Ende Januar verlässt Hermann J. Olbermann (links) den WESER REPORT. Grund genug für Bürgermeister Andreas Bovenschulte für einen Rollentausch: Jetzt stellt er die Fragen.Foto: Schlie Ende Januar verlässt Hermann J. Olbermann (links) den WESER REPORT. Grund genug für Bürgermeister Andreas Bovenschulte für einen Rollentausch: Jetzt stellt er die Fragen. Foto: Schlie
Interview

„Typisch für den Norden“

Von
Bürgermeister Andreas Bovenschulte interviewt scheidenden WESER REPORT-Chefredakteur

Andreas Bovenschulte: Herr Olbermann, Sie sind in Düsseldorf aufgewachsen, haben in Hamburg studiert und zuletzt in Bremen gearbeitet. Sie kennen also das Rheinland und den Norden. Was liegt Ihnen mehr: rheinische Frohnatur oder kühler Hanseat?

Hermann J. Olbermann: Zum Abschied von der Wirtschaftswoche haben mich die Kolleginnen und Kollegen zum „Hanseaten ehrenhalber“ ernannt – in der Überschrift auf der extra für mich gebauten Titelseite. Ich fand das ganz passend.

Das haben Sie sich wahrscheinlich damit verdient, dass Sie über Jahre den Karnevalsmuffel gegeben haben.

Sagen wir mal so: Ich bin Rosenmontag nicht aus dem Rheinland geflüchtet. Aber so richtig gefeiert habe ich ehrlicherweise auch nie.

Wie würden Sie denn den Unterschied zwischen dem Norden und dem Rheinland beschreiben?

Sie kennen ja die alte Geschichte. Wenn der Rheinländer sagt: Komm mal zum Kaffee vorbei, dann ist er völlig erstaunt, wenn Sie wirklich kommen. Wenn der Bremer das sagt, dann ist er erstaunt, wenn Sie nicht kommen.

Aber es heißt doch oft, dass die Menschen im Rheinland viel aufgeschlossener sind.

Der erste Kontakt ist im Rheinland häufig einfacher, danach ist dann aber meist relativ schnell Schluss. Im Norden dauert es zwar länger, bis man Anschluss gefunden hat, dann aber gehört man fest dazu.

Mir wird oft erzählt, dass die Menschen in Bremen sehr aufgeschlossen und sehr freundlich sind. Ist das wirklich so?

Die Leute hier sind wirklich sehr hilfsbereit, das ist mir auch aufgefallen. Wenn sie etwas orientierungslos herumstehen und nach dem Weg suchen, werden sie sofort angesprochen und gefragt, wie man helfen könne. Und wenn Sie ganz verwirrt aussehen, werden Sie auch noch zur nächsten Kreuzung begleitet. Das ist schon typisch für Norddeutschland.

Zwischen den Jahren war ihre Frau zu Besuch in Bremen. Was haben Sie unternommen? Was können Sie anderen Kurzurlaubern empfehlen?

Am Silvestermorgen haben wir an einer Führung durch den Ratskeller teilgenommen – das wollten wir schon immer machen, haben es aber nie geschafft. Das ist schon beeindruckend. Dass der Keller sich unter dem Domshof bis zur Markhalle erstreckt, das wusste ich natürlich. Aber wenn man dann in dem Keller steht, das ist schon etwas anderes. Überhaupt das Rathaus, der Dom, der Schnoor, das Viertel – das ist Pflichtprogramm. Und natürlich der Bürgerpark. Den finde ich wirklich einmalig. Mitten in der Stadt ein Ort, an dem man sofort abschalten kann. Mein Lieblingsplatz ist Sonntagnachmittag im Innenhof der Meierei – wenn es Glühwein gibt. Oder im Sommer die Waldbühne.

Und aus der Sicht eines Redakteurs, was bleibt Ihnen da positiv in Erinnerung?

Beeindruckend ist, dass Bremen auch in der Politik eine Stadt der kurzen Wege ist. Man kommt schnell an die Verantwortlichen ran, das ist total unkompliziert. In Flächenländern ist das natürlich anders.

Gibt es auch etwas, das Sie nicht vermissen werden?

Die Bremer sind völlig zu Recht stolz auf ihr Kulturerbe. Aber sie haben manchmal zu viel Angst vor Veränderungen. Nehmen wir die Libeskind-Pläne für den Brill. Die einfach abzulehnen war mindestens vorschnell. Am Ende heißt es in Bremen häufig: Das war schon immer so, oder: das haben wir noch nie so gemacht, …

… da könnte ja jeder kommen?

So ungefähr. Ein bisschen mehr Mut zur Veränderung könnte nicht schaden.

So wie bei dem geplanten Umzug der Uni an den Domshof?

Ja, das ist schon mutig. Wenn auch ein bisschen aus der Not geboren, weil im Technologiepark kein Platz mehr ist und am Domshof das Bankgebäude leer steht. Aber dass die Universität in die Innenstadt soll, das ist auf jeden Fall gut. Für die Uni und für die City.

Bremen ist bekannt für Werder, für Bier und für die Stadtmusikanten, für OHB, Airbus und Mercedes. Aber es gibt hier auch ganz viele Firmen, die zwar Weltmarktführer sind, aber außerhalb Bremens eher unbekannt. Reden wir zu wenig über unsere Erfolge?

Die Bremer sind zu bescheiden, keine Frage. Bei Airbus denken alle an Hamburg, bei Mercedes an Stuttgart, dabei steht hier eines der größten Mercedes-Werke weltweit. Da könnte man mehr draus machen.

Können wir da von den Rheinländern lernen?

Ach, ich weiß nicht. Die Rheinländer übertreiben auch, aber in die andere Richtung. Aber Hamburg wäre ein gutes Vorbild. Die sagen überall, dass Hamburg die schönste Stadt der Welt ist. Auch wenn sie selbst wissen, dass das nicht jeder so sieht. Die Bremer suchen dagegen immer den Vergleich, zum Beispiel mit Hannover oder mit Oldenburg. Dabei könnten sie einfach sagen: Bremen ist Bremen. Und Bremen ist einzigartig.

Zum Abschluss. Wenn Sie die Wahl hätten, wie würden Sie sich entscheiden? Beck‘s oder Alt?

Beck‘s!

Knipp oder Sauerbraten?

Sauerbraten!

Bratwurst oder Halver Hahn?

Bratwurst!

Werder oder Fortuna?

Fortuna!

Weser oder Rhein?

Rhein!

Freimarkt oder Karneval?

Freimarkt!

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren...

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner