Daheim in seiner als Halbling-Höhle gebauten Kulisse dreht Josua Ohlig Videos über sein Herzensprojekt für Youtube. Foto: Martina I. Meyer
Wie bei den Hobbits

Halblinge suchen ein Zuhause

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Tolkien-Fan Josua Ohlig will einen Mittelerde-Erlebnispark mit alten Handwerksberufen schaffen.

Eigentlich sind Halblinge alles andere als abenteuerlustig. Die kleinen friedvollen Geschöpfe erfreuen sich am liebsten an ihren prächtigen Blumengärten. Veränderungen, Neues – das ist was für andere. Aber dann ist da diese kleine Gruppe von Halblingen, die aus der Rolle fällt. Aufgeschlossen, durchaus für ein Abenteuer zu haben. Gemeinsam geht es gen Osten, wo irgendwann eine neue Siedlung entstehen soll.
Wie diese aussehen könnte und was es dort alles erleben gibt, das kann das Volk der Menschen hautnah mit verfolgen. Der Bookholzberger Josua Ohlig möchte mit historischen Handwerksmethoden ein Halbling-Dorf als Erlebnispark erschaffen. Fantasy-Fans werden längst erkannt haben, dass das Ganze sehr nach dem Mittelerde-Universum von Autor J.R.R. Tolkien mit seinen Hobbits klingt. „Ich bin großer Fan von ‚Der Herr der Ringe‘ und ‚Der Hobbit‘“, erzählt Ohlig. 2017 hatte er die ersten Ideen, zwei Jahre später ging es an die Planung. Als Mechatroniker für Kälte- und Klimatechnik liegt dem 31-Jährigen die handwerkliche Neigung bereits in den Händen. Bei der Entstehung von Halblingen soll es jedoch um jene alten Handwerksberufe gehen, die heute niemand mehr kennen dürfte. Die will Ohlig mit und in dem Dorf zur Schau stellen. Da gab es zum Beispiel den Pechmacher, der beim Bauen mit Pech abgedichtet hat. Oder den Fischbeinreißer, der die mannshohen Barten (Hornplatten) von Walen für die Kleidungsindustrie präparierte. „Ziel ist es, historische Handwerksberufe zu retten und wahren auf eine Art und Weise, die alle Altersgruppen anspricht“, sagt Ohlig, der für sein Herzensprojekt eine GmbH gegründet hat. Eingewoben wird das in eine Fantasy-Geschichte. Vor allem junge Menschen möchte Ohlig so an das Handwerk heranführen. Zugleich findet man mit Halblingen einen Ort vor, an dem man zur Ruhe kommen kann.

Altes Handwerk hautnah

Typisch sind die Höhlen in Erdhügeln, in denen die Halblinge leben und werkeln. Die eingerichteten Behausungen können Besucher auch betreten, den Bewohnern beim Arbeiten über die Schulter schauen, mit ihnen interagieren und sich das eine oder andere fertigen lassen. Halblingen dürfte man sich ähnlich vorstellen wie das Hobbingen-Filmset in Neuseeland. Das detailreiche Hobbit-Dorf aus den Kinofilmen, das ebenfalls besucht werden kann, bietet allerdings nur eine begehbare, nicht eingerichtete Höhle und auch kein geschäftiges Handwerken. Das soll in Halblingen anders sein. Zudem kann man dem Dorf bei der Entstehung zuschauen. Eine Art Vorbild-Projekt läuft im französischen Guédelon, wo 50 Handwerker mit Materialien und Methoden der damaligen Zeit eine Burg aus dem 13. Jahrhundert bauen. Und das seit 1997.
Auch Ohlig kann sich eine Entstehung, eine Weiterentwicklung, über Jahrzehnte vorstellen. Die Mindestgröße des benötigten Geländes beträgt 40 Hektar. Wo sich die Halblinge genau ansiedeln sollen – denkbar wäre hinunter bis nach Bayern – steht noch nicht fest. Sicher ist hingegen, dass Ohlig noch Unterstützung braucht. Abenteuerlustige Menschen, handwerksaffin, die am besten altes Handwerk selbst noch beherrschen. Es gibt aber viele Bereiche, in denen man sich einbringen kann. Und dann ist da natürlich die große Zahl, die über allem schwebt. Die kalkulierte Startfinanzierung liegt bei 700.000 Euro. Nachdem die Crowdfunding-Plattform Kickstarter nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte, befindet sich das Projekt Halblingen derzeit in der Neuausrichtung. Ohlig ist auf der Suche nach einem neuen Team, nach Unterstützern und Sponsoren, gerne auch regelmäßigen Spendern. Das große Ziel, wenn das Dorf einmal wächst: die offizielle Lizensierung durch die Rechteinhaber Middle-earth Enterprises. Dann würde Halblingen zum Mittelerde-Universum gehören. „Das wäre der Obertraum und könnte nochmal weitere Fangemeinschaften öffnen“, sagt Ohlig. Voraussetzung für eine Lizensierung ist etwa, dass das Unternehmen drei Jahre am Markt ist. Der 31-Jährige kann sich angesichts des Aufwands aber auch vorstellen, das Projekt in andere Hände zu geben. Es bleibt also abzuwarten, ob und wann sich die Halblinge irgendwo niederlassen.
Weitere Infos und Möglichkeiten zur Unterstützung gibt es auf halblingen.de.

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