Queer und bissig: So illustriert sich das QFBL auf ihrem Infomaterial und Postkarten. Das Bündnis it noch nicht ganz ein Jahr alt. Es gründete sich im Rahmen des Internationalen Frauentages 2025. Foto: Roskamp
Lilienthal

Feminismus im ländlichen Raum

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Das Queerfeministische Bündnis Lilienthal will sich patriarchaler Gewalt entgegenstellen

Eine Premiere für Lilienthal ereignete sich im vergangenen Frühjahr: Zum als Internationaler Frauentag oder auch Feministischer Kampftag genannten 8. März organisierte eine kleine Arbeitsgruppe erstmals eine eigene Demonstration zu diesem Anlass in Lilienthal.

„Das war eine recht kleine Arbeitsgruppe“, blickt Tomke Schwarz zurück. Schwarz engagiert sich im Queerfeministischen Bündnis Lilienthal (QFBL), das aus der Arbeitsgruppe entstand. „Dann haben wir gesagt: Bei der 8.-März-Demo lief es ja eigentlich ganz gut. Und es darf auf jeden Fall noch größer werden.“

Den Kern der Gruppe bildet eine Handvoll Personen, die sich für ihre Initiativen mit weiteren Gruppen und Einzelpersonen im Landkreis vernetzen – so wie mit der Selbsthilfegruppe Trans*Net oder der Jugendgruppe Lilis Wohnzimmer. Die Altersspanne der im Bündnis aktiven Menschen reicht dabei „von Jugendlichen bis Senioren“, so Schwarz.

Ein wichtiges Ziel der Bündnisgründung sei gewesen, häufiger sichtbar zu sein als nur am 8. März. Die Mitglieder möchten sich für Gleichberechtigung und gegen patriarchale Gewalt einsetzen. „Es ist eine Alltagsgewalt für viele Personen. Und durch diesen Alltagscharakter wird es total lapidar behandelt“, ist Schwarz überzeugt.

Seit August 2025 tritt das Bündnis öffentlich auf. Seinen Auftakt vollzog das QFBL mit einem Stand auf der Nachhaltigkeitsmesse in Murkens Hof, wo die Mitglieder Flyer und Sticker verteilten, und auch selbstbedruckte Second-Hand-T-Shirts und Patches anboten. Generell habe die Bündnisarbeit oft „auch einen künstlerischen Aspekt“, berichtet Schwarz.

Auch die grüne Kommunalpolitikerin Christina Klene beteiligt sich beim QFBL. Sie will die Veranstaltungsreihe „Frauenfrühstück“ reaktivieren, das Format war durch die Corona-Pandemie eingeschlafen. Dieses sei stets eine gute Möglichkeit gewesen, „neue Frauen kennenzulernen, sich zu vernetzen, sich auszutauschen, verschiedene Lebenswelten nebeneinander zu haben“, erzählt Klene.

Sie finde es „manchmal auch erschütternd“, dass „heute nichts besser ist als früher.“ „Ich musste mich schon häufig als Feministin beschimpfen lassen“, berichtet Klene. „Ich finde, darüber sollten wir längst hinaus sein, das wäre schon schick. Aber man muss immer noch dran arbeiten.“ Für entsprechend aktuell und relevant hält sie die Arbeit des QFBL.

Angesichts der politischen Gegenwart habe sie gelegentlich „die Befürchtung, dass es eher wieder rückwärts geht als vorwärts.“ In jedem Falle aber sei patriarchale Gewalt ebenso wie ihre Bekämpfung, „ein Thema durch alle Generationen“.

Gerade arbeitet das QFBL daran, sich im Landkreis über Lilienthal hinaus mit Interessierten zu vernetzen. Gemeinsam wollen die Beteiligten überlegen, wie sie das Thema patriarchaler Gewalt spezifisch im ländlichen Raum sichtbar machen und dazu arbeiten können – abseits der politischen und akademischen Kollektive, die es im urbanen Bremen gibt. Dabei ist Schwarz wichtig zu betonen: Das Bündnis steht volljährigen Personen jeden Alters und Politisierungsgrades offen, ebenso wie feministisch eingestellten Männern.

Das Queerfeministische Bündnis Lilienthal ist per E-Mail unter queer.feministisch.lilienthal@gmx.de erreichbar.

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