Die Reisebranche läuft langsam und vorsichtig wieder an. Auch die Flugzeuge starten und landen wieder – alles unter strengen Corona-Auflagen. Foto: Pixabay
Urlaub

Fluggastzahlen steigen langsam

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Auswirkungen der Pandemie auf den Bremer Flughafen und wie sich das Flugangebot wieder erholt.

Die gesamte Reisebranche und insbesondere auch die Luftfahrtbranche hatten sehr mit den Auswirkungen und Beschränkungen der Pandemie zu kämpfen. Es war für anderthalb Jahre fast unmöglich zu verreisen und Urlaub zu machen. Die Umsatzeinbrüche machten sich heftig bemerkbar. Bei der zweiten nationalen Luftfahrkonferenz in Berlin am Flughafen Berlin-Brandenburg BER war das ein wichtiges Thema. Es ging vor allem auch darum, was die Luftfahrtbranche tun kann, um die Auswirkungen zu bewältigen und darüber hinaus soll der Luftverkehr künftig deutlich umweltfreundlicher werden, was natürlich auch Auswirkungen auf das derzeitige Flugangebot vom Bremer Flughafen hat. Es kann im Laufe der Zeit davon ausgegangen werden, dass insbesondere Inlandsflüge deutlich weniger angeboten werden.

Es geht wieder – von Bremen in den Post-Pandemie-Urlaub

Seit wenigen Monaten ist es wieder möglich – unter strengen Auflagen – mit dem Flieger Richtung Urlaub zu starten. Die Fluggastzahlen steigen langsam wieder, der Luftverkehr zieht an. Das hat natürlich direkt höhere Einnahmen zur Folge. Allerdings hieß es auf der Luftfahrtkonferenz, dass die steigenden Einnahmen noch nicht ausreichen, um alle Kosten im laufenden Jahr abzudecken. Doch die finanzielle Situation wird etwas entlastet.

Analog zum steigenden Flugaufkommen fahren die Betreiber des Flughafens auch den Flughafenbetrieb hoch. Die Kapazitäten dafür sind da, zumal nicht alle Fluggesellschaften am gleichen Tag mit ihren Aktivitäten loslegen. Ganz außer Betrieb war der Flughafen Bremen während der ganzen Zeit nicht. Ambulanz-, Fracht- und Rettungsflüge fanden auch während der pandemiebedingten Auszeit statt und mussten abgefertigt werden.

Wohin geht es jetzt von Bremen aus?

Von Bremen aus können Reisende vielfältige Urlaubsziele ansteuern. Beispielsweise fliegt Turkish Airlines wieder täglich nach Istanbul. Paris und Zürich sollen auch recht bald wieder auf dem Flugplan stehen. Insgesamt sind im Sommerflugplan 26 Ziele vorgesehen. Voyage Air fliegt nach Sofia. Ryanair steuert Chania und Zadar an und mit Corendon Airlines geht es auf nach Ankara. Eurowings fliegt in die Hauptstadt des Kosovo nach Pristina. Da viele Airlines ihre Flotten reduziert haben, können sich Flugpläne kurzfristig ändern.

Für die Piloten ist es nach einer so langen Pause besonders schwierig, wieder in ihren sehr anspruchsvollen Job zurückzukehren.

Flughafen rechnet mit 800.000 Passagieren für 2021

Niemand weiß, wie sich die Pandemie weiterentwickeln wird, wann das Ende erreicht ist. Deshalb sind Vorhersagen sehr schwierig. EU-weit gültige einheitliche Reisebestimmungen, der Fortschritt der Impfungen, der digitale Impfpass und Quarantäneregeln beeinflussen die Zukunft des Bremer Flughafens. Der Flughafen rechnet dennoch mit 800.000 Passagieren für 2021. Im Vor-Pandemie-Jahr 2019 waren es knapp 2,5 Millionen Passagiere. Der Bremer Flughafen war und ist während der Pandemie systemrelevant und erhält demzufolge Bundeshilfen. Er besteht schon seit mehr als 100 Jahren und bietet über 7.000 Arbeitsplätze, ohne die indirekten Arbeitsplätze mitzurechnen.

