Die Juristin Sascha Karolin Aulepp ist seit 2016 Landesvorsitzende der Bremer SPD, der Bürgerschaft gehört sie seit 2015 an.Foto: Schlie Kindern, die keinen Kitaplatz bekommen konnten, will Bildungssenatorin Sascha Aulepp (SPD) andere Angebote vorschlagen.Foto: Schlie
Interview

Neues Institut vor Ostern

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Bildungssenatorin Sascha Aulepp spricht über die ersten 100 Tage und was für die nächsten Monate geplant ist.

Weser Report: Frau Aulepp, worüber haben Sie sich in Ihren ersten 100 Tagen als Senatorin für Kinder und Bildung am meisten geärgert?

Sascha Aulepp: Mit kam die Zeit deutlich kürzer vor, weil ich gerne viel mehr bewegt hätte. Aber die Bretter, die zu bohren sind, sind dicker, als man es sich wünscht.

Zum Amtsantritt haben Sie drei große Herausforderungen genannt: Kitas und Schulen ausbauen, coronabedingte Defizite aufholen und die Qualität der Bildung erhöhen. Wo sind Sie am weitesten gekommen?

Wir haben geschafft, dass keine Defizite mehr durch mangelnden Präsenzunterricht entstehen. Die Kinder sollen in den Kitas und Schulen sein, miteinander leben und lernen. Und die Lehrenden sollen gucken, was die Kinder brauchen. In den Sommerferien und auch jetzt in den Herbstferien haben wir Lernangebote gemacht; auch Angebote, die über das rein kognitive Wissen hinausgehen, wie Radfahren und Schwimmen. Schulen, die Kooperationspartner wie zum Beispiel Sportvereine haben, sollen sie mit einbinden.

Wie weit sind Sie mit dem Ausbau von Kitas? Schließlich hat jedes Kind zwischen einem Jahr und dem Beginn der Grundschule einen Rechtsanspruch auf eine Betreuung.

Ein Rechtsanspruch zaubert noch keine neuen Plätze herbei. Wir arbeiten mit Hochdruck an der Gewinnung von Fachkräften; wir müssen Träger finden, die Kitas bauen und betreiben wollen. Das ist ein langwieriges Geschäft. Aber wir müssen den Kindern, die noch keinen regulären Kitaplatz bekommen konnten, ein niedrigschwelliges Angebot machen und den Einstieg in eine Gruppensituation ermöglichen, dass sie gemeinsam Vormittage oder Nachmittage gestalten.

Wann kann Bremen jedem berechtigten Kind einen Kitaplatz anbieten?

Wir haben sehr viele Kitaplätze in Bremen neu geschaffen in den letzten Jahren. Aber das reicht leider noch nicht aus. Auf die Schulter klopfen hilft nicht, da liegt noch eine riesige Baustelle vor uns. Wir arbeiten mit Hochdruck, aber ich kann keinen Endpunkt festlegen. Das dauert, deswegen brauchen wir niederschwellige Angebote in den Quartieren. Wir müssen für die unversorgten Kinder jetzt Angebote machen.

Vom Schuljahr 2026/27 an hat jeder Schüler einen Anspruch auf einen Ganztagsplatz.

Ja, da beginnt das Recht auf einen Ganztagsplatz. Unser Ziel ist es, Ganztagsschulen flächendeckend hinzubekommen. Da sind wir dran. Aber bei der Frage, wie schnell Bauvorhaben abgeschlossen werden können, ist es so ähnlich wie vor Gericht und auf hoher See.

Sie haben neulich Ihren Hamburger Kollegen Ties Rabe besucht. Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?

Wenn ich die Qualität in den Schulen verbessern will, muss ich genau hingucken, was vor Ort passiert, muss Daten erheben, nach wissenschaftlichen Kriterien auswerten und die Ergebnisse den Schulen und der Behörde mitteilen und gemeinsam diskutieren. Deshalb wollen wir das Institut für Qualitätsentwicklung nach dem Hamburger Vorbild aufbauen. Es soll als eigenständiger Akteur außerhalb der senatorischen Behörde aufgestellt werden. Ich habe auch Interesse an Kritik an meiner Behörde.

Wie weit ist der Aufbau?

Ich werde alles dafür tun, dass wir das Institut haben werden, wenn wir das nächste Mal Ostern feiern.

Wir groß wird es sein?

Das wird sich entwickeln, zunächst wird es rund 20 Stellen haben. Die Direktion des Instituts soll mit meinem Staatsrat Ziele und Leistungen vereinbaren und das Institut dann in diesem Rahmen eigenverantwortlich arbeiten. Der erste notwendige Schritt wird sein, Daten etwa über Vergleichsarbeiten in den Schulen zu erheben und in Beziehung zu setzen zu anderen Daten, zum Beispiel zu Sozialindikatoren. Und dann guckt man, was man daraus lesen und lernen kann und koppelt es an die Schulen zurück. Unterrichtsbesuche wären eher etwas, das sukzessive aufgebaut werden muss.

Steigen auch die Ausgaben pro Schüler auf Hamburger Niveau? Bisher gibt Bremen rund 30 Prozent weniger aus.

Hamburg kann sich deutlich mehr leisten als Bremen. Mehr wäre schön, aber da ist auch der Bund gefordert, den Ländern unter die Arme zu greifen. Mein Ziel ist, die Schülerinnen und Schüler in den Schulen stärker zu unterstützen. Und da kriegen wir auch was hin. Durch Kooperationen mit Sportvereinen oder Kultureinrichtungen kann man zusätzliche Angebote machen und zugleich die Lehrerinnen und Lehrer entlasten, etwa indem man Gruppen teilt.

Schülerinnen und Schüler ab 12 Jahre können sich auch in ihren Schulen gegen Corona impfen lassen. Wie viele nehmen das Angebot an?

Es ist toll, dass es jetzt auch dezentral an den Schulen ein Impfangebot organisiert wird. Die jeweiligen Zahlen hat das Gesundheitsamt, aber es wird gut angenommen.

Sie haben eine Impfpflicht für alle gefordert, die mit Kindern arbeiten. Wann kommt die?

Es ist klar, dass das auf Bundesebene entschieden wird. Mir war es wichtig, die Debatte anzustoßen. Wir als Senat haben beschlossen, als Arbeitgeber den Impfstatus der Beschäftigten abzufragen, die mit Kindern in Gruppen arbeiten.

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