Vera Janocha am Obst- und Gemüsestand in Seckenhausen in Stuhr glaubt, dass Seckenhausen zumindest mit Grundzutaten gut ausgestattet ist. Stadtteilspaziergang. Einkaufen Grundversorgung Moordeich Lebensmittel Kräuter, Obst, Gemüse aller Art, frische Eier und ein freundliches Lächeln: In Seckenhausen beschränkt sich das Angebot auf das Wesentliche. Foto: Drügemöller
Ortsteil-Spaziergang

Moordeich und Seckenhausen: Wo das Einfache zählt

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Der "Ortsteil-Bummel" führt nach Seckenhausen und Moordeich. Der Charakter der beiden gleich großen Ortsteile der Gemeinde Stuhr unterscheidet sich - doch in beiden findet man Einkaufserlebnisse wie vor siebzig Jahren.

Moordeich und Seckenhausen – beide Ortsteile Stuhrs haben rund 3.400 Einwohner, beide liegen in unmittelbarer Nähe zu größeren „Zentren“. Seckenhausen geht mit Brinkum eine so enge Verbindung ein, dass gelegentlich von BriSeck gesprochen wird.

Und Moordeich schmiegt sich untrennbar eng sowohl an Bremen als auch an Alt-Stuhr. Doch trotz dieser Gemeinsamkeiten gibt es große Unterschiede zwischen den Ortsteilen – vor allem, was die Versorgung mit dem angeht, was man alltäglich braucht.

„Shopping“ in Seckenhausen nur an der Hauptstraße

In Seckenhausen muss man gute Frisuren wohl lieben. In der Ortschaft gibt es alles genau einmal: ein Laden für Jalousien, eine Apotheke, ein Bäcker, ein Schlachter – aber gleich drei Friseure.

Der erste davon ist an diesem Freitagmorgen gut gefüllt: Auf jedem der fünf Stühle sitzen Kunden. „Abseits der Hauptstraße sind Sie verloren“, verrät mir die Friseurin für meinen weiteren Bummel. Die Hauptstraße also – das ist der Mittelpunkt dieser kleinen Ortschaft.

Supermärkte erst in Erichshof oder Brinkum

In der Gänse-Apotheke wissen die Apotheker bei den meisten Kunden gleich, was sie wollen. „90 Prozent sind Stammkunden“, so die Apothekerin. „Denn ohne Auto kommt man hier schlecht hin und schlecht weg – besonders für die jungen und alten Leute ein Problem.“

Ein Supermarkt fehlt ganz. Früher, so erzählt sie, habe es noch einen Schlecker gegeben. Heute müssten die Menschen für die meisten Einkäufe ins viel kleinere Erichshof fahren. Immerhin: Die Apotheke ist vor Ort, ein Arzt und ein Zahnarzt.

Einkaufen wie anno dazumal: Zurück zu den Grundzutaten

Ein paar Meter die Straße rauf ist Vera Janocha mit ihren Kunden am Gemüsestand per du. Sie sieht die Situation optimistischer: „Es gibt einen Bäcker, einen Metzger und uns direkt an diesem Platz – für die alten Leute ist das ganz toll“, sagt sie. Auch eine Molkerei für Käse- und Milchprodukte sei vor Ort.

Wer in Seckenhausen lebt, der muss bei Großeinkäufen auf Vorrat kaufen – und ansonsten kreativ werden und wieder lernen, aus frischen Grundzutaten zu kochen. Fleisch und Wurstwaren, Obst und Gemüse, Brot und Kuchen vom Bäcker – was braucht man mehr?

Die Läden, die es gibt, sind gut besucht. Vor allem die Metzgerei fällt auf: Neun Kunden stehen dort in der Schlange, sechs Mitarbeiter wuseln vor und hinter den Kulissen herum, die Wurstschneidemaschine läuft im Dauermodus.

Fürs Autohaus ist der Standort Seckenhausen gut

Neben dem Mini-Zentrum aus drei Geschäften des Alltagsbedarfs steht das Autohaus Burghardt. Es verkauft Gebraucht-, Neuwagen, und reduzierte Tageszulassungen von VW, Audi und Skoda. „Wir sind schon 35 Jahre an diesem Standort – und der ist richtig gut für uns“, sagt Geschäftsführer Andreas Müller.

Schließlich gehe es für ein Autohaus weniger um Lauf-, als um Fahrkundschaft. „20.000 Autos fahren hier jeden Tag vorbei, auf dem Weg zwischen Diep­holz und Bremen oder der Autobahn.“

Moordeich – Ortschaft mit Vorstadtatmosphäre

Moordeich ist mit gut 2.400 Einwohnern genau so groß wie Seckenhausen – doch hat die Ortschaft einen anderen Charakter. In Moordeich, so beschreibt es die Gemeinde auf ihrer Internetseite, spüre man geradezu Vorstadtatmosphäre.

Das kann man so sehen – in den Straßen stehen schnuckelige Einfamilien- und Reihenhäuser mit Garten. Am Ende der Moordeicher Landstraße schließt die Ortschaft mit einem kleinen Gewerbegebiet ab – was nicht heißt, dass die Stuhrer dort nur zum Arbeiten hingehen.

Bei Holzwelt Graf können sich Kunden Gartenschuppen oder Parkett aussuchen, in der Tischlerei Pape kann man sich individuelle Küchen oder Büros bauen lassen, und sogar Wasserbetten gibt es am Rande Moordeichs zu kaufen. Am meisten Vorstadt-Charakter verleiht sicher der fließende Übergang nach Bremen-Huchting, in die Kirchhuchtinger Landstraße.

Von Brötchen bis zur Torte: „Hier wird alles selbst gebacken“

Gemütlich und angenehm altmodisch geht es in der Bäckerei Helmers in Moordeich zu. Stadtteilspaziergang

Gemütlich und angenehm altmodisch geht es in der Bäckerei Helmers zu

Doch andererseits: Alte Bauernhöfe und weite Maisfelder kommen in Vorstädten schon seltener vor. Und welche Vorstadt hat einen Bäcker wie die Konditorei Helmers?

Dort wird seit 81 Jahren alles selbst gebacken – „von Keks und Brötchen bis zur Hochzeitstorte für türkische Hochzeiten“, sagt Bäckerin Linda Helmers, „unsere Lehrlinge finden das schön.“ „Jeder muss alles können“, ergänzt ihre Tochter Beate Brandt.

Und alles – das bedeutet in der Bäckerei eine Menge. Denn es werden nicht nur traditionelle Backwaren sowie eigenes Eis hergestellt und verkauft; es gibt auch einen kleinen Tante-Emma-Laden für den täglichen Bedarf, der geführt werden muss. Und an den angenehm altmodischen Tischen werden schon morgens früh ab halb sechs die Gäste bedient.

Angebot in Moordeich recht vielfältig – von wegen Vorstadt!

Vor fast einem Jahr hat in der Ortschaft noch ein weiterer Bäcker und ein Schlachter eröffnet – wie in Seckenhausen sind auch hier diese Geschäfte für Grundnahrungsmittel gut besucht.

Zudem gibt es einen Hof mit Eiern und eigenem Honig, einen Supermarkt an der Grenze zu Bremen, eine Pizzeria, das Gasthaus Nobel, vieles weitere, das in diesem Text keinen Platz findet – und natürlich auch hier: Friseure.

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