Sozialunternehmer: Wenn Gründer Gutes tun -
Wollen soziales Unternehmertum in Deutschland fördern: Die Hilfswerft-Gründer Nils Dreyer, Sönke Burkert und Carsten Lessmann (v.l.). Foto: WFB/Yann Raveling
Social Entrepreneur

Sozialunternehmer: Wenn Gründer Gutes tun

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Unternehmerisches Denken und sozialer Mehrwert – was für manche wie ein Widerspruch klingen mag, ist für sogenannte Social Entrepeneurs ein Unternehmensmodell. Auch die Hilfswerft aus Bremen unterstützt Unternehmen.

Von Insa Lohmann

Ob Umweltschutz, Bildung oder Entwicklungshilfe: Für Sozialunternehmer steht nicht der Profit im Fokus, sondern der Mehrwert für die Gesellschaft. „Geld verdienen und gleichzeitig Gutes tun“, so beschreibt es Nils Dreyer gerne. Der BWLer hat gemeinsam mit Sönke Burkert und Carsten Lessmann vor drei Jahren die Hilfswerft in Bremen gegründet.

Die gemeinnützige GmbH will soziales Engagement in Form von Unternehmertum fördern und vernetzt Gründer, Start-ups, Firmen und Studierende miteinander. Dafür wurde sie bereits vom UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgezeichnet.

Studierende sensibilisieren 

Ginge es nach den Hilfswerft-Initiatoren, stünde bereits heute das Thema soziales Unternehmertum auf dem Lehrplan an allen deutschen Universitäten. „Bildung ist für mich der größte Hebel, um Veränderungen zu bewirken“, ist Dreyer überzeugt.

Um Studierende schon frühzeitig für Social Entrepeneurship zu sensibilisieren, veranstalten die Gründer aus Bremen etwa einmal im Monat ein dreitägiges Camp an den Unis. Dort zeigt das Team der Hilfswerft gemeinsam mit Referenten aus sozialen und konventionellen Unternehmen, wie gesellschaftliche Probleme unternehmerisch angegangen werden können.

„Die größten gesellschaftlichen Probleme sind nämlich gleichzeitig die größten Märkte für Sozialunternehmer“, sagt Dreyer. Neben den Social Entrepreneuship Camps organisiert das Team der Hilfswerft Konferenzen und Stammtische, wo Interessierte neue Ideen vorstellen und diskutieren können.

Auch die Beratung von Unternehmen, die ihre Geschäftsmodelle verändern oder Gewinne für das Gemeinwohl investieren wollen, gehört zum Alltag der gemeinnützigen Hilfswerft.

In Bremen noch klein

Die europäische Kommission hat ermittelt, dass es sich bei jeder vierten Unternehmensgründung in Europa um ein Sozialunternehmen handelt. Auch in Bremen wächst die Zahl junger Unternehmer, die sozial verantwortlich wirtschaften wollen – so wie das Start-up Yummy Organics, das fair gehandelte Gewürze aus Sri Lanka vertreibt.

„Gemessen an der Größe der Stadt und ihren gesellschaftlichen Herausforderungen, ist die Social Entrepreneurship-Szene in Bremen allerdings noch verhältnismäßig klein“, sagt Fabian Oestreicher von der Hilfswerft.

Politik muss Zeichen geben

Neben der Hilfswerft versuchen in der Hansestadt weitere Akteure, das Thema voranzutreiben. So beschäftigen sich aktuell auch die Logistiklotsen mit Social Entrepreneurship im Transportbereich.

Für Oestreicher eine positive Entwicklung – „dennoch brauchen Social Entrepreneure gerade aus der Politik heraus ein deutlicheres Zeichen, dass dieses Konzept als wichtige Ergänzung zu bisherigen Maßnahmen wahrgenommen wird.“

Der nächste Social Entrepeneur-Stammtisch findet am 20. Februar um 18 Uhr im Karton (Am Deich 86) statt.

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