Seit 2022 ist Mariano Chiacchiarini Universitätsmusikdirektor an der Universität Bremen. Jedes Semester dirigiert er die Abschlusskonzerte und brachte das Ensemble zu einem Gastbesuch an die renommierte Sorbonne Université in Paris. Foto: Matej Meza Seit 2022 ist Mariano Chiacchiarini Universitätsmusikdirektor an der Universität Bremen. Jedes Semester dirigiert er die Abschlusskonzerte und brachte das Ensemble zu einem Gastbesuch an die renommierte Sorbonne Université in Paris. Foto: Matej Meza
Universitätsmusik

Mit jedem Ton wächst die Freude

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Wie das Universitätsensemble Bremen unter Mariano Chiacchiarini die Glocke erobert

Wenn morgen der Saal der Glocke in freudiger Erwartung verstummt, wird es für die Mitglieder des Universitätsensembles, bestehend aus Chor und Orchester, nach einem Semester voller Proben und Arbeit wieder ernst. Ehe der erste Bogen zum Einstimmen über die Saiten streicht, wird es noch einmal laut. Wenn der Dirigent die Bühne betritt: Mariano Chiacchiarini.

Historie der Universitätsmusik

Während die Anfänge des Universitätsorchesters bis in das vergangene Jahrtausend zurückreichen, ist der Chor noch relativ jung. Hervorgegangen aus einem Ensemble der ehemaligen Pädagogischen Hochschule Bremen, wurde das Universitätsorchester im selben Jahr wie die Universität selbst – 1971 – gegründet. Über drei Jahrzehnte später folgte der Chor. Anlass für die Gründung war die Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“ im Februar 2003, damals noch unter der Leitung der damaligen Universitätsmusikdirektorin Susanne Gläß.

Seit September 2022 ist Chiacchiarini Universitätsmusikdirektor an der Universität Bremen. Gleichzeitig ist er weltweit ausgezeichnet, unter anderem mit dem Echo Musikpreis, als „Herausragende Persönlichkeit der Kultur“ seiner Geburtsstadt und seit 2025 als „Dirigent des Jahres“ des Musikkritikervereins – ein Preis, überreicht im Parlament von Buenos Aires.

Dirigent seit 2022: Mariano Chiacchiarini

Wieso arbeitet einer wie Chiacchiarini also weiterhin mit Studierenden zusammen? „Ich habe es immer geliebt, mit Laien zu arbeiten. Es ist etwas, was uns Profis sehr gut tut, um raus aus der Routine zu kommen und diese Liebe zur Musik immer wieder neu zu entdecken“, erklärt Chiacchiarini.

Und auch für die Studierenden haben die Musik und das Engagement im Chor große Bedeutung, hebt Chiacchiarini hervor: „Wir schaffen einen Raum, in dem es heißt: Raus aus der Wohnung, raus aus dem Scrollen am Handy und hin zu anderen Menschen.“ Die Entwicklung, die der Chor und das Orchester seit seinem Amtsantritt genommen haben, sei außergewöhnlich, meint der Dirigent. 2022 waren Chor und Orchester, auch wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie, dezimiert. Binnen weniger Jahre formten Chiacchiarini und die Universität ein Ensemble, das 2024 sogar an der Sorbonne Université in Paris auftreten konnte.

Unter Chiacchiarini zur Sorbonne und zurück

„Das war ein Highlight und einer unser wichtigsten Auftritte. Wir sind mit 170 Personen nach Paris gefahren und haben dort mit unserem Auftritt das Puccini-Jahr gemeinsam gefeiert“, so Chiacchiarini. Wenige Wochen später traten dann Studierende der Sorbonne gemeinsam mit dem Universitätsensemble in der Glocke auf. Doch vor solchen besonderen Momenten steht viel Arbeit. Zu Beginn jedes Semesters treten neue Studierende dem Chor bei.

„Das ist vielleicht die schwierigste Aufgabe: Wie bekommt man die Neuen schnell auf das gleiche Level? Denn es muss Spaß machen, aber gleichzeitig wollen wir auch das Niveau verbessern“, erklärt Chiacchiarini. Beim verpflichtenden Vorsingen könne man schon gut absehen, wie es für die Personen weitergehe. Im Orchester gebe es allerdings feste Plätze, die nur neu vergeben werden, wenn Musizierende ausscheiden: „Schließlich können wir keine 15 Klarinetten haben“, scherzt Chiacchiarini.

Stehen Chor und Orchester, wird geprobt – jede Woche drei Stunden über den Verlauf des Semesters. Die Auswahl des Repertoires ist dabei nicht immer einfach. „Es muss etwas Interessantes für alle sein, aber auch etwas, das für unsere Entwicklung etwas bringt“, meint Chiacchiarini. Sein Fokus liegt auf Werken, die in Bremen noch nie aufgeführt wurden, um etwas Neues und Besonderes zu schaffen.

Vaughn Williams hat es Chiacchiarini angetan

2024 leitete Chiacchiarini die bremische Uraufführung der ersten Sinfonie von Vaughan Williams, der Sea Symphony. Die Auswahl des Stücks folgte nicht nur musikalischen Kriterien, sondern auch, weil Bremen führend im Bereich Meereswissenschaften sei. In Verbindung mit dem Meeresinstitut Marum bot man neben dem Konzert auch eine begleitende Ausstellung an. Vaughan Williams hat es Chiacchiarini offensichtlich angetan: Mit seinem Werk „Toward the Unknown Region“ – zu Deutsch „In das Unbekannte“ – betreten Chor und Orchester morgen die Bühne der Glocke.

Die beiden Ensembles präsentieren zudem Niels Gades Konzertouvertüre „Efterklange af Ossian“ und Jean Sibelius’ einzigartige siebte Sinfonie. Ergänzt wird das Programm durch einfühlsame britische Lieder aller Zeiten, die eine spannende Balance zwischen Klangfülle und Intimität schaffen sollen, so Chiacchiarini. Auch das nächste Projekt hat Chiacchiarini bereits im Blick: Zum Sommersemester sollen Chor und Orchester erstmals Teile einer Oper aufführen – die Cavalleria rusticana von Pietro Mascagni.

Doch noch liegt der Fokus auf morgen. Insbesondere in diesen schwierigen Zeiten, mit Blick auf die Weltlage und dem damit einhergehenden Pessimismus, sei die Musik und solche Konzerte besonders wichtig. „Wenn man in die Probe geht oder zum Semesterabschluss ins Konzert, ist es, als würden wir die Zeit stoppen. Und dann, wenn wir fertig sind, sehe ich diese Freude, dass wir etwas geschafft haben – etwas, das uns als Menschen besser macht und etwas, das bleibt.“

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