Marlon Escobar Saupe (2. v. r.) möchte mit sechs anderen Studierenden das Prinzip "Dating-App" revolutionieren. Foto: pv
Kennenlernen

Bremer entwickeln Dating-App: Hören statt sehen

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„Immer wird bei einer Dating-App zuerst das Bild angezeigt“, kritisiert Marlon Escobar Saupe. Zusammen mit sechs weiteren Studenten hat er daher eine neue App entwickelt. Die Idee: Die Stimme in den Vordergrund stellen.

Von Insa Lohmann

Dank des Smartphones ist es inzwischen völlig normal, sich online auf die Suche nach dem Traumpartner zu machen. Und so erfreuen sich Dating-Apps immer größerer Beliebtheit. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Bedienung ist simpel, die Auswahl potenzieller Dating-Partner riesig und die Aussicht darauf, unkompliziert neue Bekanntschaften zu knüpfen, für viele reizvoll.

Doch wer selbst schon mal auf Tinder, Lovoo & Co. unterwegs war, merkt schnell: Hier zählt vor allem das Äußere. Sieben Studierende aus Bremen haben nun eine Dating-App entwickelt, bei der nicht das perfekt bearbeitete Foto, sondern die Stimme des jeweils anderen im Vordergrund steht.

Es braucht etwas Mut

„Immer wird bei einer Dating-App zuerst das Bild angezeigt“, kritisiert Marlon Escobar Saupe, der im vierten Semester Digitale Medien an der Hochschule für Künste (HfK) studiert. „Man sollte die Stimme aber nicht unterschätzen, denn die sagt noch viel mehr aus.“

Gemeinsam mit sechs weiteren Studierenden möchte er die App Nanda auf den Markt bringen. Die Idee dahinter: Statt eines Bildes erhält man zunächst Sprachnachrichten des potenziellen Datingpartners. Zum Aufnehmen der Sprachnachrichten gehöre natürlich etwas Mut, gibt der HfK-Student zu.

Auch für Freundschaften geeignet

Erst in einem späteren Schritt bekommen die Nutzer schließlich auch Bilder des anderen zu sehen. „Bei uns steht die Persönlichkeit im Vordergrund. Aber man muss natürlich nicht Wochen oder Monate investieren, bis man die Person sieht“, sagt der 21-Jährige, der selbst schon Dating-Apps ausprobiert hat und die Oberflächlichkeit der bestehenden Angebote kritisiert.

Das gehe nicht nur ihm so: „Viele Leute haben ein Interesse an alternativen Möglichkeiten des Kennenlernens.“ Zwar stehe das Dating im Fokus, sagt Marlon Escobar Saupe, aber auch Freundschaften können über die App geschlossen werden.

„Nachfrage war sehr gut“

Wie sich die Stimme des Menschen auf Beziehungen und Verlieben auswirkt, untersuchte Marlon Escobar Saupe bereits im Rahmen eines Studienkurses an der Hochschule für Künste. Das Thema reizte ihn und der gebürtige Braunschweiger entwickelte einen ersten Prototyp der App, die er auf den Hochschultagen vorstellte.

„Die Resonanz und Nachfrage war sehr gut“, berichtet der Student. Er setzte sich mit Martin Holi vom Lehrstuhl für Mittelstand, Existenzgründung und Entrepreneurship an der Uni Bremen zusammen, der sich mit Forschungsprojekten im Bereich Unternehmensgründungen beschäftigt.

Geplanter Start im App-Store: Ende des Jahres

Holi war angetan von der Idee des 21-Jährigen und fand weitere Studierende aus dem Studiengang Betriebswirtschaftslehre, die an der Entwicklung der App mitwirken wollten. Die Initiatoren planen zunächst eine kostenlose Version, die zu einem späteren Zeitpunkt auch als Premium-App erhältlich sein soll.

„Irgendwie müssen wir natürlich auch Geld generieren, um die App am Laufen zu halten“, sagt Saupe. Bis Ende des Jahres soll das Dating-Angebot der Studenten im App-Store zu finden sein.

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