieg bei Werder hingelegt hat, ist keine Übertreibung. Unter Trainer Florian Kohfeldt ist der 20-Jährige längst ein vollwertiges Mitglied des Profikaders, auch wenn er noch viel lernen muss, wie er selbst sagt. Am Küchentisch seiner Wohnung hat sich Mbom in dieser Woche viel Zeit für ein längeres Video-Telefonat genommen.

Herr Mbom, zu Beginn mal eine, wenn man so möchte, kulinarische Frage: Stimmt es eigentlich, dass Sie ihren allerersten Vertrag mit Werder in einem McDonalds-Restaurant unterschrieben haben?

Manuel Mbom: (lacht) Das stimmt. Ich war 13 Jahre alt und hatte in der Nähe von Göttingen bei einem Turnier zugeschaut, bei dem Werder mitgespielt hat. Nach dem Turnier haben wir uns einen Ort gesucht, wo wir den Vertrag in Ruhe unterschreiben können. So sind meine Mutter, Thorsten Bolder (Werders Sportlicher Leiter U8 bis U14, Anm. d. Red.) und ich bei McDonalds gelandet. Dort ging es relativ schnell, denn ich wollte unbedingt zu Werder ins Internat.

Diese erste Unterschrift vor sieben Jahren war für Sie der Beginn einer langen Reise, die Sie im Herbst 2020 in die Bundesliga geführt hat. Haben Sie sich nach 16 Einsätzen schon ans Dasein als Werder-Profi gewöhnt?

Es ist immer noch etwas ganz Besonderes für mich. Hätte mir jemand vor der Saison gesagt, dass es so laufen würde, hätte ich das sofort unterschrieben. Richtig daran gewöhnt habe ich mich auch noch nicht. Hin und wieder erwische ich mich in Momenten, in denen mir das bewusst wird. Nach Zweikämpfen im Training mit Spielern wie Toprak oder Füllkrug zum Beispiel. Da denke ich mir manchmal bis heute: „Okay, krass, das ist jetzt wirklich Bundesliga!“ Ich sehe es als Riesenehre, dass ich eine Chance in diesem Verein bekomme.

Mussten Sie nach Ihrem Debüt im September auf Schalke einen ausgeben?

Ja. Ich habe mich nach dem Spiel schlau gemacht, was die Mannschaft von anderen Debütanten schon so bekommen hat. Da habe ich erfahren, dass Spaghetti-Eis hier hoch im Kurs steht. Deswegen habe ich eine Runde Eis für alle ausgegeben.

Wie zufrieden sind Sie denn bisher mit Ihrer Premierensaison?

Ich bin sehr zufrieden. Dass ich so schnell reinkomme, hatte ich vor der Saison nicht erwartet. Als junger Spieler versuche ich, so viel es geht aufzusaugen, um mich zu verbessern, denn es gibt noch eine Menge zu lernen. Bisher läuft es positiv. Ich komme jeden Tag gerne zu Werder Bremen.

Mit aktuell sieben Gelben Karten führen Sie Werders interne Sünderliste an. Müssen Sie sich da von den Kollegen Sprüche anhören?

Nein, das ist kein so großes Thema. Jeder weiß, dass es normal ist für einen jungen Spieler, dass er sich erst anpassen muss – vor allem, wenn das Tempo des Spiels und der Gegenspieler anfangs für ihn neu sind. Da gibt es schon einen großen Unterschied zwischen der 3. Liga und der Bundesliga.

Auf dem Platz sind Sie ein aggressiver Spielertyp, beinahe ein Heißsporn, abseits davon aber sehr reflektiert und umsichtig. Woher kommt das?

(lacht) Ich weiß es nicht. Anscheinend habe ich es in mir drin, dass ich auf dem Platz einen Schalter umlege und mich der Sache total verschreibe. Meine Art neben dem Platz habe ich meinen Eltern und ihrer Erziehung zu verdanken. Da bin ich eher der reserviertere Typ.

Ihr Vater ist Entwicklungshelfer und momentan im Senegal tätig. Wäre das für Sie ein Berufsfeld, dass Sie sich nach der Karriere als Fußballer auch vorstellen können?

Klar, denn ich finde es echt cool, was mein Vater macht und stehe voll dahinter. Eine soziale Ader habe ich auch, ich helfe sehr gerne. Deswegen ist Entwicklungshilfe für die Zeit nach der Karriere auf jeden Fall eine Option. Ich habe auch die Idee, irgendwann eine Stiftung zu gründen. Im Moment liegt mein ganzer Fokus aber auf der Karriere und auf Werder.

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