Frankreichs Außenverteidiger Lucas Hernandez (oben) bereitete den entscheidenden Treffer vor, den auch Joshua Kimmich (unten) nicht verhindern konnte. Foto: Nordphoto Joshua Kimmich (unten) und sein Münchener Vereinskollege Lucas Hernandez schenkten sich nichts in hart geführten Zweikämpfen. Foto: Nordphoto
Eigentorpleite

Leichtigkeit schlägt harte Arbeit

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Deutschland verliert sein erstes Gruppenspiel der Europameisterschaft gegen Weltmeister Frankreich mit 0:1.

Das war nicht der Auftakt, den sich die deutsche Mannschaft gewünscht hatte. Mit 0:1 unterlag der dreifache Europameister gegen Weltmeister Frankreich. Verdient muss man sagen, denn gemessen an den Chancen hatten die Gastgeber nicht viel zu bieten. Und so konnten sich die Fans in der Münchener Arena schon so ein wenig an die enttäuschenden Auftritte bei der Weltmeisterschaft 2018 erinnert fühlen.
Nun gut, kämpferisch zeigten die Deutschen eine ansprechende Vorstellung, versuchten sich da in der Anfangsviertelstunde gegen das favorisierte Starensemble Respekt zu verschaffen. Doch wenn die Franzosen in Tornähe kamen, dann wurde es gefährlich: Erst war es Paul Pogba, der nach einem Eckball vor Verteidiger Antonio Rüdiger zum Kopfball kam und nur knapp verfehlte (16.). Nur eine Minute später mischte Kylian Mbappé die rechte deutsche Abwehrseite auf und zwang mit seinem strammen Schuss aufs lange Eck Keeper Manuel Neuer zu einer Faustabwehr. Es schien etwas in der Luft zu liegen. Und das war weder Musik noch Liebe, sondern ein Gegentreffer.

Erstes Eigentor mit dem Schienbein

Wie dieser dann tatsächlich passierte, das war eine Mischung aus französischer Genialität und deutschem Stockfehler. Pogba war es, der mit einem Zauberpass den auf dem anderen Flügel durchstartenden Außenverteidiger Lucas Hernandez in Szene setzte. Der deutsche Außenverteidiger Joshua Kimmich war viel zu weit in der Mitte postiert, kam nicht hinterher und konnte nicht verhindern, dass Hernandez den Ball scharf nach innen spielte wo Mbappé lauerte. Zwischen den beiden aber noch Mats Hummels, der den Ball wegschlagen wollte, aber diesen so unglücklich mit dem Schienbein erwischt, dass er er im eigenen Tor einschlug. Das erste Eigentor der deutschen EM-Geschichte übrigens.

Mit frischem Mut aber kaum Chancen

Und was hatten die Deutschen zu bieten in Sachen Torgefahr? Im ersten Durchgang tatsächlich so gut wie nichts. Ein Freistoß von Toni Kroos flog weit über den französischen Kasten und eine Kombination über den starken Robin Gosens, Serge Gnabry und Ilkay Gündogan war auch nicht mehr als eine Halbchance.
Das schien sich dann nach dem Wechsel zu ändern. Die deutsche Mannschaft kam mit frischem Mut aus der Kabine und immer wieder waren es die beiden Außenverteidiger Gosens und Kimmich, die gefährliche Situationen einleiteten. Die beste hatte Gnabry, als er knapp über das Tor zielte. Es sah teilweise nach richtig schwerer Arbeit aus, wie die deutsche Mannschaft anrannte.

Deutschland mehrfach im Glück

Ganz im Gegensatz zu den Franzosen, die mit unglaublicher Schnelligkeit und Leichtigkeit immer wieder zu ihren Chancen kamen. Und die waren nicht von schlechten Eltern Adrien Rabiot traf den Außenpfosten (54.), Mbappé zirkelte den Ball ins lange Eck (66.). Wobei dieser Treffer zurecht wegen Abseits nicht anerkannt wurde. Ebenso wie ein Kontertor über Mbappé und Karim Benzema (85.). Zwischendrin hatte die deutsche Mannschaft noch riesiges Glück, dass ein elfmeterreifes Einsteigen von Hummels gegen Mbappé nicht geahndet wurde – ebenso eine Beißattacke von Antonio Rüdiger gegen die Schulter von Pogba.
Für Deutschland gilt es nun, die Niederlage schnell wegzustecken und sich auf das zweite Gruppenspiel am Samstag gegen Portugal vorzubereiten. Einen Mbappé, der zu keiner Phase von den Deutschen zu kontrollieren war, wird, die Mannschaft da nicht wiedertreffen. Allerdings wird dann ein gewisser Cristiano Ronaldo auf dem Platz stehen. Der EM-Rekordspieler und Rekordtorschütze ist ein ähnliches Kaliber…

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