Angebot an Urlaubsflügen steigt

Der Luftverkehr nimmt so langsam wieder Fahrt auf. Die Lufthansa hat beispielsweise für September geplant, wieder alle Flugziele anzubieten, neue Ziele sollen hinzukommen. Doch auf einigen Strecken wird die Frequenz deutlich reduziert sein. Alle Airlines versprechen sich von den gelockerten Corona-Einschränkungen, dass das Geschäft wieder anläuft, die Menschen wieder mehr Flüge nutzen, um an ihre Ziele zu gelangen. Eurowings will beispielsweise bis Anfang September seinen Flugverkehr so weit steigern, dass 80 Maschinen in der Luft sind. Das Hauptziel bleibt dabei die Ferieninsel Mallorca. Geplant sind 300 Flüge pro Woche für diese beliebte Feriendestination. Auch Ryanair hat große Pläne für 2021 und will seinen Flugverkehr bis September von derzeit 50 Prozent auf 80 Prozent ausweiten. Im Sommerflugplan sind 250 Flugverbindungen vorgesehen. Zu den 24 neuen Zielen gehören unter anderen Bari, Mykonos, Korfu, Agadir, Lissabon und Zagreb. Doch nicht alle Fluggesellschaften kehren zum Normalbetrieb zurück. Einige mussten schon längst Insolvenz anmelden.

Können Piloten einrosten?

Die Zwangspause in der Luftfahrtbranche, insbesondere für die Piloten, dauerte über ein Jahr. Weltweit sind in dieser Zeit wesentlich weniger Flüge gestartet. Langsam normalisiert sich der Luftverkehr wieder. Doch damit gehen ganz neue Risiken einher. Eine der potenziellen Gefahrenquellen sind die Piloten. Eine andere Gefahrenquelle liegt in den Flugzeugen selbst, die lange gestanden sind. Hier können beispielsweise Vogelnester in den Triebwerken zu großen Problemen führen. Die Piloten stellen deshalb eine Gefahr dar, weil sie nach so langer Zeit außer Übung sind. Ein weiteres Problem sind wütende Passagiere, die sich weigern ihre Maske zu tragen.

Die Bedenken in Bezug auf die Piloten beschränken sich allerdings in erster Linie auf die kleineren Fluggesellschaften, auf Unternehmen der „General Aviation“, die Geschäftsleute in kleinen Maschinen an ihre Ziele bringen oder Touristenrundflüge anbieten. Im englischen Sprachraum ist dabei die Rede von „rusty pilots“, den eingerosteten Piloten, die in den vergangenen anderthalb Jahren etwas aus der Übung gekommen sind. Einen Beruf wie den des Piloten so lange Zeit nicht auszuüben, wirkt sich natürlich aus. Mangelnde Praxis kann hier tatsächlich zum Sicherheitsrisiko werden.

Die Maschinen selbst sind ebenfalls ein potenzielles Sicherheitsrisiko. In den USA haben sich beispielsweise Insekten in den lange stehenden Maschinen angesiedelt. Aus Deutschland ist Derartiges nicht bekannt.

Deutlich höhere Zahl an Zwischenfällen mit Passagieren

Die Maskenpflicht hat in den USA schon zu einigen Zwischenfällen in Flugzeugen geführt. Foto: Pixabay

In der kommerziellen Luftfahrt können auch die Passagiere zu einem Sicherheitsrisiko werden, sowohl für den Piloten wie für das Flugzeug selbst. In den USA ist es laut Federal Aviation Association zu mehr als 3.100 Zwischenfällen seit Jahresanfang mit Passagieren und der sogenannten „air rage“ gekommen. Die Luftwut hat dazu geführt, dass es zu Übergriffen von Passagieren gegen das Kabinenpersonal und auch gegenüber Mitreisenden gekommen ist. Die Übergriffe gehen von Beleidigungen über Bedrohungen bis hin zu körperlichen Angriffen. In Vor-Pandemie-Zeiten waren es etwa 150 solcher Übergriffe innerhalb eines Jahres. Die meisten, die heute außer Kontrolle geraten, sind Maskenverweigerer.

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