Bis heute eine Schule - und auf einer ganzen Etage das Schulmuseum Bremen: In Hastedt kennt man die Wandmalerei an der „Lehranstalt“ Hohwisch. Bei uns führt die Museumsleiterin die Leser durch Häppchen der Ausstellung: Fotos: Marcus Schmidt
Schulmuseum

Jeder sollte einmal hier sein

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Im Schulmuseum erlebt man Lernen zwischen Kaiserzeit, Nazijahren und den 70ern

„Keine Mona Lisa – aber Würmer in Alkohol, die Gesundheitserziehung sichtbar machen.“ Hölzerne Schulbänke, wie Sie im Film „Die Feuerzangenbowle“ vorkommen könnten. Ein Autobahn-Spiel, das die Beeinflussung durch Propaganda von Kindern in der Nazizeit nacherleben lässt: „Jeder sollte einmal hier sein“, meint nicht nur eine Passantin vor der Tür am Schulmuseum Bremen.

Schulklassen sind besonders willkommen

Das sieht auch Museumsleiterin Frauke Hellwig so, die sich mehr Klassen, aber auch zukünftige Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Haus wünscht. Eine ganze Etage der Schule „Hohwisch“ lädt zum Entdecken, Staunen und Zuhören. Vom Bild mit dem Reformpädagogen Carl Dantz schwärmt Hellwig besonders: „Wie die Kinder ihn umringen!“ Normal wäre bis heute, dass Lehrer hier und die Schüler dort sind – Frontalunterricht eben. Aber auch der Schwerpunkt „Kriegspropaganda“ bewegt sie: Hasserfüllte Menschen damals erinnern sie auch an heute: „Wenn man zum Beispiel an die Veranstaltungen Putins vor jungen Menschen denkt.“ Das sei wie bei der Hitlerjugend.

Von der Einführung der Schulpflicht 1844, bis in die 60er und 70er Jahre reichen die Ausstellungsstücke, die durch Tafeln, QR-Codes für Smartphones und Führungen erklärt werden.

Das wohl beliebteste Fotomotiv sind historische Schulbänke. Als „Schuldirektorin“ musste Frauke Hellwig schon oft herhalten.

Ein Blick in die Vergangenheit

Der Trägerverein wurde im November 1984 gegründet, was dieses Jahr im November gefeiert werden soll. Ex­tras wie eine digitale Ausstellung zu Kinderrechten starten schon im März. Dazu passt, dass Gäste oft fragen, wie es denn mit Bestrafungen war? Ein Rohrstock mahnt anschaulich, was in Deutschland noch bis in die 70er an Gewalt im Unterricht möglich war.

Begriffe wie „Pauken“ oder „Bimsen“ sprechen für gnadenlose Wissensvermittlung in früheren Jahrhunderten. Das habe sich erst mit der Reformpädagogik etwas gelegt – unterbrochen in der Zeit unterm Hakenkreuz und im Zweiten Weltkrieg.

Wünschenswertes aus dem Bereich der Politik

Was sich Hellwig für die Vermittlung solcher Stoffe am meisten von Senatorin Sascha Karolin Aulepp wünscht? Etwas, das jede Museumsdirektorin gern hätte: „Mehr Gäste und mehr Platz!“ Die Schwerpunkt-Themen bräuchten mehr Fläche. Die Archive und eine Bibliothek quellen über von Exponaten. Auch für Veranstaltungen hätte man mehr Raum nötig. Nebenbei erwähnt sie auch, dass das Museum schon mit anderen gleich geschätzt werden sollte. Fehlende Informationen an Reisende und spontane Ausflügler, spielten dabei auch eine Rolle.

Allgemeine Infos zum Schulmuseum

Ort: Auf der Hohwisch 61 bis 63, Eingang über den Schulhof. Öffnungszeiten: Montags, dienstags und freitags 9 bis 14 Uhr, mittwochs und donnerstags 9 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung. Es gibt kaum Parkplätze in der Nähe, aber die Straßenbahn-Linien 2 und 3 halten an der Station „Hohwisch.“

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