Die Pädagogikexpertin Ilse Wehrmann hilft beim Aufbau von Kitas. In der Hansestadt haben Jungunternehmer eine Kita eingerichtet. Jetzt planen sie eine Expansion. Foto: Wehrmann Die Pädagogikexpertin Ilse Wehrmann hilft beim Aufbau von Kitas. In der Hansestadt haben Jungunternehmer eine Kita eingerichtet. Jetzt planen sie eine Expansion. Foto: Wehrmann
Kinderbetreuung

Warum Unternehmen in Bremen auf eigene Kitas setzen

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Bremer Eltern suchen häufig vergeblich nach einem Kitaplatz. Nun werden Unternehmen und Manager aktiv und sorgen selbst für Kitaplätze: Die Geschichte der Kita "Walljunioren".

Von Insa Lohmann

Ein Kitaplatz in der Wunsch-Einrichtung – darauf hoffen viele Bremer Eltern. Mitunter vergeblich. Sie haben zwar einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, finden aber trotzdem keinen. Damit wollen sich Bremer Unternehmer nicht länger abfinden. Auf Initiative der Wirtschaftsjunioren, einem Verbund von jungen Unternehmern und Top-Managern, entstand im vergangenen Herbst schon die öffentliche Kita „Walljunioren“. Nun ist eine Erweiterung geplant.

„Wir fanden, dass es einfach viel zu wenig Kita-Plätze gibt“, sagt Sebastian Schmitt von den Wirtschaftsjunioren. Der Ärger über die mangelnde Betreuung in Bremen motivierte Schmitt und seine Kollegen aus der Wirtschaft schließlich, eine Kita einzurichten, die flexible Öffnungszeiten anbietet. Eltern, die in der Stadt arbeiten, können ihre Kinder von sieben bis 18 Uhr in der Einrichtung am Wall abgeben.

Kita soll weiter wachsen

Nach einer langen Planung und der Suche nach einem geeigneten Standort wurden die Junioren am Wall fündig. Rückendeckung erhielten sie von Bildungssenatorin Claudia Bogedan. Über eine Million Euro investierte die Stadt in den Umbau der Immobilie zur Kita. Dort werden derzeit 40 Kinder betreut, nun soll ein zweites Haus folgen. Damit können dann insgesamt 100 Kinder zur Kita am Wall gehen, wo in Kürze auch ein neuer Spielplatz entstehen soll.

Die Nachfrage nach Betreuungsangeboten in der Bremer Innenstadt ist groß. Aktuell stehen 150 Kinder auf der Warteliste der „Walljunioren“. Langfristig sei das Ziel, die Hälfte der Kitaplätze an ortsansässige Firmen abzugeben, sagt Schmitt. 300 Euro pro Platz müssten die Unternehmen bezahlen, die damit auch die langfristige Finanzierung der übrigen Plätze sichern sollen.

Die Familienfreundlichkeit der Unternehmen zahlt sich auch für sie langfristig aus. Für die Bremer Pädagogikexpertin Ilse Wehrmann sind Angebote wie betriebliche Kinderbetreuung aus wirtschaftlicher Sicht vor allem ein Wettbewerbsvorteil. „Überall müssen Unternehmen um Fachkräfte kämpfen“, sagt Wehrmann, die seit 2007 Unternehmen und Träger beim Aufbau von Kindertagesstätten begleitet.

Daimler-Konzern betreibt eigene Betriebskita

„Über eine gute Kinderbetreuung können sie Mitarbeiter nicht nur gewinnen, sondern auch halten.“ Die ehemalige Geschäftsführerin der evangelischen Kindertagesstätten wünscht sich mehr Angebote, bei denen Eltern wählen können, ob ihre Jüngsten nah am Wohnort oder nah am Arbeitzsplatz betreut werden sollen.

Der Daimler-Konzern gilt hier als Vorreiter. Er betreibt schon seit 2007 mit den „Sternchen“ eine eigene Betriebskita. In Bremen betreut sie rund 30 Kinder, deutschlandweit stellt das Unternehmen rund 900 Betreuungsplätze zur Verfügung.

Die Beiträge der Eltern richten sich nach dem Familieneinkommen und den Betreuungszeiten, die in Anspruch genommen werden. Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sei für den Automobilhersteller ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskultur, sagt Daimler-Sprecher Heiko Pappenberger.

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