Andreas Meyer (v.l.) und Oliver Kriebel von der Handwerkskammer besprechen mit Jörn Beckmann und Steffen Röhrs, beide Inhaber Bremer Handwerksbetriebe, die Umfrage.Foto: Brandt
Jahresbilanz

Nur ein blaues Auge

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Wie die Bremer Handwerksbetriebe durch die Corona-Krise kommen.

Die Baugewerke stehen trotz Corona-Krise sehr gut da. Das zeigt die Konjunkturumfrage der Bremer Handwerkskammer. „Viele Bau- und Ausbaubetriebe sind mehr als ein Jahr im Voraus ausgebucht“, sagt Oliver Kriebel, stellvertretender Geschäftsführer der Handwerkskammer. Im Bauhauptgewerbe konnten im vergangenen Halbjahr sogar 22,2 Prozent der Betriebe höhere Preise durchsetzen. Im Ausbaugewerbe schaffen das immerhin noch 15,9 Prozent. 70 Prozent aller Bremer Handwerksbetriebe hielten die Preise stabil, 17,7 Prozent mussten sie senken.

„Rund 41 Prozent der Betriebe verzeichnen Umsatzrückgänge“, sagt Kriebel. In der Umfrage im Herbst 2020 hatten noch 58 Prozent ein Minus angegeben. Dies sei vor allem auf die temporären Schließungen in Friseursalons und Kosmetikstudios sowie auf den fehlenden Verkauf im Kfz-Gewerbe zurückzuführen. Die zeitweisen Schließungen wirken sich auch auf den Geschäftsklima-Index aus. „Dieser ist seit der Pandemie stark eingebrochen, aber noch im guten Bereich. Impfungen versprechen eine positive Perspektive“, sagt Kriebel.

Pandemie nicht spurlos vorbeigezogen

Thomas Kurzke, der Präses der Handwerkskammer, bestätigt: „Die Pandemie ist auch am Bremer Handwerk nicht spurlos vorbeigezogen. Trotzdem ist das Handwerk das Rückgrat der Wirtschaft.“ 15 Prozent der Betriebe stellten im vergangenen Halbjahr sogar zusätzliche Kräfte ein, 15 Prozent mussten Stellen streichen. Für die Zukunft planen 6,3 Prozent einen Abbau, 11,6 Prozent wollen neue Jobs schaffen.

„Dieser niedrige Wert ist auch Ausdruck des Fachkräftemangels“, erklärt Kurzke. Der Mangel mache es für das Handwerk unentbehrlich, selbst auszubilden. „Im Moment ist es schwierig für uns, Auszubildende für das Handwerk zu finden. Normalerweise gehen wir in die Schulen und auf Messen. Das ist momentan nicht möglich“, sagt der Präses. Steffen Röhrs vom Sanitärbetrieb Uwe Röhrs erklärt: „Wir bieten immer sehr viele Praktika an. So können die Schüler gucken, ob der Beruf ihnen Spaß macht und unsere Monteure, ob die Praktikanten in den Betrieb passen.“ So behelfen sich mittlerweile viele Betriebe.

Keine Insolvenzwelle

„Das Bremer Handwerk ist mit einem blauen Auge davongekommen“, sagt Andreas Meyer, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. „Bis jetzt gab es keine Insolvenzwelle. Und wir sind optimistisch, dass es so bleibt.“

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