Bereits 34 Mal standen die besten Nachwuchs-Judokämpfer beim International Masters in Bremen auf der Matte. Viele von ihnen gewannen später im Seniorenbereich Edelmetall bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Foto: Schlie
Judo Turnier

Nur Radfahrer einladen

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Das Bremer Judo International Masters-Turnier wird auf Oktober verschoben.

Normalerweise sammelt Norbert Specker pro Jahr sehr viele Bonusmeilen. Denn der Vorsitzende des Bremer Judo-Verbands, des Bremer Judo Clubs und Cheforganisator des International Judo Masters Turniers, fliegt für den Deutschen Judo-Verband häufig ins Ausland, meist viele tausend Kilometer weit und nicht selten nach Japan, dem Mutterland des Judo.

„Vor einem Jahr, im Februar 2020, war ich zuletzt dort“, erinnert sich der Funktionär an seine Reise mit sehbehinderten Sportlern, die sich auf die Teilnehme an den Paralympics vorbereiten sollten. Mit dem wahrscheinlich letzten regulären Flug seien sie zurückgekommen nach Deutschland, sagt Specker. „Da hatten wir mehr Stewardessen als Passagiere an Bord.“ Danach wurde es ruhig um Speckers Reiseaktivitäten. „In Bayern bin ich noch einmal gewesen. Aber das zählt ja nicht als Ausland sagt er.

Nationen aus Asien oder Südamerika

Ein bisschen steht der ausgebremste Specker stellvertretend für das internationale U18- und U21-Judo-Masters-Turnier, das jedes Frühjahr in Bremen ausgetragen wird. 2020 ist es wegen der Pandemie ausgefallen. Im laufenden Jahr wurde es vorerst auf Ende Oktober verschoben. Specker ist Cheforganisator und zuversichtlich, dass es in diesem Jahr – also in knapp sieben Monaten starten kann. Natürlich nicht so international besetzt wie in früheren Jahren, in denen auch immer starke Nationen aus Asien oder Südamerika ihre Kämpfer nach Bremen schickten. Aber mit der Vielfliegerei ist jetzt erst mal Schluss. Zumindest stellt eine weite Anreise einen ziemlich großen Unsicherheitsfaktor dar. Deshalb plant Specker eine Nummer kleiner.

„Wir laden vor allem die Nationen ein, die mit dem Fahrrad kommen können“, bemerkt er. Fahrrad bedeutet im übertragenen Sinne die west- und südeuröpäischen Länder, die im Pandemiegeschehen mit Deutschland vergleichbar sind und dern Sportler mit dem Bus anreisen könnten. Die Engländer, Waliser und Schotten will Specker nicht ausschließen. „Na gut. Die bräuchten zusätzlich natürlich noch ein Schiff, aber dann ist es kein Problem, Bremen zu erreichen“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Andere Hygienemaßnahmen

Specker hofft, dass bis Oktober weitgehend eine Herden­immunität in all diesen Ländern erreicht ist. Natürlich müsse man in der Halle mit ganz anderen Hygienemaßnahmen als in früheren Jahren planen. Das bedeutet: weniger Teilnehmer, kleinere Felder in den Alters- und Gewichtsklassen und weniger Matten.

„In meinem Kopf steht die Planung bereits. Aber am Ende ist entscheidend, was im Oktober in Bremen erlaubt sein wird“, weiß Specker, der vor wenigen Tagen ein wenig wehmütig die TV-Übertragungen eines Judo-Grand-Slam-Turniers im georgischen Tiflis verfolgte. Selbst in diesen Zeiten durchgezogen vom internationalen Judo-Verband.

Hoffnung auf Normalität

„Allerdings mit einem sehr rigiden Hygienekonzept, das zusätzlich zu ständigen Tests auch vorsah, dass die Sportler fünf oder sechs Tage vorher anreisen und sich nach dem Aussteigen aus dem Flugzeug sofort in eine Blase begeben“, erzählt Specker. Doch das koste ein Vermögen, sei für das Masters Turnier in Bremen nicht finanzierbar.

So bleibt für Specker die Hoffnung auf eine schrittweise Rückkehr zur Normalität. Nicht nur im Sinne des Masters, sondern vor allem auch für alle Judokas in Bremen, die seit einem Jahr nicht mehr im Duell Eins-gegen-Eins auf der Matte gestanden haben und deren Spaß an anderen Trainingsformaten inzwischen ziemlich erschöpft ist.
Zeitlich empfindet Specker übrigens keinen großen Druck. Eine mögliche Absage der Turniers könne man bis Anfang Oktober hinauszögern, ohne dass dadurch große organisatorische Probleme oder finanzielle Verluste entstünden, sagt er.

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