Grünen-Politikerin Claudia Müller ist neue Koordinatorin der Bundesregierung für maritime Wirtschaft.Foto: Arne Jeschal
Interview

Schiffe in Deutschland recyceln

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Was die neue Maritim-Koordinatorin der Bundesregierung Claudia Müller plant.

Weser Report: Frau Müller, ausgerechnet die beiden größten Seehäfen der Exportnation Deutschland, Bremerhaven und Hamburg, entwickeln sich schlechter als die Konkurrenten Rotterdam und Antwerpen. Was kann die Bundespolitik da tun?

Claudia Müller: Wir dürfen nicht nur auf die deutschen Seehäfen gucken, sondern auf die europäischen. Wichtig ist, dass für alle europäischen Häfen die gleichen Regeln gelten, um Wettbewerbsgleichheit herzustellen. Und wir müssen schauen, wie wir die Häfen auch in Zukunft wettbewerbsfähig halten können. Durch die Umstellung der Schiffe auf emissionsärmere Antriebsstoffe brauchen wir auch in den Häfen eine andere Infrastruktur. Das ist natürlich vor allem eine Aufgabe der Hafenbetreiber. Aber wir können sie darin unterstützen.

Der neue Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will eine engere Zusammenarbeit der deutschen Häfen fördern. Wie kann die aussehen?

In der Vergangenheit haben wir erlebt, dass das Wachstum des einen deutschen Hafens zulasten des Nachbarhafens ging. Das hilft uns gesamtwirtschaftlich gesehen nicht weiter. Wir müssen uns fragen, wie in Zukunft die Warenströme gerade für die Exportnation Deutschland gesteuert werden. Ich habe da nicht nur die Nordseehäfen im Blick. Auch in Mecklenburg-Vorpommern haben wir Häfen. Deshalb brauchen wir eine Gesamthafenstrategie.

Mit welchen Eckpunkten?

Es wird eher um Kooperationen gehen als über Unternehmenszusammenschlüsse. Ich halte auch nichts davon, den Reedern vorzuschreiben, wo sie ihre Schiffe anlanden sollen.

Wann kommt die angekündigte nationale Hafenstrategie?

Mit der Erarbeitung wird die Bundesregierung unter Federführung des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr jetzt beginnen. Das soll kein Schnellschuss sein. Denn Hafenpolitik ist schwierig, weil wir unterschiedliche Akteure haben. Manche Häfen gehören dem Land, andere der Kommune und einige privaten Betreibern. Wir müssen alle Beteiligte an einen Tisch holen und die Stärken und Schwächen der einzelnen Standorte herausarbeiten, so dass wir Standortvorteile für die deutschen Häfen insgesamt schaffen.

Die Häfen stehen auch vor neuen Aufgaben: etwa für den Offshore-Bereich und für den Import von Wasserstoff.

Darin steckt ein großes Potenzial. Häfen werden nicht länger nur Umschlagplätze für Wirtschaftsgüter sein, sondern Energie-Hubs. Die Frage ist auch, wo Wasserstoff aus Offshore-Energie produziert wird. Das kann für Häfen eine interessante Aufgabe sein.

Und der Bund fördert das?

Es gibt schon Förderprogramme und es wird auch künftig welche geben. Wichtig ist, dass die Planungen verbindlich sind. Bisher haben wir erlebt, dass Investitionen nicht getätigt wurden aus Angst, auf das falsche Pferd zu setzen.

Der Verband Deutscher Reeder lehnt einen deutschen oder europäischen Alleingang bei der klimaneutralen Umstellung der Schiffe ab.

Die Weltschifffahrtsorganisation IMO hat das Ziel gesetzt, die Emissionen in der Schifffahrt bis 2050 zu halbieren. Es gibt aber keine Vorgabe, auf welche Antriebsstoffe dann gesetzt wird. Hier müssen wir auf europäischer Ebene schnell zu einer Einigung kommen. Es sind auch nicht nur Neubauten davon betroffen, sondern bestehende Flotten müssen umgerüstet werden. Auch dafür brauchen wir die Werften.

Von den knapp 2.000 deutschen Handelsschiffen fahren nur knapp 300 unter deutscher Flagge. Wollen Sie das ändern?

Wir wünschen uns, dass mehr Schiffe unter deutscher Flagge fahren und damit auch in Deutschland steuerpflichtig sind. Wir müssen aber in erster Linie europäisch denken. Wichtig ist, dass sich die Bedingungen an Bord an europäischen Standards orientieren. Finanziell ist die deutsche Flagge wettbewerbsfähig.

Viele Werften stecken in der Krise: Lohnt Schiffbau in Deutschland noch?

Ich glaube fest an die Zukunft des Schiffbaus in Deutschland. Wir brauchen zum Beispiel Wartungsschiffe für den Offshore-Bereich, wir brauchen Offshore-Plattformen, und die Umrüstung und Modernisierung der Schiffe ist ein großes Thema. Ein noch größeres Thema wird das Recyceln von Schiffe werden, vor allem auch im Hinblick auf die sparsame Verwendung von Rohstoffen.

Das Schicksal der Werften in Rostock, Stralsund. Wismar und das der Lloyd-Werft in Bremerhaven hängt an dem asiatischen Konzern Genting, der von Deutschland Staatshilfe erwartet. Wie weit sind die Gespräche?

Das ist ein sehr schwieriges Feld. Der Bund hat Genting ein Angebot gemacht. Auf die Antwort warten wir noch. Es laufen aber Gespräche auf verschiedenen Ebenen.

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