Die Freiwilligendienstler werden zum Beispiel zur Unterstützung in Kita-Gruppen, Senioreneinrichtungen, bei Fahrdiensten oder in Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige eingesetzt. Foto: Pixabay
FSJ und Co.

Freiwilligendiensten in Bremen fehlen die Bewerber

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Viele Stellen bei den Freiwilligendiensten sind unbesetzt. Träger fordern, dass das Angebot attraktiver wird.

Die Situation war für die Diakonie Bremen nicht abzusehen: Etwa ein Drittel der 150 Stellen für den Freiwilligendienst in Bremen sind dort noch offen. Im vergangenen Jahr hat der Träger aufgrund der damals noch zahlreichen Bewerbern sogar weitere Stellen besetzt und insgesamt 163 junge Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ) oder im Bundesfreiwilligendienst (BFD) eingesetzt. „Wir erleben gerade einen massiven Einschnitt“, sagt Philip König-Scheumann, Pädagoge im Team für die Freiwilligendienste bei der Diakonie.

Anderen Trägern in Bremen geht es ähnlich. Der Soziale Friedensdienst (SFD) bietet im Land Bremen jährlich etwa 250 Freiwilligendienste an. „Im Vergleich zum Vorjahr, in dem die Bewerberlage bei uns auch schon schwieriger war, können wir 15 bis 20 Prozent der Stellen nicht besetzen“, sagt Geschäftsführerin Nadine Portillo. Sechs von 15 möglichen Freiwilligenstellen sind bei den Johannitern in der Region Bremen/Verden noch frei.

Träger spekulieren über die Gründe

Warum sich jetzt weniger junge Menschen bewerben, darüber können die Träger nur spekulieren. „Die Neigung, sich sozial zu engagieren, hat abgenommen“, sagt Nicole Baumann, Sprecherin des Regionalverbands Bremen-Verden bei der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Fehlende Anerkennung für soziale Berufe, schlechte Rahmenbedingungen sowie Corona-Jahre, die in den jungen Leuten den Wunsch nach Freiheit ausgelöst haben, vermutet Portillo vom SFD. „Viele Menschen möchten sich nach dem Schulabschluss nicht für ein Jahr festlegen.“

Freiwilligendienste sollen Fachkräfte generieren

Eine „gesellschaftliche Katastrophe“ nennt sie den Umstand, dass insbesondere im sozialen Bereich die Nachfrage sinkt. „Die sozialen Berufe brauchen Nachwuchs. Es handelt sich um Arbeiten, die man eben nicht digitalisieren kann. Eigentlich soll der Freiwilligendienst ein Fachkräftezubringer sein“, sagt Portillo.

Es brauche eine Veränderung, findet auch König-Scheumann von der Diakonie. „Der Dienst muss attraktiver gestaltet werden.“ In Bremen gibt es seit diesem Herbst für die Freiwilligen ein vergünstigtes Ticket für Bus und Bahn. Ein wichtiger Schritt, doch das reiche noch nicht aus. „Wir brauchen auch mehr Unterkünfte, um die Freiwilligen an den Einsatzorten unterbringen zu können“, sagt der Pädagoge. Zudem plädiert er für eine bessere Bezahlung.

Teilzeitmodelle sollen möglich werden

Bei der Diakonie und beim SFD erhalten die Freiwilligen etwa 425 Euro pro Monat und arbeiten Vollzeit. „Ob das angemessen ist, darüber lässt sich streiten“, sagt Portillo. „Aber uns sind die Hände gebunden. Die Rahmenbedingungen kann nur der Gesetzgeber ändern.“ Das gelte nicht nur für das Taschengeld, sondern auch für die Arbeitszeitmodelle.

„Teilzeit ist gerade stark nachgefragt, auch bei den Freiwilligen. Bisher ist das aber nur in begründeten Einzelfällen möglich“, sagt Portillo. Eine für das Frühjahr geplante Gesetzesnovelle soll das ändern und Teilzeit auch zum Regelfall machen.

Die SFD-Geschäftsführerin möchte künftig mehr für die Freiwilligendienste werben. Auch die Johanniter werden auf Messen weiter die Werbetrommel für FSJ und Co. rühren. Denn eine wichtige Botschaft gibt es, sagt Johanniter-Sprecherin Baumann. „Die, die einen Freiwilligendienst absolviert haben, sind hinterher so begeistert und wissen, was sie wollen.“

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