Beim Beirat Neustadt sorgt die Nachricht aus der Baubehörde für Frust. „Wir können nur unserer Enttäuschung Ausdruck verleihen“, sagt Ingo Mose (Grüne), stellvertretender Sprecher. Mit mehreren Argumenten, die ihrer Meinung nach gegen die Zulässigkeit eines Eros-Centers an der Duckwitzstraße 69 sprechen, hatten sich die Stadtteilpolitiker an die Verwaltung gebracht.
Die Nähe zu Kita und Grundschule, privater Bebauung und auch benachbarten Geschäftsleuten sei problematisch. „Jetzt hat die Behörde festgestellt, dass sie bei ihrer ursprünglichen Einschätzung bleiben muss“, sagt Mose.
Beirat kann Bordell nicht verhindern
Für den Beirat heißt das: Seine politischen Einflussnahmemöglichkeiten sind ausgeschöpft. „Jetzt können nur noch betroffene Anwohner den Klageweg beschreiten“, sagt Mose. Kontakt zu ihnen hat er nicht, deshalb weiß Mose auch nicht, ob von dieser Seite mit Widerstand zu rechnen ist.
Der Grünen-Politiker ärgert sich über die Argumentation der Baubehörde. „Was mich besonders interessiert ist, warum das Baurecht nicht geändert wird, wenn der Sprecher des Bauressorts doch sagt, dass man die Situation nach neuerem Baurecht wohl anders beurteilen würde. Da ist uns die Behörde eine saubere Antwort schuldig geblieben“, kritisiert er.
Bebauungsplan kann nicht rückwirkend geändert werden
Die Antwort gibt Jens Tittmann, Sprecher des Bausenators: „Sobald ein Bauantrag vorliegt, gilt der Bebauungsplan, der in diesem Moment gültig ist“, erklärt er. Eine nachträgliche Änderung hätte also auf das bereits beantragte Eros-Center keinen Einfluss. Es würde Bestandsschutz gelten. „Ein geänderter Bebauungsplan könne höchstens vielleicht eine spätere Erweiterung verhindern“, so Tittmann.
Neben dem Beirat Neustadt hatte auch die Feuerwehr Einwendungen vorgebracht. Die Brandschutzsaspekte, die jetzt noch nachgebessert werden müssen, werden zurzeit von der Verwaltung in den Bauantrag eingearbeitet.
„Baurecht hat keine moralische Komponente“
Voraussichtlich im Februar soll die Genehmigung dann tatsächlich erteilt werden. Tittmann wehrt sich gegen den Eindruck, die Baubehörde habe das Bordell am Rande der Neustadt durchgesetzt. „Wir können nicht anders entscheiden“, sagt der Behördensprecher. Die Verwaltung müsse nun einmal nach dem geltenden Gesetz handeln. „Und das Baurecht enthält nun einmal keine moralische Komponente.“
Von den geplanten Plänen für ein Eros-Center mit 24 Zimmern auf zwei Etagen, in denen sexuelle Dienstleistungen angeboten werden, ist Pastor Jürgen Hamelmann von der Grollander St.-Lukas-Gemeinde überrascht.
EDU-Centerleiter will sich nicht äußern
„Das ist keine unbedingt erfreuliche Nachricht“, sagt er und sorgt sich vornehmlich um die Prostituierten, die in dem neuen Etablissement arbeiten werden. Die Nähe zur Gemeinde bewertet er als „schon problematisch“.
Nicht weit entfernt befindet sich auch das im vergangenen Jahr aufwändig sanierte Einkaufszentrum EDU. Centerleiter Paul Michael will zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch keine Stellungnahme zum geplanten Bordell abgeben. Auch, ob das Zentrum rechtliche Schritte prüft, sagt er nicht.