Wenn Karina Schönmeier durch die Luft fliegt, fühlt es sich für sie unbeschreiblich an. Am liebsten turnt sie deswegen am Barren. Fotos: Schlie
Karina Schönmeier

Ein außergewöhnliches Talent

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Olympia als Ziel: 15-jährige Turnerin Karina Schönmeier aus Huchting trainiert unter erschwerten Bedingungen

Karina Schönmeier trainiert in der alten Turnhalle des TuS Huchting. „Die Matten hier sind über 40 Jahre alt“, erzählt das 15-jährige Turntalent. Anfang Juni hat sie sich bei den deutschen Meisterschaften in Dortmund Platz drei im Sprung gesichert.

Die Halle, in der Karina übt und die sie liebevoll ihr Zuhause nennt, ist allerdings nicht ihrem Leistungsstand entsprechend: „Um gewisse Elemente zu üben, muss ich nach Buchholz fahren. Hier in Huchting ist keine Grube. Die brauche ich für höhere Elemente, um mich dort hineinfallen zu lassen“, erzählt die Turnerin. Deswegen hat sie eine Kooperation mit dem Verein Blau Weiss Buchholz, für den sie auch in der zweiten Bundesliga turnt und für den sie nun bei den deutschen Meisterschaften angetreten ist.

Karina Schönmeier mit ihrer Trainerin Katharina Kort, oben als Karina neun Jahre alt ist,unten mit 15 Jahren.

„Es ist etwas Besonderes, so ein Talent unter solchen Begebenheiten groß zu machen“, sagt Karinas Trainerin Katharina Kort. Zusammen mit Susanne Tidecks aus Buchholz fördert sie das junge Talent: „Sie hat schon mit fünf Jahren schneller als andere gelernt und die Übungen sauberer ausgeführt“, sagt Kort, die schon von Anfang an an Karinas Seite ist. Der WESER REPORT hat das Ausnahmetalent schon besucht, als sie erst neun Jahre alt war. Schon damals war für ihre Trainerin klar: „Sie ist ein Bewegungs-Talent. Wenn sie turnt, geht einem das Herz auf.“

Schule, Freunde und Training

Sechs Mal pro Woche trainiert Karina und muss dann noch Schule und Freunde unter einen Hut bekommen: „Es ist schwierig, die Schule leidet manchmal. Aber meine Freunde wissen, dass ich viel trainiere. Auf Geburtstage werde ich nur noch selten eingeladen, weil ich einfach keine Zeit habe.“

Karina hat sich bewusst entschieden, nicht auf ein Sportinternat oder eine Turnerschule zu gehen. „Da würde ich vielleicht schneller vorankommen, aber ich könnte meine Freunde und Familie noch weniger sehen.“ Ohne die nötige Leidenschaft würde es aber nicht funktionieren, betont Kort. Um Karina optimal zu fördern, wurde der ehemalige Chefbundestrainer Wolfgang Bohner engagiert. „Er trainiert mit Karina an ihrer Feinmotorik, aber auch dafür müssen sie nach Buchholz“, sagt Kort.

Neue Halle gebaut

Die Halle in Huchting soll abgerissen und an einem neuen Standort aufgebaut werden: „Die neue Halle muss eigentlich jetzt schon parallel gebaut werden. Ein Talent wie Karina kann nicht in einer Ersatzhalle trainieren“, sagt ihre Trainerin.
Karinas Lieblingsgerät ist der Barren: „Bei vielen Elementen fliegt man durch die Luft, das ist ein unbeschreibliches Gefühl“, sagt die Turnerin. Beim Wettbewerb bevorzuge sie aber den Sprung: „Der ist schnell vorbei.“ In dieser Disziplin gab es für sie bei der deutschen Meisterschaft auch die Medaille – obwohl sie eine der Jüngsten war. „Ich wollte, dass es perfekt ist und habe so gezittert, dass ich davon Muskelkater bekommen habe“, erzählt sie von ihrem ersten Erwachsenen-Wettbewerb.

Ehrgeizige Ziele

Karina ruht sich aber nicht auf ihrem Erfolg aus: Sie will nun neue, schwierigere Elemente lernen. „Ich möchte auch mit Buchholz in die erste Bundesliga aufsteigen.“ Dann sollen Europa- und Weltmeisterschaften folgen. Die zweite Olympia-Qualifikation dieses Jahr in Tokio hat Karina zurückgezogen. „Das wäre zu viel gewesen“, sagt Kort. Deswegen ist Karinas klares Ziel: Olympia 2024.

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