Nicht erst seit der Corona-Pandemie boomt der Online-Handel. Damit wächst auch der Bedarf an neuen Flächen für die Logistikunternehmen. Foto: Schlie
Gewerbegebiete

Kitas in Gewerbegebiete

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Wie die SPD-Fraktion Grundstücke für Unternehmen aufbereiten will.

Es gibt einen Konflikt. Das räumt Mustafa Güngör ein, der Vorsitzende der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft. Bremen brauche mehr Wohnungen, müsse aber auch neue Gewerbeflächen ausweisen. „Wir wollen verkaufsfähige Gewerbeflächen im Umfang von 100 Hektar vorhalten“, sagt Volker Stahmann, der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion. Jedes Jahr würden im Schnitt 30 Hektar vermarktet, Bremen müsse eine Reserve für drei Jahre vorhalten.

Handelskammer und Arbeitnehmerkammer sehen es ähnlich. Die Grünen sind da reservierter. Sie fordern vor allem, den „Flächenverbrauch der Logistikbranche zu reduzieren“. Und da deutet sich schon der nächste Konflikt an. „Bremen ist ein Standort der Logistik“, betont Stahmann. „Es gibt keine Branche, die wir hier nicht mehr haben wollen.“ Und Güngör ergänzt: „Für uns haben Wirtschaft und Arbeitsplätze oberste Priorität.“

Erbbaurecht

Nicht immer müssten Gewerbeflächen an Unternehmen verkauft werden, sagt Stahmann. Die Stadt könnte Grundstücke auch nach dem Erbbaurecht vergeben und später wieder darauf zugreifen. Sie sollte dann aber den Erbbauzins senken. Aktuell verlangt die Stadt sieben Prozent. „Da ist ein Bankenkredit günstiger“, sagt Stahmann.

Für ihn geht es nicht nur darum ausreichend Gewerbeflächen auszuweisen, sie sollten auch „mit Profil“ entwickelt werden. Das bedingt Anschluss an ein 5G- und 6G-Netz, Kita-Plätze sowie Läden und Bistros in Gewerbegebieten, Radwege und Haltestellen für Busse und Straßenbahnen. Dächer sollten begrünt oder mit Solaranlagen ausgestattet werden.

Mit den Vorschlägen will die SPD die Debatte um das Gewerbeflächen-Entwicklungsprogramm 2030 vorantreiben. Die Stadtbürgerschaft wird ihn voraussichtlich im ersten Halbjahr 2022 beschließen.

Fast 2.000 Jobs gesichert

Genau 1.883 Arbeitsplätze hat die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) im vergangenen Jahr durch ihre Initiativen gesichert. Zudem trug sie zur Schaffung von 346 Jobs bei. 2019 konnte sie allerdings auf 2.084 gesicherte und 1.356 neue Stelle zurückblicken. Für 2021 erwartet die WFB eine Erholung. Viele Firmen hätten ihre Vorhaben zwar zurückgestellt, aber nicht grundsätzlich abgesagt, schreibt die WFB in ihrem Jahresbericht.
Außerdem stieß sie Investitionen von 87,6 Millionen Euro an. 2019 konnte sie Unternehmen dazu bewegen, 298 Millionen Euro in Bremen zu investieren. 29,2 Hektar Gewerbeflächen ließ die WFB 2020 neu erschließen, 17,9 Hektar konnte sie vermarkten.

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