Günstige Monatstickets sollen zum Umsteigen auf Bus und Bahn anregen, doch bislang ist unklar, wer die Tickets wie verkauft. Foto: WRHermann
Verkehrsminister

Rätsel um 9-Euro-Tickets

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Länder sollen Ausgabe der versprochenen Billig-Karten klären. Erstmal gibt es einen Arbeitskreis...

Die letzte Meldung stammt vom Montag. Da kündigte die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) an, dass die Fahrgäste ihre Tickets von sofort an wieder beim Busfahrer kaufen können. Außerdem würden in Bussen und Straßenbahnen wieder Fahrkarten kontrolliert. Von der wichtigsten Nachricht für die BSAG-Kunden kein Wort.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag beschloss die Koalition in Berlin: Drei Monate lang soll jeder Bürger in seinem Verkehrsverbund ein Monatsticket für 9 Euro kaufen können. Wegen der stark gestiegenen Spritpreise will sie so die Autofahrer beim Umstieg auf Bus und Bahn unterstützen.

Arbeitsgruppe soll Details klären

Doch wann die 9-Euro-Monatskarten kommen und wo man sie erhält, klärte die nächtliche Runde in Berlin nicht. Das sollen jetzt die Verkehrsminister der Bundesländern regeln. Die tun sich schwer damit. Zwei Stunden länger als geplant tagten sie am Freitag. Das Ergebnis: Sie richten eine Arbeitsgruppe ein, die die Details klären soll.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing hält schon eine Einführung zum 1. Mai für möglich. Seine Länderkollegen sind da skeptischer. Die meisten fordern ohnehin ein Gratisticket für jeden für drei Monate. Es böte nicht nur einen besseren Anreiz zum Umstieg, auch der administrative Aufwand sei geringer, meint Bremens Mobilitätssenatorin und Vorsitzende der Ministerrunde Maike Schae­fer. Die Unternehmen müssten dann nicht alle Fahrkartenautomaten umrüsten.

Null-Euro-Variante abgelehnt

Für die Null-Euro-Variante kann sich Wissing nicht begeistern. „Wir bieten den Länder das 9-Euro-Ticket an“, sagt der Bundesminister. 2,5 Milliarden Euro will der Bund dafür den Ländern überweisen. Automaten müssten nicht umgestellt werden, das Ticket könnte übers Internet angeboten werden, meint Wissing. „Vielleicht kann man auch das Online-Ticketsystem der Deutschen Bahn nutzen.“

Von dem Angebot sollen auch die Stammkunden profitieren, die eine Monats- oder Jahreskarte abonniert haben. Die Abbuchungen sollen entsprechend geändert werden. „Ganz ohne administrativen Aufwand geht es also nicht“, meint Wissing.

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter überzeugt das ganze Angebot nicht. „Was nutzt mir ein 9-Euro-Ticket, wenn ich auf dem Land wohne und der Bus nur dreimal am Tag fährt?“

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