„Wären wir ohne Neopren-Anzug geschwommen, hätte ich den Holländer aber abgezockt“, sagte Wellbrock nach dem Final-Rennen ( 4 x 1,25 Kilometer-Mixed-Staffel) am vergangenen Samstag. Foto: pv
Haus des Athleten

Bremer Schwimmtalent: Sporterfolg „made in Bremen“

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Florian Wellbrock gilt als neuer Schwimm-Shootingstar, holte bei der diesjährigen Europameisterschaft unter anderem Gold. Einer seiner Mentoren aus Bremer Zeiten sagt, was es für Sporterfolge "made in Bremen" braucht.

Für Herzschlagfinals ist Florian Wellbrock offensichtlich prädestiniert. Bei der Schwimm-Europameisterschaft in Schottland musste sich der Bremer am vergangenen Samstag mit der deutschen 4 x 1,25 Kilometer-Mixed-Staffel erst mit dem letzten Armzug dem Niederländer Ferry Weertman geschlagen geben.

So platzte zwar Wellbrocks Traum vom zweiten EM-Titel, mit einmal Gold (über 1.500 Meter), einmal Silber und einmal Bronze (800 Meter) hat der 20-Jährige aber nun seinen ganz persönlichen Medaillensatz komplett.

In den Startlisten mehr Magdeburger als Bremer 

„Phänomenal“, so Harald Wolf, von der sportbetonten Oberschule Ronzelenstraße, der Wellbrock ab der fünften Klasse bis 2014 als Lehrer und Koordinator Leistungssport unter seinen Fittichen hatte. Dass „Flo“ das Potenzial hatte, es als Schwimmer einmal ganz weit zu bringen, das war Wolf schon früh klar. Deswegen befürwortete er auch den Wechsel des damals 16-Jährigen ins Schwimmsport-Internat nach Magdeburg.

Zum einen weil dort mit Bernd Berkhahn einer der renommiertesten deutschen Schwimmtrainer arbeitet – zum anderen, weil Wellbrock dort auch adäquate Trainingspartner garantiert waren, die ihm im heimischen Unibad schlichtweg fehlten. Und so taucht der Shootingstar von der Weser inzwischen in den Startlisten doch eher als Magdeburger, denn als Bremer auf.

Blut an der Ronzelenstraße geleckt

Wie groß der Bremer Anteil an Wellbrocks Edelmetall-Sammlung ist, da will Wolf nicht zu dick auftragen, aber auch keinesfalls untertreiben. „All das, was Florian im Schwimmsport als Basis mitbekommen hat, ist in Bremen gelegt worden“, so Wolf.

Angefangen bei Wellbrocks Entdecker Kay Schulze, den Vereinstrainern von TSV Osterholz/Tenever und SSG Bremen/Bremerhaven genauso wie durch die Förderung an der Ronzelenstraße, wo Florian Blut geleckt habe. Hinzu komme „der Wille es zu machen und die Fähigkeit es auch umzusetzen“.

Talente an die Weser locken

Bei Florian habe es eigentlich keine Alternative zu einem Wechsel in eines der großen Schwimmzentren gegeben. Dass in Zukunft aber auch Sporterfolge zu 100 Prozent made in Bremen bewerkstelligt werden können – zudem sogar Talente und ambitionierte Schüler aus dem Rest der Republik an die Weser gelockt werden können, davon ist Wolf überzeugt.

Konkret zwei Dinge seien dafür aber absolut notwendig: Der Status Eliteschule des Sports müsse her, was an der Schule Ronzelenstraße relativ schnell umzusetzen wäre. Woran es derzeit jedoch noch hakt, ist die Schaffung eines sogenannten Haus des Athleten – einer Internats-Unterkunft für etwa 20 Sportlerinnen und Sportler, deren Sport- und Schulkarriere so optimal verzahnt werden könnte.

Durch den doppelten Aufstieg der Hockey-Damen von BHC und CzV in die 1. und 2. Bundesliga, die Hastedter Handballer in der A-Jugend-Bundesliga, oder etwa die Erfolge der Grün-Gold-Tänzer sei das Interesse von Sporttalenten an einem Wechsel nach Bremen derzeit so groß wie nie.

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