Zubringer oder Zumutung: Der Streit um die Straßenbahn in der Obernstraße dürfte sich bis zum Herbst noch zuspitzen. Foto: Meyer
Verlegung Straßebahn

Koalition droht Streit

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Nicht alle Koalitionspolitiker sind von den Plänen der Mobilitätssenatorin überzeugt.

Selbst Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt warnt: „Das Gutachten lässt sich nicht einfach übergehen.“ Mustafa Güngör, Chef der SPD-Fraktion, geht sogar einen Schritt weiter. Für ihn steht schon jetzt fest: „Eine Verlegung der Straßenbahn aus der Obernstraße bietet dort enorme Potenziale für Aufenthaltsqualität.“ Und: „Von einer Bündelung der Haltestellen an der Glocke kann man nur abraten.“ Entzündet sich da ein Streit in der rot-grün-roten Koalition?

Denn die grüne Mobilitätssenatorin Maike Schaefer plant genau dies: Sie will vor dem Konzerthaus Haltestellen zusammenlegen und die Straßenbahnen auch künftig durch die Obernstraße fahren lassen.

Gutachten erstellt

Nicht nur die Linken-Politikerin Kristina Vogt und SPD-Fraktionschef Mustafa Güngör zweifeln Schaefers Plan an. Das Aktionsbündnis Innenstadt hat das Hannoverische Planungsbüro PGT Umwelt und Verkehr beauftragt, Schaefers Vorhaben zu prüfen und ein Gutachten darüber zu erstellen. Das Ergebnis: Eine Verlegung der Straßenbahn aus der Obernstraße in die Martinistraße ist technisch möglich und eine Bündelung von Haltestellen vor dem Konzerthaus nicht alternativlos.

„Alle Akteure des Aktionsbündnisses stehen einhellig hinter dem Ergebnis des Gutachtens“, beteuert Olaf Orb, Innenstadt-Beauftragter der Handelskammer. Und Stefan Brockmann, Vorstand der City-Initiative, ergänzt: „Das ist ein signifikanter Teil der Stadtgesellschaft.“ Denn dem Aktionsbündnis haben sich nicht nur Handelskammer und City-Initiative angeschlossen, sondern auch die Handwerkskammer, die Arbeitnehmerkammer, die Architektenkammer, Unternehmer und Gewerkschaft, insgesamt 16 gewichtige Akteure.

Drei Varianten

Drei Varianten hat das Planungsbüro untersucht. Die erste sieht eine Linienführung über die Martinistraße, Balgebrückstraße und Ostertor vor. Die zweite geht von einer Linienführung über die Martinistraße, die Balgebrückstraße und Ostertor aus, erstreckt sich dann aber weiter bis Tiefer und Altenwall. Als dritten Weg analysierte das Büro die Strecke über die Bürgermeister-Smidt-Brücke und Westerstraße sowie Balgebrückstraße/Altenwall.

„Die dritte Variante ist nicht zielführend“, sagt PGT-Geschäftsführer Heinz Mazur. Er favorisiert die erste Variante und hält zudem „eine kompakte Haltestellen-Anlage“ an der Balgebrückstraße für „denkbar“.

Erreichbarkeit wichtig

Die City bliebe auch gut erreichbar, wenn die Straßenbahnen durch die Martinistraße führen und nicht mehr durch die Obernstraße. Die beiden wichtigsten Haltestellen nach dem Hauptbahnhof würden weiterhin angefahren: die Domsheide, wenn auch versetzt, und der Brill. Rund 50.000 Menschen steigen werktäglich an der Domsheide ein und aus, 29.000 am Brill. Die Haltestelle Obernstraße nutzen nur 8.200 Personen.

Im Herbst will der Senat entscheiden. Bis dahin, so Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer, müssten die bisherigen Umbaupläne überdacht werden. Verbündete dafür weiß er jedenfalls an seiner Seite.

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