Zum Jahresbeginn hat sich das Theater in OHZ (TIO) beileibe kein leichtes Stück ausgesucht. Bei „Der Kredit“ – die hochdeutsche Produktion dieser Saison – liegt der Fokus auf dem verbalen Schlagabtausch zwischen zwei Männern. Banker und Kunde. Der eine will Geld, der andere möchte es nicht hergeben. So viel zur Ausgangslage. Es ist jetzt schon deutlich: Da wird schauspielerisch einiges abverlangt. Und es kommt noch toller. Das Stück spielt gänzlich in einem schmucklosen Bankbüro. Ein Aquarium gibt dem Bühnenbild etwas Farbe, aber es ist eben nur ein Tupfer im thematisch passenden Grau. Was bezeichnet ein Büro außerdem? Genau, der Schreibtisch. Wer schon einmal gespielt hat, weiß, wie sehr man sich abmühen muss, um den Zuschauer den gesellschaftlichen Zwang vergessen zu lassen, der sich zwischen zwei Menschen aufbaut, die auf Stühlen sitzen und durch ein Stück Holz getrennt sind. Ein Glück, dass Regie und Besetzung eben diesen Umstand in der Inszenierung umspielen, aushebeln, persiflieren.
Regisseurin Elke Münch lässt ihren Darstellern Ralf Frerichs (Herr Goetz, Bankangestellter) und Mathias Hobein (Anton Schmidt, Antragsteller) Raum zum Probieren. Das Sitzen am Tisch ist reine Ausgangslage. Der gemeinsame verträumte Blick ins Aquarium bietet da Momente zur Verbrüderung, an anderer Stelle wandelt sich das Büro in einen provisorischen Seminarraum. Ganz schafft Autor Jordi Galceran aber nicht, das Tempo zu halten. Hin und wieder gibt es Längen im Stück, vielleicht hätte der ein oder andere Blick aus der arg eingeschränkten Kammer heraus dem Spiel doch helfen können, Komik noch zu unterstreichen.
Schauspieltalente unter der Lupe
Doch „Der Kredit“ bietet auch Gelegenheit, zwei Talente näher unter die Lupe zu nehmen. Frerichs beweist am laufenden Band, dass er über eine besonders ausdrucksstarke Mimik verfügt. Hobein auf der anderen Seite bringt eher seine Stimme, ein mitunter beeindruckendes Organ, zum Einsatz. Womit nicht gesagt sein soll, dass er wie am Spieß schreit. Tatsächlich halten sich Frerichs und Hobein die Waage. Was für den Einen die Gesichtsmuskulatur ist, ist für den Anderen die Stimmmodulation. Beide Schauspieler schaffen es auf ihre Weisen somit, die Charaktere zum Leben zu Erwecken.
„Der Kredit“ ist ganz klar eine Komödie. Den Zuschauer erwartet eine Inszenierung ohne viel Klimbim. Man kann sich gänzlich auf das Schauspiel konzentrieren. Leider ist das Stück für seine Handlung allerdings auch, sagen wir es freundlich, auf der ausführlichen Seite. Man kann den „Kredit“ noch zwölf Mal sehen, die nächste Aufführung findet am heutigen Sonntag um 16 Uhr statt. Weitere Termine und Möglichkeiten zum Kartenkauf gibt es unter theater-in-ohz.de





