Ein Radio-Feature zu hören, ist über mehrere Wege möglich: im Auto, in der Bahn, über Kopfhörer auf dem heimischen Sofa oder im klassischen Radio – aber auch mit vielen anderen Menschen zusammen in einem Raum. Letztere Möglichkeit bietet das Bremer Hörkino, dass es in diesem Jahr seit 22 Jahren gibt. Kino für die Ohren also. Und die Erfinder sind Beate Hoffmann und Charly Kowalczyk.
Kowalczyk und Hoffmann als Team des Hörkinos
Beide haben viele Features produziert und kennen sich gut damit aus. „Mein Kollege Charly hatte die Idee, ein Feature mal vor Publikum spielen zu lassen. Denn so hören Interessierte zusammen und nicht alleine. Und so ist das Hörkino entstanden“, berichtet Beate Hoffmann. Sie arbeitet seit 1987 als freie Journalistin und Moderatorin. Im Jahr 1997 gründete sie das Bremer Medienbüro für zwölf Medienschaffende.
Charly Kowalczyk lebt in Potsdam und schreibt seit 1998 Features, Reportagen und Sachbücher. Sein Interesse gilt vor allem sozialen und umweltpolitischen Themen. „Wir haben am Anfang überlegt, wie wir diese Idee umsetzen können und haben mit dem Energieversorger swb einen Sponsor gefunden.
Zudem wollten wir die Lust am Hören ein bisschen befördern“, erzählt Hoffmann. Auslöser für die Gründung des Hörkinos sei die Streichung von Featuresendeplätzen bei Radio Bremen gewesen. „Zuvor gab es zwei oder drei in der Woche und einen festen am Sonntag. Jedenfalls sind die Sendeplätze dann gestrichen worden. Und wir wollten dagegen ein Zeichen setzen und haben das Hörkino entwickelt.“
Breites Themenspektrum
Die Akquise der Feature-Autoren geschieht über Kowalczyk. „Er ist nah dran an den Themen, weil er selber Features produziert. Inzwischen sind wir bei den ARD-Hörfunkanstalten wie Bayerischen Rundfunk, NDR, SWR und anderen Sendern so bekannt, dass deren Feature-Redaktionen ihre Stücke von sich aus uns schicken. Und sie fragen, ob wir die Stücke bei uns präsentieren können“, sagt Beate Hoffmann. Dann hätten sie die Qual der Wahl.
An neun Abenden im Jahr findet das Hörkino im Alten Fundamt statt. Eine Auswahl an verschiedenen Themen treffen Hoffmann und Kowalczyk. „Wir nehmen politische Themen, Gesundheitsthemen oder auch Themen auf, die sich mit anderen Ländern beschäftigen. Dabei versuchen wir, eine gesunde Mischung zu erzeugen. Zudem kennen wir unser Publikum ganz gut und wissen, womit Menschen sich gerne beschäftigen und darüber diskutieren wollen.“
Hörkino als soziales Event
Die Besonderheit am Hörkino ist, dass 40, 50 oder 60 Menschen bei einem Glas Wein, Wasser, Bier oder anderen Getränken zusammensitzen und gemeinsam eine Radio-Geschichte hören. „Dabei entsteht so eine ganz dichte Atmosphäre, weil sich alle zusammen auf das Gehörte konzentrieren und dabei Bilder im Kopf entstehen lassen. Und es entsteht eine Gemeinschaft“, betont Beate Hoffmann. Im Anschluss können die Besucher mit den Autoren über deren Feature sprechen und diskutieren. „So bekommen die Leute Hintergrundinformationen über die Entstehung, Recherche und Anlass für die Produktion.“
Für die Zukunft des Hörkinos wünscht sich Beate Hoffmann: „Wir würden uns freuen, wenn uns auch junge Menschen besuchen würden, sie sind herzlich willkommen.“ Aktuell ist es so, dass die Altersspanne der Besucher zwischen 40 und 70 Jahren und aufwärts beträgt.
Die nächste Veranstaltung des Hörkinos findet am Mittwoch, den 4. Februar 2026 um 19.30 Uhr im Alten Fundamt, Auf der Kuhlen 1a, 28203 Bremen statt. Der Eintritt ist frei. Dann zu hören ist das Feature „Atompoker mit Russland“ von Maike Hildebrand und Karl Amannsberger.





